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Im technisch anspruchsvollen Gebirge und in grossen Höhen gehört Karl Egloff zu den Besten seines Faches. Zweimal hat er Kilian Jornets Rekorde schon geknackt (Kilimanjaro und Aconcagua) – und mit diesen Leistungen wird Karl Egloff auch oft in Verbindung gebracht. Der in Ecuador lebende Schweizer hat aber weit mehr zu bieten als zwei FKTs. Wir freuen uns, dass Karl Zeit für ein Gespräch gefunden hat und uns spannende Einblicke in seine Projekte gewährt.

Karl Egloff im Gespräch mit Swiss Ultra Trail

Q: In Verbindung mit dem Namen Karl Egloff kommen landläufig verschiedene Themen auf: Alpinismus – Rekorde – Kilian Jornet – Auslandschweizer in Ecuador– Low Media Profile. Über Deine Erfolge als Mountainbiker und Deinem Bergführerjob weiss man weniger. Wer bist Du?

Karl: Ich bin in Ecuador geboren und war immer schon in den Bergen unterwegs, Schon mit 15 fing ich an als Bergführer meinem Vater auszuhelfen. Ich war aber nicht nur zu Fuss am Berg, sondern auch auf dem Rad. Mit 26 wurde ich Mountainbikeprofi und fuhr 8 Jahre lang Rennen auf der ganzen Welt. Mit 32 begann ein neues Kapitel – Skyrunning.

Gelebt habe ich hauptsächlich in Ecuador. Mit 18 Jahren war ich aber für 8 Jahre in der Schweiz.

Immer Vollgas – hier am Elbrus 2016 (Bild: B.Erdenebulgan)

Heute lebe ich nicht ausschliesslich vom Sport. Ich leite neben meinen persönlichen sportlichen Projekten meine eigene Bergagentur in Ecuador. In der Hochsaison bin ich, wenn ich nicht gerade vom Büro aus die ganze Logistik am planen und koordinieren bin, oft auch selber aktiv als Bergführer und vor allem als Expeditionsleiter für meine Agentur unterwegs.

Q: Wie unterscheidet sich die Trail und Alpinismus Szene in Südamerika von Europa?

Karl: Ich würde nicht sagen, dass sich die Szene gross unterscheidet, denn auch hier ist die Trail Running Szene enorm gewachsen. In Ecuador, wie auch in ganz Südamerika, gibt es praktisch jedes Wochenende einen Wettkampf. Die Berge sind auch hier im Trend. Immer mehr Einheimische wollen die lokalen Berge erklimmen und an Möglichkeiten mangelt es hier nicht. Mit knapp hundert 6000er leben wir hier im Paradies, auch wenn viele davon weit weg von jeglicher Zivilisation sind. Klar, Europa ist nach wie vor ein Vorbild. Viele südamerikanische Sportler träumen davon auf europäischem Terrain zu triumphieren, doch auch hier gibt es immer grössere Veranstaltungen mit gutem Renommee.

Q: In der Trail Running Szene bist Du richtig bekannt geworden, in dem Du Kilian Jornets Rekorde am Kilimanjaro und dann am Aconcagua gebrochen hast. Ging es Dir bei den Läufen um Kilian oder die Berge? Was hat sich mit den beiden Leistungen in Deinem Leben verändert?

Karl: Ich ging 2013 als Bergführer das erste Mal nach Tansania. Damals war ich noch Mountainbikeprofi und habe ausschliesslich auf dem Bike trainiert, gelaufen bin ich nie. 2014 wurde ich nochmals für eine Bergtour gebraucht und so bin ich ein zweites Mal nach Tansania. In der Freizeit bin ich oft in der Höhe gejoggt und sogar ein paar Mal bis auf dem Gipfel hochgelaufen.

Als ich zurück in die Schweiz flog, fragte mich die Agentur, ob ich Interesse hätte, mich am Kilimanjaro Geschwindigkeitsrekord zu versuchen. Erst da erfuhr ich das erste Mal von Kilian, den ich natürlich sofort gegoogelt habe. Die Möglichkeit den Versuch zu wagen habe ich akzeptiert und zum Glück geschafft, bevor ich im August 2014 nach Ecuador zurückkehrte.

