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Leifers Trail Rennbericht

Der Leifers Trail hat dieses Jahr seine Erstaustragung gefeiert. Mit zwei Distanzen über 21km mit 1500hm D+ sowie 51km und 2750hm D+ gab es die Möglichkeit, das Südtirol nähe Bozen läuferisch zu erkunden. Für die Schweiz war es ein sehr erfolgreicher Auftakt. Doppelsieg von Stephan Hugenschmidt bei den Männern und Helene Ogi bei den Damen. Herzliche Gratulation! Wir freuen uns, dass wir mit Stephans Leifers Trail Rennbericht einmal mehr den Wettkampf aus der Perspektive des Siegers nachempfinden dürfen.

Autor: Stephan Hugenschmidt

Laufschuhe statt Tourenski

In den letzten Wochen hat der Frühling auch im Prättigau Einzug gehalten. Zusammen mit den grün werdenden Almen, der immer weiter nach oben wandernden Schneegrenze und den wärmeren Temperaturen ist bei mir auch die Lust zum Laufen wiedergekommen. Die Tourenskier habe ich mittlerweile zum Übersommern in den Keller gestellt. Es ist als ob ein Schalter umgelegt wurde. Ich bin froh drum, denn bis zu meinem ersten grossen Rennen in diesem Jahr, dem Transvulcania, dauert es nicht mehr lange. Es wäre also nicht schlecht, bis dahin ein paar Kilometer zu sammeln. Und viel wichtiger: sich wieder ans Bergablaufen zu gewöhnen, denn das verlernt man beim Tourenskilaufen total!

Ich konnte schon erstaunlich gut trainieren, denn für April hat sich die Schneegrenze auf den Südhängen schon weit nach oben verschoben. Es hätte sogar nicht viel gefehlt und ich wäre zum ersten Mal auf meinem Hausberg gestanden!

Flucht vor dem Comeback des Winters

Aber was die Wetterfrösche für das Wochenende des 23./24. April vorhergesagt haben, passt mir gar nicht in den Kram! „Luft polaren Ursprungs“ mit Schnee bis in die Alpentäler. Weil ich überhaupt keine Lust habe bei Schneeregen im Tal rumzurennen, muss eine Alternative her! Wie sieht das Wetter südlich des Alpenhauptkamms aus? Auch nicht so prickelnd, aber VIEL besser als im Prättigau. Während ich so rumgoogle, stosse ich auf einen verlockenden Wettkampf. Die erste Auflage des Leifers Trail. 52 km, 2700 hm, südlich von Bozen. Das ist perfekt! Flucht vor dem ganz schlechten Wetter und gleichzeitig noch ein gutes Wettkampftraining.

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Pasta – al dente!

Normalerweise findet am Vortag von Wettkämpfen die obligatorische Pastaparty statt. Zugegeben, ich bin kein Freund davon. Meist bekommt man verkochte, salzlose Nudeln, die man auf unbequemen Bierbänken in einem zugigen Festzelt von Papptellern in sich hineinschaufelt. Nicht so beim Leifers Trail! Wir sitzen zusammen mit den Organisatoren und deren Familien in einem Restaurant, geniessen verdammt gute Pasta (wir sind in Italien!) und plaudern ganz entspannt. Warum mein Vater und ich die einzigen Läufer sind, die diese Einladung des Veranstalters angenommen haben, weiss ich nicht. Uns jedenfalls hat es super gefallen und geschmeckt! (Wenn dann mal mehrere Hundert Teilnehmer bei dem Lauf mitmachen, ist so etwas natürlich nicht mehr möglich).

Grau und nur ein wenig nass

6:00 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Der erste Blick geht natürlich nach draussen, wie ist das Wetter? Könnte schlechter, aber auch besser sein. Die Berge sind wolkenverhangen und es nieselt. Es wird also kein Traumtag, aber besser als eisige Temperaturen und Schneeregen in der Schweiz. Wie ich eben erfahre wurde die PDG wegen schlechtem Wetter abgesagt… Also kein Grund zum Lamentieren!

