Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

In Europa gibt es noch einige, hierzulande unbekannte Trail-Reviere. Portugal ist ein gutes Beispiel – neben dem Madeira Ultra Trail, der halt eben auf Madeira ausgetragen wird, gibt es nur wenige bekannte Trails. Das wird sich bald ändern. Nach der Trail Weltmeisterschaft 2016 ist Portugal langsam aber sicher als Trail Destination auf die Landkarte gerückt. Darum ist es auch höchste Zeit, dass wir hier den ersten Rennbericht von Portugals Festland veröffentlichen.

Der Piodão Ultra führt über 52km mit 2‘730 Höhenmetern. Hier der Bericht von und Regula Lacher und Juraj Hromkovic. Die beiden Autoren haben schon weit über 100 Ultras gefinished und sind konstant auf der Suche nach neuen Revieren und Herausforderungen.

Rennbericht Piodão Ultra

Autoren: Regula Lacher und Juraj Hromkovic

Start und Ziel des Piodão Ultra, der übrigens auch zwei kürzere Distanzen anbietet, befindet sich im Bergdorf Piodão auf 750 müM. Das Dorf ist von Lissabon (3 Std) oder von Porto (2.5 Std) mit dem Auto erreichbar. Im Dorf selbst haben wir keine Unterkunft (mehr?) gefunden, also haben wir eine Ferienwohnung 13 km ausserhalb für uns gebucht. Und das war ein Volltreffer: Eine modern eingerichtete, grosszügig gestaltete Wohnung mit Kamin und einer riesigen Glaswand, die die Aussicht auf das Tal freigab, Pferde die ums Haus auf der Wiese weideten und herzliche und zuvorkommende Gastgeber. Beim Abholen der Startnummern haben wir gemerkt, dass Piodâo – wie auch die anderen Dörfer im Tal – eine Reise wert ist: Wunderschöne malerische Häuser aus Stein mit Steindächern, wie man es aus dem Wallis, Ticino oder den Pyrenäen kennt, tiefe Täler und liebevoll gepflegte Terrassen mit uralten Olivenbäumen, vor den Häuschen blühende Rosenbäumchen oder unter der Last der reifen Früchte gebeugte Orangenbäume.

Download

Der Start am Sonntag um 9:00 ermöglichte allen rechtzeitig anzureisen, die Parkpätze waren effizient und einfach organisiert. Weil es kalt und windig war und sowieso der Schnee auf den höchsten Gipfeln der Serra da Estrela zu sehen war, brauchte keiner der Teilnehmer überzeugt zu werden, dass Mütze und Handschuhe eine gute Sache sind. Genau wie beim Scenic Trail in Tesserete haben die Organisatoren mit scharfem Röntgenblick die Materialkontrolle ohne Auspacken der Rucksäcke durchgeführt. Und schon ging es los. Wie üblich, seit es Juraj ärztlich verboten ist zu joggen, verschwanden die anderen Teilnehmer schon nach 10 Minuten aus unserem Blickfeld und so traversierten wir zügig die ersten 4km auf einem engen Waldpfad bis zur ersten Steigung, zusammen mit dem gut gelaunten Besenmann.

Einige steile Treppen im ersten kleinen Dorf ermöglichten uns, das Startfeld wieder einzuholen. Danach folgten rund 600 hm leichte Steigung auf Forstwegen auf den ersten Pass (auf rund 1‘200 müM), die man locker mit 6 km pro Stunde gehen kann, und die uns erste Bekanntschaften mit den andren Trailern erlaubte. Hier oben bestand die Pflanzenwelt nur aus niedrigem Busch und somit hatten wir die ganze Zeit weite Ausblicke auf die höchsten Berge von  Portugals Festland (die absolut höchten Berge Portugals sind ja auf Madeira).

