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Wahrscheinlich ist es das grösste Abenteuer im Alpenraum, welches noch in einem Rennformat ausgeführt wird – der Tor des Géants. 330 Kilometer über 24’000 Höhenmeter führt der Tor entlang der Alta Via 2 und später Alta Via 1 von Courmayeur durch die Täler und über die Pässe zurück nach Courmayeur. 150 Stunden beträgt der Cut-off.

Kurt Nadler hat sich über die letzten Jahre eine hervorragende Form erarbeitet und nimmt uns nun mit auf die Reise der Giganten. Hier sein Rennbericht. Chapeau!

Tor des Géants

Ich sitze in Kerzers in meinem Auto und tippe den Zielort Courmayeur in das Navigationsgerät – es berechnet mir eine Entfernung von 188 km. Diese Angabe hält mir die Dimension der vor mir liegenden Laufstrecke nochmals vor Augen…

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Nasskaltes Wetter empfängt mich bei der Ankunft in Courmayeur. Die Wolken hängen tief und ich bin heilfroh, meine Winterausrüstung dabei zu haben. Am heutigen Tag steht das Abholen der Startnummer und am späteren Abend das Briefing sowie die Pasta Party auf dem Programm. Begleitet werde ich von Florian Schütz, welcher sich freundlicherweise bereit erklärt hat, mich in der kommenden Woche zu betreuen. Eine lange Schlange erwartet uns bereits kurz vor Türöffnung und das Ganze nimmt über 1 Stunde in Anspruch, da die Commissarios das Pflichtgepäck genauestens unter die Lupe nehmen.

Auch die Grödel müssen mit

Nebst den Startunterlagen erhält man auch eine gelbe Tasche, welche gleichentags oder am Sonntagmorgen bei der Sporthalle abgegeben werden kann und als Dropbag dient.

Mit etwas Verspätung beginnt nach 20.00 Uhr das halbstündige Briefing. Die darauffolgende Wartezeit für ein paar Teigwaren kann man sich getrost sparen. Hier empfehle ich im Vorfeld auswärts zu essen und die Zeit nach dem Briefing besser für sich zu investieren. Der Wetterbericht sagt unterschiedliche Szenarien voraus und so kann ich mich nur schlecht entscheiden, was ich denn nun alles in diese gelbe Tasche einpacken soll. Es wird dadurch relativ spät bis ich in einen ruhigen Schlaf falle.

Der Sonntagmorgen beginnt vielversprechend mit Sonnenschein und ich entscheide mich mit kurzen Hosen und T-Shirt zu starten. Schnell deponiere ich meinen Dropbag und begebe mich gut gelaunt in das Startgelände. Dort erfolgt nochmals eine Materialkontrolle sowie die Aktvierung des Trackers. Gut 2 Jahre sind vergangen, seit ich mich entschlossen habe, an diesem Anlass teilzunehmen. Viel habe ich darüber gehört und gelesen und nach all dieser langen Vorbereitung ist heute endlich der Tag gekommen. Ich stehe an der Startlinie und atme tief ein. Die Freude überragt die Ehrfurcht vor diesem Lauf. Ich fühle mich gut, jedenfalls jetzt noch. Keine Ahnung wie es ein paar Tage später aussehen wird, aber ich lasse mich überraschen.

Abschnitt 1: Courmayeur – Valgrisenche

Mit etwas Verspätung mache ich mich mit über 800 Gleichgesinnten respektive Gleichverrückten auf die Strecke, welche gemäss Reiseführer normalerweise 28 Tagesetappen in Anspruch nimmt. Die Stimmung in Courmayeur ist ausgelassen und das zahlreiche Publikum heizt die Atmosphäre zusätzlich an. Bereits nach einigen flachen Passagen geht es bergauf und es gilt die ersten 1’300 Höhenmeter zum Col Arp zu bewältigen. In Anbetracht der vor mir liegenden Distanz halte ich mich zurück und erklimme im Gänsemarsch gemütlich den ersten Pass. 24 weitere, teilweise über 3’000 Meter hoch, warten noch auf mich.

Erst beim nachfolgenden Downhill zieht sich das Feld auseinander was mir etwas mehr Beinfreiheit beschert.

