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In Memoriam Ueli Steck

Die Nachricht von Ueli Stecks Tod war ein Schlag ins Gesicht. Obwohl Steck als Alpinist und Extremkletterer immer auf dem Drahtseil zwischen Leben und Tod balancierte, nie hatte ich damit gerechnet, dass es ihn treffen könnte. Es fühlte sich an, als spiele er in einer anderen Liga. In einer Liga, wo man dem Tod zwar ins Antlitz schaut, sich dann aber mit Geschwindigkeit und Eleganz noch rechtzeitig aus dem Staub macht.

Obwohl ich Uelis Unternehmungen schon lange verfolgte und ihn früher auch ab und zu beim Klettern in der Halle sah, persönlich lernte ich ihn im Zuge der Swiss Trail Awards kennen. Unsere Anfrage, ob er über seine Eiger-Mönch-Jungfrau-Traverse berichten könnte, beantwortete er unkompliziert und rasch: Ja, wenn es mit seinem geplanten Höhentraining vereinbar sei, komme er gerne.

Die Selbstverständlichkeit, mit der er sich in schnellem Rhythmus die steilsten Eiswände hoch arbeitete, brachte ihm den Namen “Swiss Machine” ein. Doch hinter der Maschine steckte ganz viel Mensch. Seine Bekanntheit ist Ueli Steck nie zu Kopf gestiegen. Klar, er war ambitioniert und wusste, was er kann – im Umgang mit seinen Mitmenschen ist er jedoch immer bescheiden geblieben. Gemessen hat er sich nicht an anderen Alpinisten, sondern nur an sich selbst. Steck hat einmal gesagt, man könne den Sinn seiner Arbeit hinterfragen – “Was ändert es auf der Welt, wenn ich in 2:47 die Nordwand hoch renne? Nichts.”. Ich denke, es war seine Art von Understatement, denn es braucht Typen wie ihn, die den Status quo hinterfragen, Neues versuchen. Er wollte seine eigenen Grenzen ausloten und hat mit neuen, visionären Projekten die Grenzen des Machbaren stetig verschoben.

Der Tod war Ueli Steck kein Unbekannter. Während seiner zweiten Annapurna-Südwand-Expedition 2008 kam er auf 7400 Meter dem schwer höhenkranken Bergsteiger Inaki Ochoa de Olza zu Hilfe, konnte ihn aber nur noch im Sterben begleiten. Fünf Jahre danach, es war bei seinem ersten Versuch der Überschreitung von Everest und Lhotse, wurde er bei einem Konflikt mit Sherpas im Everest-Basislager fast gelyncht und brach die Expedition daraufhin ab.

Ueli Steck war kein Haudrauf. Er war sich der Gefahren bewusst und versuchte, diese so klein wie möglich zu halten. In seinem aktuellen Buch thematisiert er die Diskussionen mit seiner Frau Nicole, während derer sie die Risiken zusammen besprachen und Kompromisse suchten, die für beide funktionieren. Für seine letzte Expedition schätzte er das Risiko als eher gering ein – technisch schwierig sei die Überschreitung nicht, dafür konditionell sehr anspruchsvoll.

Ueli Steck hat seine Passion gelebt. Er hat seine Visionen in Projekte umgesetzt, zielstrebig und hartnäckig darauf hingearbeitet. Er hat sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, sondern es erneut versucht. In seinen 40 Jahren hat er mehr gemacht als manche mit 80 Jahren. Davon können auch wir uns alle ein gutes Stück abschneiden.

Ueli, gerne hätte ich dich als alten, knorrigen Bergsteiger gesehen. Nun wirst du mir als junger, humorvoller, lebensfroher Abenteurer in Erinnerung bleiben. Du hast viele Menschen inspiriert und neue Wege aufgezeigt. Du warst konsequent und hast deine Ziele verfolgt. Und obwohl deine Leistungen von einem anderen Planeten waren, bist du doch immer nahbar und menschlich geblieben.

Unsere Gedanken sind bei Nicole Steck, Ueli Stecks Familie und seinen Freunden.

Dort, wo er am liebsten war – Ueli Steck in den Bergen. Bild: Dan Patitucci

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