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„Low Key“ sagen die Amerikaner – das trifft gut auf den Gantrisch Trail zu. 2016 wird die Veranstaltung zwar erst das zweite Mal ausgetragen, zieht aber bereits ein erstaunlich dichtes Feld an ambitionierten Läufern an – scheinbar ist es ein Bedürfnis, Ende Saison nochmals Gas zu geben. Der Gantrisch Trail ist eine schöne Veranstaltung ohne grosses Brimborium, gut organisiert und mit einem Publikum, das einfach nur laufen will und keine grosse Show erwartet.
Nico Schefer war für Swiss Ultra Trail am Start auf der 30 Kilometer Distanz mit 1100 D+.

Gantrisch Trail 2016 – Rennbericht

Schon bei der Anfahrt mit dem Postauto strahlen die Berner Alpen in der Ferne, der Blick schweift ungehindert über den Thunersee und die hügelige Landschaft des Gantrisch Naturparks. Der Park liegt im Dreieck Bern, Thun, Fribourg und wird gegen Süden stets bergiger. Im Norden, wo der Gantrisch Trail stattfindet, dominieren Ackerland, Hügel und Wälder.

Start mit Sicht auf die Berner Alpen. Bild: Swiss Ultra Trail

Ich habe mich für die 30 Kilometer Distanz entschieden; angeboten werden zusätzlich 20 Kilometer, 10 Kilometer und ein Kids-Run am Nachmittag. Die Distanz ist mit gut 1100 Höhenmeter gespickt, welche sich über mehrere kurze Anstiege verteilen. Ein grosser Teil wird auf Forstrassen gelaufen, was ein flottes Vorankommen ermöglicht. Der Rhythmus wird aber immer wieder gebrochen, es warten steile Anstiege über Weiden oder Downhills auf Wurzeltrails. Der Trail bietet die ganze Bandbreite – von laufbar bis verwachsen.

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Es ist kurz vor zehn Uhr morgens, die Starter aller Kategorien stehen vor dem Torbogen. Zuerst werden die 30 Kilometer Läufer auf den Weg geschickt. Dieser führt in östlicher Richtung aus dem Dorf Rüeggisberg. Wir laufen am Waldrand entlang, die Aussicht hinunter nach Thun ist wie gemalt: vorne der See, dahinter die bereits gezuckerten Alpen. Doch ich sehe auch die ersten Regenwolken, die sich gerade über dem Thunersee entleeren. Meine Regenjacke habe ich in letzter Minute am Start gelassen – ob diese Idee doch nicht so gut war?!

Nach dem ersten schnellen Downhill über Ackerland und Forstrassen geht es stetig berghoch – mal auf nassen Weiden, mal auf verwachsenen Pfaden durch den Wald, jedoch meist zügig laufbar auf breiten Wegen. Die ersten 10km und 330hm gehen bei 44 Minuten durch, ich liege auf dem fünften Rang. Die erste längere Waldpassage endet mit einem coolen Wurzeltrail. Nun haben uns auch die Regenwolken aus Thun eingeholt. Immerhin ist es bis gut in die Hälfte trocken geblieben.

Der Cross Country Anteil des Gantrisch Trail. Bild: © 2016, rundblick.ch, Ruedi Thomi

Wir steuern den nächsten Hügel an, den Gibeleggwald. Durch verwachsenes Dickicht geht es steil hoch, ein Schild warnt vor sumpfigem Untergrund. Stecken bleibe ich zum Glück nicht und der Aufstieg durch den Matsch macht Spass – nass bin ich mittlerweile eh schon und die Regenwolken über mir machen keine Anstalt, das zu ändern.

Die Markierung ist bisher vorbildlich, alle fünfzig Meter hängen weisse Bänder, zusätzlich gibt es Pfeile am Boden. Doch seit einigen hundert Metern sehe ich keine Markierungen mehr. Ich laufe in eine Sackgasse und stosse auf dem Retourweg auf weitere drei Läufer, die auch nicht mehr weiter wissen. Gemeinsam finden wir dann aber den Trail und fünf Minuten später geht es weiter.

Nun wird es richtig kalt und noch sind es gut zehn Kilometer bis ins Ziel. Ich habe mich mit einem anderen Läufer zu einer Mini-Gruppe formiert und vom höchsten Punkt des Rennen sausen wir über den durchtränkten Waldboden. Meine Unterarme sind mittlerweile so kalt, dass ich sie kaum noch spüre. Ich denke an meine Regenjacke im Ziel – im Nachhinein ist man immer klüger. Erst als der Regen auf den letzten Kilometern nachlässt, wird mir wieder etwas wärmer. Es geht nochmals kurz, aber richtig steil der Berg hoch zurück nach Rüeggisberg – kaum ist man oben, steht man auch schon im Ziel: zack, so schnell kann es dann doch gehen.

Downhill auf dem Wurzeltrail. Bild: © 2016, rundblick.ch, Ruedi Thomi

Nach einer warmen Dusche lasse ich den Lauf nochmals revue passieren und geniesse die familiäre Stimmung im Zielbereich. Für leibliches Wohl ist auch gesorgt und bevor es wieder mit dem Postauto nach Hause geht, darf die Wurst vom Landi-Stand nicht fehlen.

Fazit: Der Gantrisch Trail ist ideal, um am Saisonende nochmals Gas zu geben und einen schnellen Trail zu laufen. Streckenweise hat der Lauf eher den Charakter von Cross Country, dann werden wieder viele Kilometer auf breiten Kieswegen zurückgelegt. Klassische Single-Trails gibt es nur über kurze Strecken. Aber es muss ja nicht immer höher, weiter und technischer sein – mir persönlich hat die laufbare Mischung am Gantrisch Trail eine Menge Spass gemacht. Nächstes Mal nehme ich dann aber die Jacke mit.

Resultate Männer 2016:
1. Gabriel Lombriser (2:13.05), 2. Ramon Krebs (2:19.47), 3. Daniel Glogger (2:21.22)

Resultate Frauen 2016:
1. Marianne Wittwer (2:57.28), 2. Ezgi  Akdesir (2:59.07), .3 Rebecca Isaak (3:11.42)

Alle Resultate 2016: http://trackmaxx.ch/results/?race=GT16

Titelbild: © 2016, rundblick.ch, Ruedi Thomi

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