Gut gelaunt

Nach wenigen Kilometern erscheint die erste Verpflegungsstelle in La Thuile und ich erhalte einen Eindruck dessen, was mich in den nächsten paar Tagen kulinarisch erwartet. Weiter geht es aufwärts auf einem kleinen Pfad in einer äusserst malerischen Umgebung. Beim Rifugio Deffeyes ist die Luft auf 2’500 Metern über Meer bereits spürbar dünner und spätestens beim Passo Alto auf 2587 m geht mein Atem nochmals schneller. Jetzt aber schnell wieder 800 m runter um diese dann gleich wieder über den Col Crosatie gutzumachen. Dieses Auf- und Ab wird mich in der nächsten Zeit öfters begleiten.

Ein Aufstieg von vielen

Nach rund 10 Std treffe ich in der erstes «Base Vita» in Valgrisenche ein. Der Posten ist zweckmässig in einem kleinen Restaurant eingerichtet. Hier wartet bereits Florian auf mich, fragt mich nach meinem Befinden und meinen Essenswünschen. Es tut gut, hier umsorgt zu werden. Ich esse etwas, wechsle meine Kleidung und montiere mir aufgrund der bereits angebrochenen Dunkelheit die Stirnlampe auf. Florian wünscht mir noch eine gute Nacht da draussen und weiter geht’s.

Valgrisenche

Abschnitt 2: Valgrisenche – Cogne

Es ist kalt, sogar sehr kalt. Gerade aus der Wärme gekommen, schüttelt es mich jetzt richtig, so dass ich mein Tempo zum Aufwärmen beschleunige. Nach 10 Minuten fühle ich mich wieder etwas besser und es geht zur Abwechslung wieder mal bergauf. Und wie es bergauf geht! In der Ferne sehe ich weit über mir die ersten Stirnlampen auf dem Col Fenêtre. Ein bissiger Wind pfeift über die Bergkämme und ich ziehe mir meine Mütze tiefer ins Gesicht. Also nichts wie weg von hier und so rasch wie möglich wieder runter. Und es geht runter, über 1’000 Höhenmeter Downhill trennen mich vom nächsten Verpflegungsposten in Rhêmes. Unzählige Kurven später kann ich mich mit etwas Tee aufwärmen.

Die soeben verlorenen Höhenmeter gilt es auf der gegenüberliegenden Talseite wieder zu gewinnen. Ich gehe los und merke, dass ich einfach nicht in Schwung komme. Mir fehlt der Saft in den Beinen und die Motivation erreicht einen ersten Tiefpunkt. Der Florian, der hat’s gut. Der liegt jetzt sicher im warmen Wohnmobil und schläft eine Runde. Und ich? Warum bloss laufe ich hier in der Dunkelheit bei dieser klirrenden Kälte auf über 3’000 m? Während ich mich in Selbstmitleid suhle, taucht am klaren Sternenhimmel plötzlich eine gelb leuchtende Sternschnuppe auf. Ich muss mir nicht lange überlegen, was ich mir wünsche! Dieser magische Augenblick ist wie ein Lichtblick am Horizont und gibt mir neuen Schub. Noch mehr Motivation kriege ich, als ich auf der Passhöhe stehe und zurückschaue. Eine lange Lichterkette bewegt sich auf der anderen Talseite langsam nach unten. Es gibt noch ein paar Läufer, welche noch einen längeren Weg vor sich haben als ich.

Um 04:30 treffe ich in Eaux Rousses ein. Herzhaft greife ich beim Buffet zu. Mein gesunder Appetit ist beruhigend, denn er signalisiert, dass mein Körper bereit ist, diese Strapazen mitzumachen. Langsam beginnt es zu dämmern, während ich mit einigen anderen Läufern im Gleichschritt den mit 3’300 Metern höchsten Pass der Strecke erklimme. Die Luft ist eisig und ich ziehe mir alles über, was ich in meinem Rucksack dabei habe. Trotzdem sind meine Hände ganz klamm und ich mache Bewegungsübungen um die Finger warm zu halten. Stunden später stehe ich bei einem Temperaturunterschied von 20 Grad im Sonnenschein auf dem Col Loson und erblicke eine traumhafte Gegend. Rasch entledige ich mich der langen Kleidung und laufe dem nächsten Rifugio entgegen.

Am Ortseingangsbereich von Cogne erwartet mich Florian. Gemeinsam schlendern wir zur Lifebase und ich berichte von den Erlebnissen in der letzten Nacht. Ich stille meinen Hunger und suche die Sanitätsstelle auf, um mir vorsorglich die Füsse zu tapen. Im Schlafsaal haben sich bereits einige Läufer zur Erholung niedergelassen. Ich fühle mich jedoch nicht müde, schlüpfe in meine HOKA Speedgoats und mache mich umgehend wieder auf den Weg.