Nach einer kurzen Strecke auf dem Kamm, verläuft der wunderschöne Pfad rechts ins Tal zur ersten Kontrollstation mit Zeitmessung (ca km 15). Danach kehrt man zurück auf den Kamm mit einer steilen Direttissima (20 – 25% Steigung), die uns wieder ermöglichte, uns ins Feld einzumischen und und ein bisschen mit den Einheimischen zu kommunizieren. Oben auf dem Kamm stand eine lange Reihe von Windmühlen, deren Rotoren sich majestätisch drehten und es war kein Zweifel, dass der Standort gut ausgesucht war. Wir zogen also unsere Jacken an und liefen einige Kilometer auf einem breiten Fortweg knapp unter oder auf dem Kamm. Danach ging es steil wie auf einer Abfahrtspiste ins Tal runter, wo auf km 26 eine ausgezeichnete Suppe auf uns wartete. Manchmal hat es auch Vorteile, am Ende des Feldes zu sein – wir genossen beide je 4 oder 5 Portionen und hätten auch Bier erhalten wenn wir das gewollt hätten. Die folgende Strecke verlief durch einen schönen warmen Wald mit Bächen in denen das Wasser so klar und sauber ist, dass man davon trinken darf, weil es darüber keine Landwirtschaft gibt.

Auf dieser Strecke haben wir eine schöne Bekanntschaft gemacht: Ein ziemlich robust gebauter Läufer erzählte uns, dass er vor 5 Jahren mit Trailen angefangen hat. Er hat aufgehört zu rauchen und 40 kg abgenommen. Er war Finisher auf allen 4 Austragungen des Piodão Trails, einmal hat er es sogar in 7 Stunden geschafft. Jetzt begleitete er einen Freund, der es noch nie als Finisher geschafft hat, und er sagte: ‚Diesmal schafft er das, das is mein Ziel heute!‘ Und wie er es sagte, so kam es auch, die beiden erreichten das Ziel eine halbe Stunden nach uns. Wir vermuten, dass diese Freundschaft das ganze Leben lang halten wird – Juraj kennt das aus dem ersten Trail-boom vor 30-40 Jahren.

Aus dem Dorf beim Bach auf den Kamm war die längste und gleichzeitig auch die schönste Steigung. Der ganze Hang war dicht mit rot-violett blühenden Ericaceen bewachsen, sodass der ganze Berg rötlich wirkte. Mit dem kleinen Pfad auf dem wir unterwegs waren, war das so malerisch, dass wir hier richtig intensiv fotografierten. Auf dem Kamm angekommen, folgten wir ihm auf breiten Pfaden, bis wir nach einem letzten Aufschwung den Gipfel mit einer Kappelle erreichten. Nach ein paar Schlucken kalten Wassers hatten wir genug vom kalten Wind und machten uns auf den Abstieg.

Schon bald lag Piodão mit dem Zielbogen zu unseren Füssen. Aber da gings‘ noch nicht hin, statt dessen stiegen wir ganz ins Tal hinunter, also unterhalb Piodão in den Weiler Foz d‘Egua. Und wieder wähnten wir uns im Tesin – so ähnlich bauten die Menschen ihre Steinhäuser, Brücken und Wege. Bei der letzten Kontrolle waren es so viele unglaublich malerische Brücken, dass es schwierig war, zügig weiterzugehen. Die letzten km hoch ins Ziel in Piodão boten nochmal unglaubliche Ausblicke auf Olivenhaine in der langsam untergehenden Sonne. Mit knapp unter 9.5 Stunden waren wir mit unserem Spaziergang zufrieden und erhielten kleine Steinhäuschen als Finisher-Souvenirs. Weil man in Portugal die Alterklassen mit 5 Jahren Abstand definiert, durfte Regula wieder mal auf das Sigertreppchen um eine schöne, extra mit Rang, Alterklasse und Jahr beschriftete Porzellanplatte, entgegen zu nehmen.

Wenn man noch den guten Bergkäse und hervorragende und preiswerte Küche in Betracht zieht, bleibt uns nichts anderes übrig als Portugal als Trailland zu empfehlen. Madeira Ultra Trail ist sicherlich einer der schönsten Trails der Welt, aber das Festland von Portugal hat auch Einiges zu bieten.

Autoren: Regula Lacher und Juraj Hromkovic
Bilder: Regula Lacher und Juraj Hromkovic sowie Veranstalter

Werbung
Follow us on Facebookschliessen
oeffnen