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Der Pennine Way National Trail führt über eine Distanz von 429 Kilometer von Edale im englischen Peak District nach Kirk Yetholm, Schottland. Die Route bildet das Rückgrat (“The Spine”) Englands und durchquert einige der schönsten Landschaften der Insel.

Das The Spine Race wird traditionell im Winter durchgeführt. Der in Spanien lebende Schweizer Simon Gfeller hat die Strecke schon zwei Mal unter die Füsse genommen und wurde dieses Jahr Zweiter. Hier das Interview.

Simon Gfeller – 2. Platz overall nach 118 Stunden und 9 Minuten.

Glückwunsch zu deinem zweiten Platz am Spine Race! Konntest du dich bereits von den eisig kalten 429 Kilometer erholen?

Vielen dank! Erholt habe ich mich mittlerweile gut von den Strapazen. Ich bin jedenfalls schon seit einer Woche wieder am trainieren.

 

Du lebst seit über 15 Jahren im warmen Süden Spaniens – schön, aber sicherlich nicht ideal, um sich auf einen so harten Winter-Ultra vorzubereiten. Konntest du spezifisch dafür trainieren, auch was das Material angeht?

Ja, das stimmt. Hier in Malaga gibts kein so schlechtes Wetter und es wird auch nicht so kalt. Aber die Sierra Nevada in der Provinz Granada ist weniger als zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Dort ging ich einige Male trainieren, obwohl ich hauptsächlich bei mir mit einem etwa 7 Kilo schwer bepackten Rucksack trainierte.

 

Du hast bereits letztes Jahr am Rennen teilgenommen und wurdest Siebter. Was war dieses Jahr anders?

Letztes Jahr war es sehr nass. Die Moore, Pfade und Wanderwege standen regelrecht unter Wasser. Und es war deutlich weniger kalt als dieses Jahr, es hat nur geregnet und war bewölkt. Die diesjährige Edition war wirklich sehr hart, absolut episch! Es war furchtbar windig und stürmisch und der Windchill machte das Ganze noch schlimmer. Zwischenzeitlich fiel die Temperatur auf bis -17°. Der Lauf war daher noch anspruchsvoller als letztes Jahr.

 

Wie bist du mit diesen Bedingungen zurecht gekommen? Wie organisierst du dich?

Ehrlich gesagt es ist nicht einfach, unter diesen Gelände- und Wetterbedingungen überhaupt ans Ziel zu kommen. Es ist daher wichtig, Top Material bei sich zu haben. Mehre gute Jacken, Regenhosen, Handschuhe, Thermoshirts sind essentiell. Was nass wird, das trocknet auch nicht mehr und muss bei einem der wenigen Checkpoints gewechselt werden. Da es aber nur alle 80 Kilometer einen Checkpoint gibt ist das einfacher gesagt, als getan! Es gibt auch wasserdichte Socken, aber ich habe keine solche benutzt. Die Füsse sind ehrlich gesagt eh während des ganzen Rennens nass. Am besten macht man sich schon vor dem Lauf aus solche Sachen gefasst, man sollte sich bewusst sein, was da auf einen zukommen kann. Ich lief in normalen LURBEL-Wollsocken, die ich bei anderen Ultra Trails auch trage. Ein wichtiger Faktor ist auch die Nahrung! Je kälter es ist, um so mehr Energie braucht man. Es muss darauf geachtet werden, dass man genügend Kalorien zu sich nimmt, sonst wird es kritisch bei diesen Bedingungen.

 

Beim Spine Race gibt es fünf Checkpoints, wo für die Athleten Schlafmöglichkeiten, warme Mahlzeiten und Dropbags zur Verfügung stehen. Wie oft hast du geschlafen während des Laufes?

Das erste mal schlief ich bei CP2 bei Kilometer 175 rund 90 Minuten. Bei CP3 auf Kilometer 225 schlief ich eine Stunde und bei CP4, nach 290 Kilometer, nochmals 90 Minuten.

Beim CP5, nach 355 Kilometer, wurde mir mitgeteilt, dass die Rennleitung aufgrund der zunehmend schlechten Wettervorhersagen beschlossen hat, das Rennen für einige Stunden zu stoppen, um eine Entscheidung zu treffen. Das stundenlange warten hatte dann leider zufolge, dass meine nächsten zwei Verfolger auch am CP eintrafen und sich mein hart erarbeiteter Vorsprung in Nichts auflöste. Ich nutzte die Zeit zum schlafen und essen. Um 6 Uhr früh ging es dann weiter, die Organisatoren beschlossen, keine Änderungen vorzunehmen. Wir drei, der letztjährige Sieger Tom Hollins, John Knapp und ich, starteten dann zusammen, um die knapp letzten hundert Kilometer in Angriff zu nehmen.

 

Im diesjährigen Teilnehmerfeld waren viele vorjährige Sieger wieder dabei. Was war deine Rennstrategie?