Noch munter in Cogne

Abschnitt 3: Cogne – Donnas

Es ist das erste Mal, dass ich völlig alleine losziehe. 106 km sind bereits geschafft, die Sonne scheint, der Pfad führt an einem rauschenden Bach entlang und ich fühle mich fit. So fit, dass ich nun mehrere vor mir auftauchende Läufer überholen kann.

Nach einer kurzen Stärkung beim Rifugio Sogno di Berdze gilt es das Fenêtre du Champorcher zu überqueren. Hier liegt noch ein wenig Schnee, welcher aber nicht weiter hinderlich ist. Gemäss meinem kleinen Übersichtsplan, folgen bis Donnas noch 3 weitere Verpflegungsstellen. Luxus denke ich, so lange kann es bis dahin nicht dauern. Was für ein Irrtum! Die Strecke zieht sich unendlich lange dahin. Führt der Weg scheinbar einem kleinen Bach entlang, geht es plötzlich wieder in ein Seitental wo sich ein ständiges Auf und Ab abwechselt. Die Sonne senkt sich bereits am Horizont, als ich mich Donnas nähere. Zum Glück hat mir Falk (ein sehr netter Zeitgenosse aus Deutschland) im Vorfeld verraten, dass die Lifebase nicht gleich zu Beginn der Stadt liegt. Und leider bewahrheitet sich dies auch. Nachdem mich die Route quer durch die Altstadt geführt hat, geht es noch eine gefühlte Ewigkeit bis ich dann um 21:00 Uhr endlich da bin.

Eintreffen in Donnas

Wie gewohnt werde ich erwartet. Ich esse kurz etwas und freue mich auf ein 2-stündiges Nickerchen.

Abschnitt 4: Donnas – Gressoney

Kurz vor Mitternacht geht es hinein in die 2. Nacht, vorerst weiter auf touristischen Pfaden über Brücken und Weinberge. Ausgeschlafen fühlt sich anders an, dennoch bin ich merklich frischer als vorher. Beim Verpflegungsposten in Perloz überfalle ich den Dessertposten. Wegen zu vielen Süssigkeiten und Kalorien brauche ich mir im Moment keine Sorgen zu machen. Mit vollem Bauch geht es in die Richtung des nächsten Verpflegungspostens. Es ist, wie ich es mir im Vorfeld ausgemalt habe: Viel essen und ein bisschen wandern. Die aktuellen Wetterverhältnisse kommen mir bekannt vor. Saukalt! Der Wind pfeift zwischen meiner Mütze und den Ohren. Die Sicht auf die Ebene von Milano und deren tausend Lichter entschädigen immerhin etwas. Ich bin heilfroh, finde ich im Rifugio Coda zeitweilig Schutz und etwas Warmes zu Essen.

Stunden später erhellt und vor allem erwärmt die Sonne die herrliche Umgebung, in der ich mich befinde. Sie spiegelt sich auf den glatten Oberflächen der Bergseen, welche in der nächtlichen Kälte zugefroren sind!

Ein neuer Tag bricht an und ich bin auf weiter Flur alleine unterwegs, bis ich auf einen deutschen Läufer treffe. Er klagt über starke Knieschmerzen und tröstet sich, dass er bald in der nächsten Lifebase ankommen wird. Leider muss ich ihn enttäuschen und erkläre ihm, dass es noch weit über 30 km dahin sind. Er verneint und zeigt mir die Kilometeranzeige auf seiner Uhr, welche tatsächlich 25 km mehr anzeigt, als auf der offiziellen Karte angegeben sind. Auch meine Uhr zeigt wesentlich mehr Kilometer an, d.h. dass es am Ende über 350 km sein werden. Aber darauf kommt es mir nun auch nicht mehr an.

