Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Salomon Sense Ultra Testbericht

Salomon deckt mit seinem Sortiment das komplette Agilitäts-Spektrum von Trailschuhen ab: Von stabilen Stützschuhen über griffige Crosssohlen bis hin zu zum minimalen Sense ist für jeden Läufer und jedes Einsatzgebiet etwas dabei. Der Sense ist seit der Einführung 2011 zum Goldstandard für minimale, leichte und agile Trailschuhe geworden. Für viele Läufer, insbesondere auf längeren Distanzen, ist der Sense jedoch zu minimal. Salomon hat nun eine etwas komfortablere Variante herausgebracht – den Salomon S-Lab Sense Ultra.

Quick & Dirty – Die Fakten

Der Salomon S-Lab Sense Ultra bleibt der S-Lab Philosophie treu und führt den Fuss des Läufers sehr direkt und mit viel Grip auf dem Trail. Für etwas mehr Komfort, insbesondere auf den langen Distanzen und für Läufer, die etwas mehr Gewicht auf den Schuh bringen, dämpft die Mittelsohle weicher und die 8mm Sprengung sorgen für Entspannung in der Wade. Die aufgestockte Sprengung verzeiht dem Läufer auch auf langen Distanzen zudem eine Abrollbewegung über die Ferse, was von vielen gerne angenommen werden wird. Der Schuh bleibt dennoch gewohnt leicht und minimal. Das Obermaterial und die Passform bieten den gewohnten halt und Schutz. Salomon hat gerade so viel mehr Material verbaut wie nötig, um den Sense Ultra auch auf der 100 Meilen Distanz laufbar zu machen.

Hintergrund und Geschichte

Für den Western States 100 hat Kilian Jornet die Entwickler bei Salomon für einen besonders leichten und direkten Trailschuh angefragt. Herausgekommen ist dabei der erste Sense. Für Kilian entwickelt erstaunen die Spezifikationen nicht: leicht, agil, 4mm Sprengung, direkt Zwischensohle, 100% Vorfuss-Auslage. Im 2011/12 kam dann der Sense auch für normale Läufer auf den Markt. Mittlerweilen ist der Sense in der sechsten Generation angelangt und wurde tendenziell etwas weniger aggressiv als der ursprüngliche Prototyp. Für viele Läufer ist der Sense damit zum Wettkampf-Trailschuh der Wahl geworden. Insbesondere auf den kürzeren und mittleren Ultra-Distanzen bringt der Sense für viele leistungsorientierte Läufer die Kraft perfekt auf den Trail. Schwerere Läufer wie auch solche, die einen Schuh für Einsätze auf längeren Distanzen suchen, sind jedoch mit dem Sense nicht optimal unterstützt. So auch François D’Haene, der mit 192 Centimeter Körpergrösse und über 80 Kilogramm Körpergewicht für die langen Einsätze wie zum Beispiel Grand Raid Réunion – La Diagonale des Fous mehr Schuh unter dem Fuss haben möchte als der heute Sense bietet. Zusammen mit Salomon hat D’Haene Kilians Erfolgsmodel nach seinen Vorgaben zum Salomon Sense Ultra weiterentwickelt. Herausgekommen ist ein Schuh, der die Lücke der S-Lab Linie für schwerere Läufer auf der langen Distanz schliesst.

Sense Ultra Alex Brennwald

Wir haben den Sense Ultra auf Herz und Nieren getestet: Vom schroffen Vulkangestein auf La Palma bis hin zur Gluthitze beim Western States 100

Passform, Obermaterial und Schnürung

Der Salomon Sense Ultra ist eher breit geschnitten und bietet sowohl in der Breite als auch im Volumen genügend Raum auch für breitere Füsse. Wer sich im Sense wohl gefühlt hat, wird auch mit dem Sense Ultra klarkommen. Das Obermaterial besteht wie gewohnt aus einem sehr luftdurchlässigen und atmungsaktiven Meshmaterial. Die Zehenbox ist mit einer hochgezogenen Zehenkappe gut geschützt. Die bewährte Endofit Bauweise kommt auch beim Sense Ultra zu Einsatz und sorgt für einen sehr guten Halt. Zusammen mit der ebenfalls bewährten Salomon Schnürung und der sauber geführten Ferse kann der Fuss bequem und sicher im Schuh geschnürt werden.

Sense Ultra

Wie gewohnt wird das überflüssige Schnürsystem sicher in einer Zungenlasche verstaut. Die Schnürung kann, wie bei Salomon üblich, nur über die vorgegebenen 5 Punkte geführt werden. Der Halt ist aber perfekt und wir haben hier nichts zu bemängeln.

Als kleine Randnotiz zum fixen Schnürsystem ist anzufügen, dass dieses kein Elast aufweist und bombenfest hält. Ich bin im Sense respektive Sense Ultra mehrere lange Ultras gelaufen (Lavaredo, Eiger, Western States 100, etc.) und habe jeweils weder Schuhe noch Socken gewechselt. In der Folge muss die Schnürung während den langen Wettkämpfen zeitweise etwas gelockert werden, um dem Anschwellen der Füsse Platz zu geben. Ansonsten können sich durch den hohen Schnürdruck Reizungen an den Sehnen entwickeln, die wohl niemand haben will.

