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Was die Apple AirPods zum Laufen taugen

Musik auf dem Trail? Diese Frage löst bei so manchem Läufer eine entschiedene Reaktion aus – Vogelgezwitscher gegen snare drums sozusagen. Ich persönlich mag beides. Klar, es tut gut, leise durchs Unterholz zu rauschen und die Geräusche des Waldes aufzusaugen. Aber nicht jede Minute aus einer 12-Stunden-Laufwoche verbringe ich auf sagenhaften Wurzeltrails oder spektakulären Bergrücken. Es sind auch lange, eintönige Strecken dabei und auf diesen “Brot-und-Butter-Läufen” nutze ich die Zeit gerne für einen Podcast oder um mal wieder ein ganzes Album am Stück durchzuhören.

Die Ladeanzeige auf dem Smartphone

Seit Apple vor ein paar Jahren die ergonomisch geformten EarPods (man erinnert sich: mit Klinkenstecker!) auf den Markt gebracht hat, nutze ich diese beim Laufen. Das Teil ist günstig, hält ordentlich im Ohr und lässt Aussengeräusche gut durch. Und wenn es sein muss, kann man auch einen Anruf entgegennehmen. Die Klangqualität ist ganz passabel, mehr nicht. Aber um ernsthaft Musik zu hören, ist ein Kopfhörer in der Preisskala einer besseren Pizza auch nicht gemacht. Nur das Kabel ist etwas unpraktisch, immer mal wieder verfängt sich die Hand beim Laufen darin. Dafür hat Apple nun eine Lösung, welche ich ausgiebig getestet habe: Kabel weg für die AirPods!

Die AirPods bestehen aus drei Teilen – aus zwei 4 Gramm leichten Ohrhörern, je links und rechts, und einer kleinen Ladebox (38 Gramm). Letztere versorgt die AirPods unterwegs mit Strom und kann sie mehrfach wieder aufladen. Beim Wiedereinsetzen der AirPods in die Box zeigt eine farbige LED den aktuellen Ladestatus an. Die Box schliesst magnetisch und die Ohrhörer rasten, ebenfalls durch Magnete angezogen, elegant ein.

Die Ladebox mit Ohrhörern wiegt weniger als zwei Gels

Intuitive Handhabe

Nach dem ersten Öffnen der Ladebox paaren sich die AirPods mit dem iPhone und beim Einsetzten schalten sie sich jeweils innert ein bis zwei Sekunden automatisch an. Alles funktioniert absolut leichtgängig und intuitiv. Es gibt keine Knöpfe und Schalter, denn die sind auch nicht nötig – bis auf eine Ausnahme, aber dazu später.

Beim Musik hören halten die AirPods mit einer vollen Batterieladung gut vier Stunden durch, beim Telefonieren müssen sie nach gut zwei Stunden zurück in die Box. Das Aufladen geht allerdings sehr schnell, nach 15 Minuten sind die AirPods bereits fast voll geladen.

Die Bedienung könnte leichter nicht sein: Aus der Box nehmen, einsetzen und schon spielt das iPhone über die AirPods. Liegen die AirPods auf dem Tisch, schalten sie sich automatisch aus – Infrarot-Sensoren erkennen, wenn sie eingesetzt werden. Leider schalten sie sich in der Tasche oder im Laufrucksack ebenfalls ein, man sollte daher zum Aufbewahren unterwegs besser die Ladebox verwenden.

Verbindungsabbrüche sind bei vielen Bluetooth-Ohrhörern vor allem im Freien ein Problem. Apple scheint das sauber gelöst zu haben, in den knapp 100 Stunden auf dem Trail konnte ich keinen einzigen Aussetzer ausmachen.

Vier Gramm kabellose Leichtigkeit

Zwangsbeziehung mit Siri

Wie eingangs erwähnt haben die AirPods keine Knöpfe, die Steuerung funktioniert komplett über Apples Sprachassistentin: mit einem zweifachen Antippen auf die Aussenseite meldet sich nach kurzer Zeit Siri und nimmt Befehle entgegen. Man kann Anrufe tätigen oder einfach über “volume up” oder “pause” die Wiedergabe steuern. Ich habe das beim Laufen als eher mühsam empfunden, ausserdem braucht man dazu 3G-Empfang, da die Befehle nicht auf dem Smartphone ausgewertet werden. Da ich das iPhone normalerweise in meiner Salomon Sense Short an der Seite trage, kann ich die Lautstärke jedoch auch “blind” gut regulieren. Ist das Telefon allerdings im Rucksack, könnte sich das als mühsam herausstellen. An dieser Stelle wünschte ich mir die Möglichkeit, zumindest die Lautstärke am Hörer zu regulieren.