Malerische Gegend

Beim Rifugio della Barma frühstücke ich ausgiebig und mache mich gestärkt auf zum Col della Vecchia. Bis dahin wird es noch richtig technisch und ich bin froh, erblicke ich 2 Stunden später den nächsten Verpflegungsposten. Die mir angebotene Standardauswahl an Käse und Schinken mag mich diesmal nicht richtig zu begeistern. Gross sind meine Augen, als ich das selbst zubereitete Mittagessen der Helfer auf einem Schiefergrill erblicke. Da brutzeln tatsächlich Kartoffeln neben voller Fett triefenden Würsten. Eine Helferin kann sich meinem Hundeblick nicht widersetzen und mit Hochgenuss verschlinge ich kurz darauf Wurst und Kartoffel. Es vergeht keine Stunde und schon wieder sitze ich auf einer Bank und schlemme. Der Lauf verkommt immer mehr zur kulinarischen Reise: diesmal mundet mir eine herrliche Polenta! Beinahe schade, hier aufzubrechen und wieder weiter zu gehen. Um 14:00 erreiche ich endlich Niel. Der Weg war viel länger als ich ihn mir vorgestellt hatte. Und wieder gibt’s Polenta und wieder geht’s im Anschluss steil weiter. Der Himmel ist weiterhin stahlblau und die Gegend urtümlich und verlassen. Erst bei der Alp Ober Loo herrscht eine ausgelassene Partystimmung – eine kreischende Kettensäge und ein Martinshorn sorgen für Action. Das bringt mich wieder in Schwung bis der Weg schlussendlich entlang der Hauptstrasse nach Gressoney führt. Laut hupend, winkend und lächelnd ermuntern mich die Autofahrer auf dem Weg zur nächsten Lifebase. Irgendwie fühle ich mich müde und ich lege mich nach dem Wechseln der Tapes auf ein Feldbett. Tiefschlaf sieht jedoch anders aus. Unruhig drehe ich mich hin und her, stehe schliesslich auf und verlasse die Unterkunft kurz nach 20.00 Uhr.

Müde in Gressoney

Abschnitt 5: Gressoney – Valtournenche

Gemäss Florian sollte die nächste Etappe relativ kurz sein, nur 2 Aufstiege und gut 30 km bis zum nächsten Streckenabschnitt. Erneut erwartet mich eine bitterkalte Nacht.

Das Espresso im Rifugio Alpenzu putscht mich kurzfristig etwas auf aber schon der erste kleine Aufstieg zum Col Pinter auf 2’776 m bringt mich schier an meine Grenzen. Die Temperatur ist im Vergleich zu den vorherigen Nächten nochmals gesunken. Vielleicht liegt es aber auch an meiner dahinschmelzenden Fettschicht. Es vergeht eine Ewigkeit bis ich Champoluc erreiche. Morgens um 02:00 Uhr entwickeln die Feldbetten magische Anziehungskräfte. Ich markiere aber den starken Mann, trinke etwas Kaffee und weiter geht’s.

Was für ein Fehler! Kurz darauf wanke ich auf dem flachen Wegstück nach links und nach rechts. Kleine Männchen ziehen unaufhörlich meine Augenlider nach unten und ich laufe, schlafe, laufe. Ich merke im Unterbewusstsein, wie unkonzentriert ich auf den Weg achte. Ich würde mich jetzt am liebsten am Wegrand hinlegen, sehe vor meinem geistigen Auge jedoch bereits die Schlagzeile „Läufer erfroren aufgefunden“. Zur Abwechslung beginne ich zu singen und vertreibe damit wohl meine letzten Konkurrenten. Gegen 05:00 Uhr treffe ich beim Rifugio Grand Tourmalin ein und lalle nur noch: DORMIRE! Nach 2 Stunden erfolgt der automatische Weckdienst in diesen Hütten. Nicht ganz wie neugeboren aber trotzdem den Umständen entsprechend frisch, trete ich in die Morgensonne hinaus. Rasch ist Valtournenche bei 239 km erreicht wo mich Florian wieder erwartet. Es ist schön, dass ich meine Erlebnisse mit jemanden teilen kann. Von wegen 2 kurze Aufstiege…

