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Irontrail LogoMit 200 Kilometern und über 11’000 Höhenmeter ist der Irontrail T201 wohl einer der anspruchsvollsten Trails, den es in den Alpen zu laufen gibt. Ramon Casanovas hat für uns einen Rennbericht aus der Perspektive des Siegers verfasst – wahrscheinlich hat aber jeder, der dieses Rennen je unter die Füsse genommen hat, seine eigene Geschichte zu erzählen. Hier ist Ramons Blick hinter die Grenzen.

Autor: Ramon Casanovas

Irontrail T201 – beyond the limit!

Als ich am Mittwochabend nach Davos komme, ist mir schon ein wenig mulmig zumute. Die Eckdaten des T201 mit seinen 200Km und über 11’000 Hm beeindrucken mich. Noch nie zuvor bin ich eine solche Distanz gelaufen. Das Motto des Irontrails „beyond the limit“ ist also auch für mich zutreffend, insbeosndere da das Streckenprofil rund 13 grössere Anstiege aufweist und während fast dem ganzen Lauf auf einer Höhe von mehr als 1500m ü. M. gelaufen wird.

Irontral T021 - 200km mit 11'440hm D+/-

Irontral T201 – 200km mit 11’440hm D+/-

Der Start von Davos nach Bergün

Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr ist es dann soweit, ich mache mich mit rund 180 andern Läuferinnen und Läufern auf den 200km langen Rundkurs mit Start und Ziel in Davos. Der erste Streckenabschnitt verläuft bis Bergün (Km 34) in umgekehrter Richtung zum Swissalpine Marathon, den ich vor rund drei Wochen absolviert habe. Da ich also den ersten Streckenteil kenne, forciere ich das Tempo gleich nach dem Startschuss und setze mich an die Spitze. Bereits nach wenigen Kilometern verpasse ich eine Streckenmarkierung, biege falsch ab und verirre mich. Normalerweise ärgert es mich, wenn ich mich verlaufe. Ausnahmsweise bleibe ich aber ruhig und besinne mich auf ein vernünftigeres Tempo.

Zusammen mit Ueli Schneider mache ich mich auf die Verfolgung der Führungsgruppe. Wir diskutieren einige Minuten und kommen zum Schluss, dass wir zu diesem unser eigenes Tempo laufen müssen. Ueli sagt mir: „Nach 80 oder 100km sollten wir genauso locker laufen wie jetzt.“ Ich versuche mir seine Worte zu merken und diese Lockerheit zu speichern, um sie später wieder abrufen zu können.

© Ramon Casanovas

© Ramon Casanovas

Bei der Verpflegungsstation in Bergün habe ich den Anschluss zu den an 3. und 4. Stelle laufenden Michael Büchi und Thomas Ernst geschafft. An der Spitze führen weiterhin die beiden Südtiroler Rabensteiner und Kienzl.

Hitze und Krisen von Bergün nach Pontresina

Nach Bergün erreichen die Temperaturen fast 30 Grad, was mir zu schaffen macht. Ich kann nicht mehr mit Michael und Thomas mithalten und laufe nun alleine mein eigenes Rennen. Ich konzentriere mich nur noch auf mich und die Berglandschaft. Weitere zwei Anstiege sind zu überwinden bevor ich beim ersten grossen Posten in Samedan (Km 55) eintreffe. Jeder Läufer hat die Möglichkeit einen Sack mit Material nach Samedan und Savonin transportieren zu lassen. Somit ergibt sich hier die Gelegenheit Kleider zu wechseln und die persönliche Verpflegung aufzufrischen. Ich habe in Samedan nichts deponiert und bereue dies inzwischen, denn in meinen Kompressionssocken haben sich Löcher gebildet, welche mich zunehmend schmerzen.

© Irontrail

© Irontrail

Nach dem Verpflegungsposten Samedan folgt nun der Aufstieg nach Muottas Muragl, eines der Highlights dieser Strecke. Die Landschaft ist hier sehr speziell, die Berge sind kahl und felsig und die Alpwiesen steinig mit hohem gelb-grünem Gras.

Nach einem steilen Abstieg treffe ich in Pontresina (Km 69) ein. Ich muss nun die Socken wechseln, sonst wären die Schmerzen zu gross geworden. Zum Glück kann mir Franz, ein guter Freund, der als Betreuer in Pontresina wartet, ein Paar ausleihen.

Die Energie der Bergwelt in Fuorcla Surlej

Mit frischen Socken mache ich mich am frühen Abend auf in Richtung Fuorcla Surlej. Doch zuerst geht es einige Kilometer flach durch Wälder und Wiesen. Das rasche Vorwärtskommen in der Ebene und die neuen Socken geben mir ein gutes Gefühl. Im Aufstieg zur Fuorcla Surlej geht die Sonne langsam unter. Die Gletscher auf der anderen Talseite färben sich von Minute zu Minute röter. Der Himmel ist Wolken verhangen und die Stimmung wundervoll. Was für ein Glück wir Ultraläufer doch haben: Nirgends sonst erlebe ich den Tag und die Natur so intensiv wie hier!