Ehrlich gesagt, ich hatte eigentlich keine Rennstrategie. Ich wusste vom letzten Jahr, dass das ganze ein knallhartes Rennen wird. Ich liess mich nicht stressen, liess mich nicht beeindrucken von den anderen Läufern. Ich machte mir auch nicht zu viele Gedanken, wie viele Athleten vor mir waren oder mich verfolgten. Es ist ein langer Lauf und man kann an vielen Sachen scheitern. Ich konzentrierte mich auf den Lauf und auf mich selbst. Ich versuchte, mich so gut wie möglich zu organisieren und lief einfach so schnell ich konnte.

 

Auf dem Pennine Way gibt es einige wirklich eindrucksvolle Orte. Welcher dieser Streckenabschnitte ist dir am stärksten in Erinnerung geblieben?

Ein anspruchsvoller Teil war zweifellos Cross Fell. Das war wirklich knackig dort oben, echt krass! In der Nacht in etwa 30 Zentimeter Schnee und mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometer den richtigen Weg zu finden, der sowieso nicht mehr sichtbar unter dem Schnee lag, war nicht einfach. Ich war froh, als ich endlich zur Schutzhütte “Gregs Hut” kam und mich dort für etwa 30 Minuten aufwärmen konnte. Das Wasser in meinen beiden Trinkflaschen war gefroren, die letzten drei Stunden zum CP musste ich ohne Wasser auskommen. Schnee essen war angesagt, um wenigsten etwas Wasser zu mir zu nehmen. Davon hatte es wenigstens genug!

Etwa 50 Kilometer vor dem Ziel vor den The Cheviots Berge wurde mir mitgeteilt, dass dort oben mit bis zu einem Meter Neuschnee zu rechnen ist. Das Tageslicht dauerte nur noch wenige Stunden und bald war ich schon wieder mit der Stirnlampe unterwegs. Die vom Wind zugewehten Pfade waren zum teil nicht sichtbar, ich versuchte irgendwo neben dem mit Steinplatten verlegten Weg zu laufen, wo es weniger Schnee hatte, man aber man dafür in den Sümpfen versank, die noch nicht ganz zugefroren waren. Das war wirklich frustrierend und ich kam nur extrem langsam voran. Da ich länger als als vorgesehen unterwegs war, wurde mein Wasser-und Essvorrat sehr knapp. Wasser hatte ich keines mehr und ich hatte es satt, Schnee essen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit dem Engländer John Knapp unterwegs und bei einer winzig kleinen Schutzhütte beschlossen John und ich, mit unseren Gas-Notkochern Schnee zu schmelzen, um wenigstens Wasser zu haben. Wir machten ein dreissigminütiges Nickerchen in dieser winzigen Hütte. Dann war Endspurt angesagt, es fehlten nur noch wenige Stunden bis zum Ziel! Das war eine harte und sehr lange Nacht in den Cheviots.

Simon und John beim „Powernap“ in der Schutzhütte

 

Hast du dieselbe Ausrüstung benutzt wie letztes Jahr oder hast du anderes Material mitgenommen?

Ich lief mehr oder weniger mit demselben Material wie im 2017. Ich nahm aber dieses Jahr einen deutlich leichterer Biwaksack und eine leichtere Matte mit. Es ist simpel, je leichter man unterwegs ist desto schneller kommt man voran!  Dieses Mal gingen meine Stöcke, die schon so manchen Ultra Trail mitgemacht hatten, kaputt. Und die Gamaschen verlor ich irgendwo am letzten Tag und der ganze Schnee und Schlamm staute sich in meinen Schuhen.

 

Hast du eine Empfehlung für jemanden, der gerne das Spine Race machen möchte?

Man sollte sich bewusst sein, auf was man sich da einlässt und sich gut über Winterlichen Wetterbedingungen und die spärlich gesäten Verpflegungsposten informieren. Es ist ein langer Lauf, die Tage und Nächte werde zur Ewigkeit und das Tageslicht dauert nur wenige Stunden. Da das meiste Material während des ganzen Laufes klimabedingt getragen werden muss, ist hochwertige Regenbekleidung ein Muss.

Man erlebt so unglaublich vieles während all den Tagen, man erlebt sehr schöne Sachen, man leidet, man weint vor Freude und man weint vor Frust. All diese Momente, all diese Erinnerungen wird man nicht mehr vergessen! Solche Events sind einzigartig

Diese Finisher-Medaille will hart erarbeitet werden!

The Spine Race 2018 Men:

  1. Pavel Paloncy (109:50:22)
  2. Simon Gfeller (118:09:00)
  3. John Knapp (118:34:57)

The Spine Race 2018 Women:

  1. Carol Morgan (130:37:22)
  2. Sarah Kirsty Williams (151:00:05)
  3. Ita Emanuela Marzotto (152:02:12)

Alle Resultate auf http://live.thespinerace.com

 

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