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In Europa ist Columbia Montrail noch nicht sehr bekannt. Doch als vor knapp zehn Jahren Trailrunning in den Kinderschuhen steckte und richtige Trailschuhe noch rar waren, da waren die Amerikaner bereits fester Bestandteil der Szene. Das Montrail-Team hat bekannte Namen gross gemacht – Dakota Jones und Ellie Greenwood haben ihre Karriere mit Montrail gestartet. Dieses Jahr bringt das Mutterhaus Columbia verschiedene Trail-Modelle nun nach Europa. Wir haben den Caldorado II getestet und eines vorweg: Man merkt, dass Montrail nicht erst seit gestern Trailschuhe baut.

Der Caldorado II ist eine verbesserte Version des 2016er-Modells. Diesen konnte ich nicht testen und verzichte deshalb auf Vergleiche. Für meinen Geschmack ist der Caldorado II eigentlich zu schwer (300g). Ich laufe selten in Schuhen jenseits der 260-Gramm-Marke, schliesslich will ich ja laufen und nicht wandern. Deshalb gehe ich mit gedämpften Erwartungen an den ersten Lauf. Doch bereits nach den ersten Schritten stelle ich überrascht fest: Das Teil ist viel agiler als ich dachte und läuft sich angenehm auf dem Vorfuss. Den Plan, eine sehr lockere Runde zu drehen, verwerfe ich nach den ersten zwei Kilometern – der Caldorado macht richtig Lust auf etwas Tempo!

Im Vorfussbereich gibt es reichlich Platz

Passform, Obermaterial und Schnürung

Der Fuss findet im Caldorado II eine gute Führung. Als eng würde ich den Schuh aber nicht bezeichnen. Meine eher breiten Füsse finden angenehm Platz und die Zehen haben sowohl seitlich als auch nach oben etwas Spielraum.

Das Obermaterial besteht hauptsächlich aus einem wabenförmigen Mesh, welches mit laminierten Verstärkungen überzogen ist. Das Material war vom ersten Tragen an bequem und entwickelte beim Abstossen keine Knick- oder Druckpunkte. Bei meinen Testläufen hat das Mesh kleine Steine, Erde und Schlamm gut vom Eindringen abgehalten und für eine gute Belüftung gesorgt.

Die Fersenkappe ist solide gebaut und weich gepolstert, der Fersenhalt ist sehr gut. Im Downhill oder bei flachen Abschnitten ist mir die Fersenkappe nicht störend aufgefallen, sie drückt nicht in die Achillessehne und am Knöchel gibt es keine Scheuerstellen.

Die Zunge ist der Schnürung entlang mit dem Schuh vernäht und kann dadurch nicht verrutschen. Es gibt jedoch keinen Innenschuh. Die Schnürbänder sind leicht elastisch und halten nach dem ersten Binden. Nachschnüren nach ein paar Kilometern ist nicht nötig.

Eine reichlich gummierte Zehenkappe schützt die Zehen vor Stössen oder spitzem Geröll. Die Kappe reicht bis knapp zum kleinen Zeh.

Bis zum zweitobersten Loch ist die Zunge seitlich festgenäht

Dämpfung und Stabilität

Der Caldorado II ist ein stabil gebauter Neutralschuh. Was Flexibilität und seitliche Torsion betrifft, ist die Sohle eher auf der steifen Seite. Bei der Dämpfung lässt der Caldorado nichts anbrennen: Auf dem Vorfuss ist er mittelhart gedämpft. Ein angenehmes Laufgefühl, jedoch kein “Laufsofa”, wie zum Beispiel bei den Schuhen von Altra. Unter der Ferse ist merklich mehr Material verbaut, sodass auch Fersenläufer am Caldorado II ihre Freude haben werden. Trotz der gut gedämpften Sohle kam ich nie in Versuchung, über die Ferse abzurollen.

Die Kombination von dichtem Dämpfungsschaum und der verbauten Rockplate gibt wenig Signale vom Untergrund auf den Fuss durch, man schwebt wie auf einer Matte über den Trail. Einzelne Steine sind nicht spürbar und nichts sticht durch. Bei technischen Trails geht dadurch das Laufgefühl etwas abhanden, bei langen Läufen ist die Dämpfung und Protektion verbunden mit der Torsionsfestigkeit aber angenehm.

Der Caldorado sorgt für reichlich Dämpfung unter der Ferse

Grip und Aussensohle

Die Aussensohle des Caldorado ist mit mehrheitlich quadratischen 4-Millimeter-Noppen überzogen. Der Grip auf Fels und Wurzeln ist sehr gut und kommt nahe an die Vibram Megagrip-Gummimischung heran. Die Sohle eignet sich – mit Ausnahme von Gras und Schlamm – für fast jedes Terrain. Auf Waldwegen, Kies- und Forststrassen kommt man zügig voran, auch Strassenabschnitte steckt er gut weg.

Die quadratischen 4-Millimeter-Profilstollen

Fazit

Der Caldorado II ist ein wunderbarer Allrounder für den Trail. Er kommt mit einer Vielzahl an Terrains klar, ist bequem und doch lauffreudig. Er ist ein idealer Schuh für den Trainingsalltag, der trotz seines Gewichts auch mal im Wettkampf zum Einsatz kommen kann.

Den Caldorado II gibt es auch als OUTDRY mit Membran, diesen haben wir nicht getestet.

Technische Daten

Gewicht: 300g für US9.

Sprengung: 8 Millimeter (11mm/19mm).

Grösse: Der Schuh fällt eher etwas grösser aus. Salomon Sense / On / New Balance: US9.5, Montrail Caldorado II: US9.

Der Caldorado II wurde uns freundlicherweise von Columbia Montrail zur Verfügung gestellt.

Schuhe von Columbia Montrail können ab sofort über SportXX bezogen werden.

 

Positiv:

  • Hohe Lauffreude und doch stabil
  • Sehr guter Durchschlagschutz
  • Guter Halt ohne Nachschnüren

Negativ:

  • Mittelsohle ist recht steif
  • Der Schuh könnte noch etwas leichter sein
  • Filtert den Untergrund stark weg

Fotos

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