Dämpfung und Stabilität

Okay, hier kommen wir zu des Pudels Kern: der Salomon Sense Ultra setzt auf 8mm Sprengung. Damit wurde die Sprengung vom ursprünglichen Sense (4mm) verdoppelt. Und genau hier scheiden sich die Geister: hätten 6mm nicht auch gereicht? Sind 8mm überhaupt noch zeitgemäss für einen Wettkampfschuh aus der S-Lab Linie? Wir finden ja! Grund 1: 8mm Drop sind zugegebenermassen viel. Dennoch ist die Sprengung nicht das alleinige Mass um einem Schuh ein agiles und bodennahes Laufgefühl zu geben. Der Aufbau des Sense Ultra ist sehr gut abgestimmt und vereint Komfort und Aggressivität hervorragend. Grund 2: Mit dem Sense (4mm) und Sense Ultra (8mm) hat der geneigte Läufer zwei Schuhe zur Auswahl, die sich unterscheiden und je ein sehr spezifisches Einsatzgebiet haben. Das macht Sinn und gibt dem Läufer zwei Varianten zur Auswahl, die beide auf ihr Einsatzbereich optimiert worden sind. Man kann hier aber durchaus auch eine andere Meinung vertreten…

Zu den Fakten: Die Mittelsohle des Sense Ultra ist der des Sense sehr nahe, mit den Unterschied, dass durchwegs mehr Material verbaut worden ist. Im Vorfuss ist der Sense Ultra zwar deutlich weicher aber dennoch sehr bodennah und agil, getreu dem Sense Familienstammbaum. Im Fersenbereich spührt man das zusätzliche Material deutlich. Der Sense Ultra lädt zum komfortablen Abrollen über die Ferse ein. Nicht zuletzt führt die höhere Sprengung dazu, dass der Aufsatzpunkt vom Vorfuss schnell Richtung Mittelfuss fliesst. Desweiteren unterstützt der um 2mm höhere Aufbau im Vorfuss ebenfalls ein komfortableres Abrollverhalten.

Das Zusammenspiel von mehr Sprengung und weicherer Dämpfung gibt dem Sense Ultra das nötige Komfortlevel, um schwere Läufer und solche, die lange Distanzen laufen wollen, gut zu unterstützen. Dennoch ist die Agilität und das typische Sense-Feeling erhalten geblieben. Der Läufer steht direkt und fest auf dem Trail.

Grip und Aussensohle

Zum Grip der Aussensohle gibt es nur ein Stichwort zu sagen: Contagrip. Wie gewohnt setzt Salomon auch beim Sense Ultra auf diese bewährte und stetig weiterentwickelte Aussensohle, die auf allen Unterlagen perfekt hält. Es gibt Hersteller, deren Sohlenprofil noch besser hält, jedoch ist dies nicht immer von Vorteil. Salomon findet hier erneut eine sehr gute Mischung aus Grip und Drift.

Die Sohle erscheint mir persönlich etwas langlebiger geworden zu sein. Zugebenermassen sind die Salomon S-Lab Modelle nie Partner für die Ewigkeit – dennoch ist die Langlebigkeit der Sohle mit dem Preis vereinbar. Es ist aber auch klar hervorzuheben, dass sich die Salomon S-Lab Linie vor allem an wettkampforientierte Läufer richtet und die Performance des Schuhs in diesem Falle wichtiger ist als dessen Langlebigkeit. Das ist wohl kein Mangel aber trotzdem ein Punkt, den man sich als Käufer bewusst sein sollte.

Fazit

Was Kilian Jornet mit seinem Körperbau und Laufstil in den Charakter des Sense eingebracht hat, das hat François D’Haene in seiner Form dem Sense Ultra mit auf den Weg gegeben. Agilität, Geschwindigkeit und Komfort sind die Attribute, die der Läufer im Sense Ultra findet. Damit hat Salomon kein Kompromiss gebaut, sondern die S-Lab Linie konsequent um einen neuen Schuh erweitert. 8mm Sprengung bei geringen Gewicht bringt die Läufer mit dem nötigen Komfort über die lange Distanz.

Technische Daten

Gewicht: 275g für US9. Sprengung 8 Millimeter.

Positiv:

  • Perfektes Sense Feeling
  • Bewährter Grip und gut geschützte Zehenbox
  • Angenehme Dämpfung und 8mm Sprengung für Komfort auf der langen Distanz

Negativ:

  • Preis pro Laufkilometer am oberen Ende
  • Schnürung beschränkt sich auf vorgegebene 5 Punkte
  • Oberste Öse kann zu Druckpunkten führen

Der Schuh wurde uns freundlicherweise Salomon zur Verfügung gestellt

 

Werbung
Follow us on Facebookschliessen
oeffnen