Es geht nach unten

Abschnitt 6: Valtournenche – Ollomont

Die Sonne scheint kräftig, als ich den nächsten Hang entlang aufsteige. Die Umgebung ist wirklich sehr abwechslungsreich. Hinter mir der Monte Rosa, rechts das Matterhorn und in weiter Ferne der Mont Blanc. Immer wieder gelingt es mir, zu Läufern auf zu schließen und mich dann wieder abzusetzen. Einige Pässe und mehrere tausend Höhenmeter später neigt sich ein weiterer Tag dem Ende zu. Meine Müdigkeit erreicht einen neuen Höhepunkt und ich entschließe mich, in Oyace einen stündigen Zwischenstopp zu machen. Das ständige Kommen und Gehen der Läufer hindert mich jedoch am Schlafen. Entnervt stehe ich nach einer halben Stunde wieder auf und mache mich auf die Socken. Hell leuchtet weit entfernt das Licht auf dem 1000 Metern höher gelegenen Col Brison. Unterwegs wird mir von einem Helfer vorausgesagt, dass ich wahrscheinlich am nächsten Abend bereits in Courmayeur sein werde. Das sind doch gute Nachrichten! Auf der Passhöhe ist in der Tiefe bereits der nächste Etappenort Ollomont ersichtlich. Weit sieht es nicht aus, doch der Eindruck täuscht. Um 02:30 Uhr schaue ich durch das Fenster der Verpflegungsstation und erblicke Florian, welcher sichtlich froh ist, dass ich endlich eintreffe. Ich bitte einen Sanitäter, meine Tapes an den Füssen zu erneuern und schlafe augenblicklich ein, während meine Füsse noch versorgt werden. Das versteht man dann wohl unter Multitasking. Im Wissen, dass sich dieses Abenteuer schon bald dem Ende zuneigt, verabschiede ich mich um 03:30 Uhr in meine letzte Nacht.

Mentale Vorbereitung auf die Strecke

Abschnitt 7: Ollomont – Courmayeur

Dunkle Wolken sind in der Zwischenzeit aufgezogen und zeitweiliger Regen setzt ein. Eine langweilige, flache Forststraße führt schließlich nach Bosses. Nur noch eine Marathondistanz trennt mich jetzt noch vom Ziel.

Der Himmel hat jetzt seine Pforten geöffnet und der Regen prasselt unerbittlich auf mich nieder. Zusätzlich muss ich erneut eine Materialkontrolle über mich ergehen lassen. Gemäß den Helfern hat in der Höhe bereits Schneefall eingesetzt und da sind Grödel natürlich Pflicht. Eingepackt in Regenjacke und Regenhose nehme ich den letzten Teilabschnitt in Angriff. Courmayeur, ich komme! Wandernd erreiche ich nach 317 km das Rifugio Frassati. Ich schlüpfe in die mir gereichten Hüttenschuhe und trete ein. Heiss ist es hier drinnen. Die anwesenden Läufer sehen sehr erschöpft aus. Die wohlige Wärme verleitet manchen, hier länger als notwendig am Feuer zu verweilen. Je wohler man sich hier fühlt desto schwieriger wird es, sich später wieder in den kalten Regen zu stürzen. Ich esse deshalb nur kurz eine Minestrone und obwohl der Regen an die Fensterscheiben prasselt, schlüpfe ich tapfer wieder in meine Laufschuhe und ziehe los. Noch ist der Pfad nicht schneebedeckt und im Schneesturm sehe ich bald den vor mir liegenden Col Malatra. Ich kämpfe mich hinauf, stehe oben, reisse meine Arme hoch und lasse einen Freudenschrei erklingen. Der letzte Pass ist geschafft!

Val de Ferret

Noch nie sind mir 15 km so lange vorgekommen wie die Strecke zum Rifugio Bertone. Zwei andere Läufer haben mich in der Zwischenzeit eingeholt und das weckt in mir nochmals den Ehrgeiz. Beim letzten Downhill lasse ich nichts mehr anbrennen und schaffe eine sichere Distanz zu meinen Mitbewerbern. Nach über 103 Stunden erreiche ich als 32. die engen Gässchen von Courmayeur. Was für ein Gefühl, unter dem Beifall der Zuschauer in das Ziel zu laufen, wo mich meine Frau und Florian bereits erwarten.

Glücklich in Courmayeur

Nun verstehe ich auch, weshalb alle Teilnehmer von dieser Veranstaltung so begeistert sind. Es ist viel mehr als nur ein weiterer Event. Es ist der wahre Gigant unter diesen Läufen und ich bin dankbar, durfte ich ein Teil der Ausgabe 2017 sein.

Ein besonderer Dank für die tolle Unterstützung geht dabei an meinen Betreuer Florian Schütz. Auch den von zu Hause vor den Bildschirmen mitfiebernden Kolleginnen- und Kollegen gilt mein herzlicher Dank fürs Daumendrücken.

Alle Bilder © by Florian Schütz / http://summitsforthesoul.de/

Bilder des Veranstalters: https://www.flickr.com

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