Halt hängt vom Ohr ab

Wie gut die AirPods im Ohr halten, kommt sehr auf die Physiognomie des Nutzers an. Wer die verkabelten EarPods kennt, kann bereits abschätzen, ob die AirPods passen könnten, denn die Form und das Material der Hörer ist identisch.

Bei mir sitzt der rechte Stöpsel sicher im Ohr, während der Linke vor allem im Downhill immer wieder locker wird. Die sehr glatte Oberfläche hilft leider auch nicht, den Halt zu verbessern. Am linken Ohr muss ich daher manchmal nachfassen. Dies interpretiert Siri jeweils als Befehl (das doppelte Antippen startet Siri), die Musik unterbricht. Auf mein Fluchen hat Siri jeweils mit Unverständnis reagiert. Zum Glück lässt sich dieses “double-tap”-Feature jedoch unter den Bluetooth-Einstellungen abschalten.

Etwas aufdringliches Klangbild

Die kabelgebundenen EarPods mit dem Klinkenstecker hatten einen ordentlichen Klang für einen so günstigen Kopfhörer: Ein relativ neutrales Klangbild, das den Hörer nicht belästigt, ideal zum Telefonieren oder um im Hintergrund Musik zu hören. Mit der Lightning-Version der EarPods wurde das Klangbild etwas verändert, die Höhen wurden angehoben, vor allem die Bereiche ab 2 kHz waren grenzwertig aufdringlich.

Leider sind die Ohren der Apple-Ingenieure über die Zeit nicht besser geworden und das Klangbild der AirPods wurde in diese Richtung weiter verschlechtert: Die Bässe und Mitten sind schwach, die Höhen überzeichnet und blechern. Zum Musik hören kann man die AP nicht empfehlen, gerade noch passabel geht akustische Musik ohne Tiefen. Das Hören von Podcasts oder Hörbüchern funktioniert einwandfrei, das Sprachverständnis ist gut und an das gelegentliche Zischen der Stimmen gewöhnt man sich. Fans von Hip Hop, Metal oder Techno sei klar gesagt: Ihr werdet mit den Dingern nicht glücklich.

Fazit

Die AirPods sind nicht günstig (CHF/€ 179.00) und man muss sich bewusst sein, dass man sein Geld für die ausgeklügelte Technologie ausgibt, nicht für einen klanglich guten Kopfhörer. Abgesehen davon sind die AirPods ein Stück geniale Technik – hoch entwickelt und dennoch einfach in der Handhabung. Für mich ist es die beste Option, um beim Laufen Podcasts und gelegentlich Musik zu hören. Und wenn ich nicht laufe, sind die AirPods auch oft im Einsatz: Zu Hause telefoniere ich kaum mehr ohne sie.

Alternativen

Die drahtlosen Jaybird X3 (ca. CHF/€ 130.00) sind schweissresistent und haben einen soliden Klang. Sie schirmen die Aussengeräusche jedoch stark ab und sind daher eher fürs Laufband zu empfehlen. Lauftaugliche Kopfhörer mit überdurchschnittlich gutem Klang sind die (kabelgebundenen) On-Ear-Kopfhörer Koss Porta Pro (ca. CHF/€ 55.00)

Technische Daten

Gewicht: je 4 Gramm, Ladebox 38 Gramm.
Verbindung per Bluetooth auf diverse Smartphones, Sprachsteuerung nur mit iOS.
Batteriedauer ca. vier Stunden.

Positiv:

  • Kein Kabelsalat, gutes Tragegefühl
  • Sehr einfache Handhabung
  • Lässt Aussengeräusche gut durch

Negativ:

  • Klangqualität im 30 CHF/€-Bereich
  • Keine direkte Lautstärkeregelung
  • Halt je nach Physiognomie mässig (rutschiges Material)
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