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Das Tourenbuch Trail Running Schweiz ist bereits diesen Frühling als eBook auf unserem Tisch gelandet – und nun hat es aber auch den feststofflichen Weg zu uns gefunden (danke an Thomas vom Kundalini!). Denn natürlich schreiben wir keinen Bericht, ohne vorher zu testen. Das soll auch bei einem Buch nicht anders sein und heisst in diesem Fall: Tour aussuchen und ab in die Berge!

Da ich die Tour während einem Arbeitstag mache, sind meine Anforderungen folgende: eine möglichst lange, aber bequeme Anfahrt per Bahn, damit ich arbeiten kann. Dann eine Tour, an der man auch ein paar Kilometer lang Freude hat und die einigermassen laufbar ist, denn das macht mir einfach mehr Spass. Tour Nummer 29 schien wie für diesen Zweck entworfen: durch das Rosegtal im Engadin. Mit der Rhätischen Bahn nach Pontresina gondeln, dann direkt vom Bahnhof (Schliessfächer vorhanden) starten und in 35 Kilometer und 1600 Höhenmeter rund um das Gebirge von Piz Surlej und Piz Rosatsch.

Ich kaufe mir ein Tages-GA und breche mit dem ersten Zug von Zürich nach Pontresina auf. Die Fahrt ist eigentlich viel zu schön, um dabei zu arbeiten. Kurz nach 10 Uhr bin ich bereits auf dem Trail unterwegs in richtung Roseg.

Der Blick hoch zum Roseggletscher

Die ersten zwölf Kilometer folgen dem Rosegbach entlang, immer gut laufbar und leicht berghoch. Ein perfekter Start. Das Engadin ist jetzt nicht unbedingt ein Geheimtipp und es sind Sommerferien, dementsprechend sind viele Wanderer auf dem Weg unterwegs. Ich wünsche mir eine Klingel. Oder eine Hupe. Nach der eher flachen Passage folgt der Weg dem Lej da Ladret entlang, dem See des Roseggletschers. Unmittelbar nach dem See biegt er in einen Blau-Weiss markierten Pfad ein, ein steiler Anstieg zur Coazhütte folgt. Dort komme ich nach gut 90 Minuten an und wechsle ein paar Worte mit dem Hüttenwart. Die Aussicht auf den Roseggletscher und die Bernina-Gruppe ist atemberaubend. Für hungrige gibt es angeblich leckeren Kuchen, den man per Centimeter bestellen kann.
Weiter geht es zum höchsten Punkt der Tour, auf die Fuorcla Surlej (2753 müM), über die man das Rosegtal verlässt und kurz darauf eine schöne Sicht auf den Silvaplanersee, Sils und Maloja hat. Nach dem Lej dals Chöds geht es ein letztes Mal berghoch, der Trail ist verwurzelt, aber nicht sehr steil. Dann ein finaler Downhill nach Pontresina, wo ich am Nachmittag ankomme, den Kiosk leerkaufe und den Zug nach Hause nehme.

Die Tour hat definitiv Spass gemacht, nun warten noch 29 weitere Abenteuer! Mit dem gpx-Track auf der Uhr konnte ich den Kopf abschalten und einfach laufen. Für alle 30 Touren von Trail Running Schweiz wird der Track zum Download angeboten. Neben einer Tourenbeschreibung mit Tipps zum einkehren (solls ja geben) werden praktische Infos geliefert: Eine grobe Übersichtskarte, Höhenprofil, Schwierigkeit, Distanz, Höhenmeter, höchste Stelle, Startpunkt mit Auto oder ÖV und die Namen der umliegenden Gipfel.

Jede Tour ist über mehrere Seiten dokumentiert und in tollen Fotos festgehalten. Es gibt Infos und praktische Tipps zur Wanderweg-Wegmarkierung, Hütten und Material. Besonders wertvoll für Touristen, die sich in den Schweizer Alpen noch nicht auskennen.

Neben den Touren sind auch Kurzportraits einiger Läufer enthalten, darunter  Martin Anthamatten, Lizzy Hawker oder Swiss Trail Awards Gewinner Diego Pazos.

Auch wenn uns nur die Deutsche Ausgabe vorliegt merkt man, dass das Buch von den Autoren ursprünglich auf Englisch verfasst wurde. Die Deutsche Übersetzung ist etwas holprig und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich ins Englisch zurück übersetze. (Beispiel: mit “das letzte Klettern” ist wohl der “letzte Anstieg” gemeint (“the last climb”). Wir empfehlen jenen, die des Englischen mächtig sind, die Originalausgabe.

Mit Trail Running Schweiz – 30 unglaubliche Läufe ist den Autoren, darunter der von den Swiss Trail Awards 2016 bekannte Fotograf Dan Patitucci, ein Buch mit dem Potential zum Standardwerk gelungen. Die Touren sind über die ganze Schweiz verteilt und in der Regel um die 20 bis 30 Kilometer lang. Einheimischen sowie Touristen, die in der Schweiz laufen wollen, kann es ein Quell der Inspiration sein.

ISBN 978-2-940481-43-9, 319 Seiten. Erhältlich in diversen Shops und beim Herausgeber HELVETIQ.

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