Stephan mit Alexander Rabensteiner und Jimmy Pellegrini (Bild: Verantstalter)

Das Teilnehmerfeld ist mit ca. 170 Teilnehmern (Kurz- und Langstrecke) noch recht überschaubar, aber trotzdem sind einige Hochkaräter dabei. Bei den Frauen Helene Ogi und Anna Pedivilla, bei den Männern die Lokalmatadoren Alexander Rabensteiner und Jimmy Pellegrini. Ich bin mir sicher, dass der Lauf auch zukünftig viele Läufer anziehen wird. Denn im April ist der internationale Rennkalender noch nicht so überladen und wenn die Strecke den Erwartungen gerecht wird, ist es der perfekte Frühjahrswettkampf!

Abwechslungsreiche Streckenführung

Um 8:00 Uhr geht’s los. Zügig, aber nicht so hektisch wie bei den kurzen Skitourenrennen. Für Positionskämpfe bleiben schliesslich noch 52 Kilo- und 2800 Höhenmeter Zeit.

Der erste Teil der Strecke ist schon mal richtig genial! Ein steiler Anstieg auf dem Halbweg, ein erster rasanter Abstieg ins Brantental, wieder steil bergauf und dann das Sahnestück, der Leiferer Höhenweg. Ein teilweise mit Drahtseilen versicherter, herrlich schmaler Pfad, der sich über dem Brantental an der steilen Bergflanke entlang schlängelt. Leider geht der Abschnitt viel zu schnell vorbei, aber auch die nächsten Kilometer bis zur Abzweigung der Kurzstrecke sind wunderbar: erst ein steiler, steiniger Anstieg, dann fluffige Waldpfade.

Die folgenden rund 25 Kilometer sind eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Wegen. Es gibt Asphaltpassagen, Schotterautobahnen, aber auch knifflige Wurzelwege durch dunkle Wälder und sanfte Pfade über offene Almen. Würde man nicht durch tief hängende Wolken laufen, hätte man auf diesen Lichtungen sicherlich einen fantastischen Ausblick auf die nahe liegenden Dolomiten.

Die ständigen Rhythmuswechsel machen den Lauf nicht einfach. Insbesondere die flachen Passagen auf Schotterwegen fordern natürlich zum schnellen Laufen – Wandern ist nicht erlaubt!

Sieg mit 4h45min (Bilder: Veranstalter)

Summasumarum eine wirklich tolle Strecke. Wenn man sich darauf einstellt, dass es nicht nur über technisch anspruchsvolle Pfaden geht, wird man begeistert sein. Es lohnt sich hier mitzumachen!

Die Form passt

Ich fühle mich heute ziemlich gut. Kraft ist da, Ausdauer auch. Einzig das Bergablaufen macht mir noch etwas Mühe. Besonders der letzte Abstieg zurück nach Leifers, bei dem man gut 1200 hm vernichten muss, tut ziemlich weh in den Oberschenkeln. Auch meine Knie motzen, sobald ich Vollgas gebe. Da ist es gar nicht schlecht, dass die Steine derart glitschig sind, dass man sowieso das Tempo drosseln muss. Ich bin jedenfalls froh, als ich diese Passage hinter mir habe und die letzten Meter auf der Strasse zurück nach Leifers geniessen kann.

Helene Ogi gewinnt bei den Frauen in 6h04min (Bild: Veranstalter)

Ich gewinne den Wettkampf in 4:52:36 h vor Jimmy Pellegrini und Alexander Rabensteiner. Bei den Frauen läuft Helene Ogi mit einer Zeit von 6:04:42 h (!) die Konkurrenz in Grund und Boden. Gratulation.

Der Einstand in die (Traillauf-) Wettkampfsaison hätte nicht besser laufen können. Viel wichtiger als der Sieg und die Zeit ist mir, dass ich mich gut gefühlt habe. Es kann also los gehen!

Herzliche Gratulation Stephan! Mehr Information gibt es auch in seinem Blog.
http://stephan-hugenschmidt.de/

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