Nach dem erfolgreichen Rekord am Kilimanjaro wurde ich natürlich sofort gefragt, welcher Berg denn der nächste wäre. Zufälligerweise hatte ich im Februar 2015 eine Aconcagua Tour gebucht bekommen – und somit war der Fall klar. Ein paar Tage später erfuhr ich, dass Kilian ebenfalls den Aconcagua im Visier hatte und so hat das alles ausgesehen, als wäre ich hinter seinen Rekord her, was jedoch nicht stimmt. Ein Idol ist Kilian natürlich schon.

Mein Leben hat sich schon verändert. Als Biker musste ich immer schauen, wo ich UCI Punkte sammeln konnte, um im Ranking weiter zu steigen, Sponsoren und Unterstützung hatte ich sehr wenig. An zwei Weltmeisterschaften musste ich sogar die einigen Landestrikots bezahlen, um mein Land zu vertreten. Auch heute kann ich nach wie vor noch nicht zu 100% vom Sport leben, doch die Projekte sind einfacher realisierbar geworden mit nun 5 Bergrekorden und fast 3 Jahre in der Trail Running Szene.

Q: Welche Projekte reizen Dich und was steht auf der Agenda? Wird man Dich ebenfalls mal bei den grossen Ultra Trails antreffen?

Karl: Grosse Ultra Trails bedürfen einer anderen Vorbereitung – daran habe ich wenig Interesse. Für mich steht es im Vordergrund in den Bergen schnell unterwegs zu sei, mit viel Intensität und Akklimatisierung. 10 Berge habe ich noch vor: 5 davon sind die restlichen 7Summits neben Kilimanjaro und Aconcagua (Anmerkung: Carstensz Pyramid, Vinson Massif, Elbrus, Kilimanjaro, Mount McKinley, Aconcagua & Everest). Die anderen 5 sind die höchsten von jedem Andenstaat in Südamerika ausser Aconcagua und Huascaran (Argentinien und Peru). Wettkämpfe haben keine Priorität, doch sie helfen mir sehr top trainiert zu sein. Und den Sponsoren gefällt es natürlich auch wegen der starken Medienpräsenz.

Auf dem Weg zum Huascaran FKT (Bild: Karl Egloff)

Q: Du bist auf der ganzen Welt unterwegs. Wie planst Du Deine Projekte und finanzierst Du sie?

Karl: Meine Projekte plane ich nach Budget. Viele kann ich mir noch nicht leisten, doch zum Glück gibt es immer mehr Unterstützung. Reisen gehören dazu, doch es macht auch Müde. Es gibt Phasen wo ich weniger Reise, wie zum Beispiel in der zweite Hälfte 2016, wo ich Vater werde und zu Hause bleiben will.

Karl Egloff

Summit (Bild: Karl Egloff)

Q: Wohin wird sich Trail Running Deiner Meinung nach hin entwickeln? Gibt es überhaupt eine sinnvolle Unterscheidung zwischen Trail Running und Alpinismus?

Karl: Gute Frage. Ich frage mich das ebenfalls. Hier in Südamerika sind die Trail Events immer noch in den Tälern mit insgesamt wenig „Extremhöhe“. Doch auch dies wird sich ändern und irgendwann werden alle Gipfel zu Zielankünften. Ich bin nicht dagegen. Erfreulich ist zu sehen, wie der Sport gewachsen ist.

Q: Hast Du im „Bergsport“ ein Vorbild?

Karl: Als Kind habe ich meinen Vater als Bergführer immer bewundert – heute sind noch viele mehr dazugekommen. Es gibt viele aussergewöhnliche Alpinisten und Bergläufer. Ein herausragendes Vorbild habe ich nicht – ich habe jedoch enormen Respekt vor den einzelnen Leistungen.

Karl Egloff beim Red Bull K3

Karl beim Red Bull K3 (Bild: Red Bull)

Q: Du hast als Ausdauersportler, Alpinist und Bergführer viel Erfahrung in den Bergen gesammelt – welche Punkte würdest Du der Szene gerne weitergeben?

Karl: Als ich noch ein Teenager war, habe ich von meinen Vater gelernt, die Berge zu lieben, Als Mountainbiker habe ich gelernt ehrgeizig zu trainieren und mir grosse Ziele zu setzen. Und als Skyrunner habe ich nun gelernt, dass man einen Projekt perfekt planen und vorbereiten muss. Fehler sind in dem Terrain nicht erlaubt –  somit denke ich nach wie vor täglich daran, wie ich mich weiter entwickeln kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Karl. Wir wünschen Dir für Deine Vorhaben sehr viel Erfolg!

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