Die Nacht von Maloja nach Savonin

In der Station Murtèl (Km 82) verpflege ich mich kurz und bereite mich auf die Nacht vor. Mit Langarmshirt, Stirnlampe und voller Energie mache ich mich auf den Abstieg Richtung Maloja. Entlang dem Silsersee sehe ich in der Ferne die Lichter der Spitzengruppe. In Maloja angekommen habe ich bereits über 50 Minuten Rückstand. Am Verpflegungsposten stärkt sich gerade der Rennleiter Andrea Tuffli mit einem Teller Pasta. Ich setze mich einen kurzen Moment zu ihm und wir essen gemeinsam. Als ich den Verpflegungsposten verlasse ist es stockdunkel. Während den nächsten Stunden sehe ich nur noch meine Schuhe und ein Stück des Weges im Lichtkegel meiner Stirnlampe. Nach einigen Stunden lauf ich zu Andrea Huser auf. Kurz darauf laufe ich irgendwie falsch und Andrea ist wieder weg.

Ein neuer Tag in Savonin

Vor Savonin wird es endlich wieder hell. Mit dem neuen Tag kommt neue Energie und die Müdigkeit verschwindet. Ich esse ein paar Teigwaren und fülle meine Vorräte wieder auf und mache mich dann voller Energie (-Gels) auf in Richtung Tiefencastel. Dieser Abschnitt ist relativ einfach und die Strecke läuft sich rollend. Kurze Zeit später schliesse ich erneut zu Andrea Huser auf. Wir kreuzen uns in den nächsten Stunden immer wieder: Abwärts ist sie um Längen schneller und aufwärts hole ich sie jeweils wieder ein.

© Irontrail

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Führung nach Lenzerheide

Kurz vor Lenzerheide wird mir mitgeteilt, dass ich nur 12 Minuten hinter dem aktuell führenden Alexander Rabensteiner laufe. Wir haben nun fast 160 Kilometer in den Beinen und ich fühle mich immer besser. Als ich in die Verpflegungsstation komme, bin ich überrascht, dass Alexander noch am Essen ist. Ich verpflege mich innerhalb zweier Minuten und verlasse die Station als Erster. Im Aufstieg zum Weisshorn forciere ich das Tempo und versuche die flacheren Passagen wieder zu laufen. Sowohl Laufstrecke als auch Landschaft sind sehr eindrücklich: Felsige Gipfel und technische Passagen prägen diesen Abschnitt.

© Irontrail

© Irontrail

Regen in Arosa, Regenbogen in Davos

Im Abstieg nach Arosa kommt der Regen und ich werde komplett durchnässt. Ich ziehe meine Regenjacke über versuche locker zu bleiben. In Arosa wird mir mitgeteilt, dass ich nun rund 20 Minuten Vorsprung habe und so mache ich mich ohne grosse Pause auf in Richtung Strelapass. Dieser hat es aber nochmals in sich. Der Weg besteht aus Steinen und rutschiger Erde, der Nebel versperrte teilweise die Sicht und der kalte Wind motivierte mich zu einem zügigen Aufstieg. Auf dem Pass angekommen, verpflege ich mich bei drei freundliche Zuschauer mit einem warmen Tee und bekomme die Abstände zu meinen Verfolgern mitgeteilt. Jetzt kann ich die letzten 5 Kilometer ruhig in Angriff nehmen. Ich erreiche als Sieger Davos – nach 34 Stunden und 20 Minuten ist das Abenteuer T201 vollbracht. Im Ziel sagt man mir, dass kurz vor meiner Ankunft ein Regenbogen über dem Davoser Himmel zu sehen war. Ob dieser Regenbogen wohl das Durchbrechen meiner persönlichen Grenzen markiert hat?!

Zurück in Davon nach 34 Stunden Trailrunning © Irontrail

Zurück in Davos nach 34 Stunden Trailrunning © Irontrail

Fazit

Der Swiss Irontrail ist ein wunderschöner Ultratrail, ein richtiges Abenteuer, das mich aufs äusserste gefordert hat. Die Strecke führt durch grandiose Landschaften, war sehr gut ausgeschildert und fordert den Läufern alles ab. Die Verpflegungsposten waren optimal eingeteilt. Die grössten Herausforderungen waren für mich der Umgang mit dem Wetter, der Müdigkeit, sowie das Einteilen der eigenen Ressourcen.

Ich kann den Swiss Irontrail nur weiterempfehlen!!

Bilder: Irontrail und Ramon Casanovas

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