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An Stephan Hugenschmidt führt kein Weg vorbei – zum einen ist er einer der stärksten Ultra Trail Runner und zum anderen ein Vorbild, wenn es um die kameradschaftlichen Werte unseres Sports geht. Neben Siegen beim Transapline Run, Zugspitz Ultra Trail oder Transvulcania ist Stephan auch bei kleineren Events oder privaten Laufprojekten mit vollem Einsatz dabei. Wir freuen uns, dass uns Stephan Rede und Antwort steht.

Q: Du hattest ein starkes 2014 – was waren die Highlights?

Stephan: Das ist gar nicht einfach zu beantworten, es waren wirklich sehr viele.

Ich versuche es trotzdem: Was Wettkämpfe betrifft würde ich sagen Zugspitz Ultra Trail (→ Rennbericht) und Trail Ticino. Erstgenannter, weil es mein bislang grösster sportlicher Erfolg ist, Letztgenannter, weil es wahnsinnig viel Spass gemacht hat mit Dippi (→ Matthias Dippacher), Consti ( Constantin Pade) und Philipp Quack auf der spektakulären Strecke im Tessin zu laufen. Zudem hat mir das nach dem DNF beim Swissalpine wieder Selbstvertrauen gegeben.

Die ganze Rasselbande im Gruppenfoto während des Ticino Ultra Trails

Die ganze Rasselbande im Gruppenfoto während des Trail Ticino

Aber das grösste Highlight im letzten Jahr war ganz klar mein privates Laufprojekt „Sardona-Welterbe-Weg“. Der Fernwanderweg führt von Filzbach oberhalb vom Walensee durch das UNESCO Welterbe Tektonikarena Sardona bis nach Flims. Die 83 km lange und mit ca. 6500 hm recht bergige Strecke hat mich absolut überwältigt. Es war definitiv eines der schönsten Erlebnisse, die ich bisher erleben durfte!

Q: Die Schnee und Eisdecke auf den Trails verändert sich zur Zeit täglich – wie bist Du ins Jahr gestartet? Was sind die Pläne für die Saison 2015?

Stephan: Das neue Jahr hat ganz gut angefangen. Ich laufe im Moment zwar sehr wenig, eigentlich nur lockere Feierabendrunden rund um Uzwil. Aber ich bin so oft es geht mit den Tourenski in den Bergen unterwegs. Da sind schon einige Höhenmeter zusammengekommen.

Meine Pläne für 2015 haben sich eben erst geändert. Grund ist, dass ich im Mai eine neue Stelle antrete und dafür auch meinen Wohnort wechsle. So ein Umbruch ist natürlich mit einigem Aufwand verbunden und erfordert viel Energie abseits des Sports. Daher werde ich nach dem Etappenlauf mit Philipp in Portugal erst mal kürzer treten, um mich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen, was leider bedeutet, dass ich die WM in Annecy abgesagt habe. Ich hoffe aber bis zum Südtirol Ultra Skyrace und vor allem zum UTMB (→ Rennbericht) wieder hundertprozentig fit zu sein. Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht, weil ich zukünftig im bündnerischen Schiers wohnen werde.

Q: Wie hast Du Dich läuferisch über die letzten Jahre hinweg entwickelt? Wie steuerst Du Dein Training?

Stephan: Ich würde sagen, dass ich ausdauernder und ein besserer Bergläufer geworden bin. Ganz einfach, weil ich öfters und länger in den Bergen unterwegs bin. Andererseits hat dadurch meine Schnelligkeit auf kurzen und /oder flachen Strecken gelitten. Aber das ist schon ok für mich, man kann schliesslich nicht alles haben und Profi bin ich ja auch keiner.

Harte Arbeit auf den technischen Trails des Transvulcania ©Martin

Harte Arbeit auf den technischen Trails des Transvulcania ©Martin

Training steuern? Eigentlich steuere ich da nichts. Mir ist es ganz wichtig immer Spass bei der Sache zu haben und in einem Gleichgewicht zu bleiben. So lange ich mir vorstellen kann das, was ich im Moment tue auch noch für die nächsten Jahre zu tun, ist alles in Ordnung. Von selbstkasteienden Trainingsplänen halte ich nicht viel. Möglicherweise kann man damit an einem bestimmten Wettkampf Höchstleistung bringen, aber die Frage ist, wie lange man das als Nicht-Profi durchhält…

 Q: Neben all den Wettläufen versuchst Du auch jedes Jahr ein persönliches Laufprojekt zu realisieren. Kannst Du uns mehr darüber erzählen? Was steht dieses Jahr an?

Ja, solche persönlichen Sachen sind mir sehr wichtig. Denn ich betreibe den Sport nicht, um erfolgreich an Wettkämpfen zu sein, sondern weil Laufen und draussen in den Bergen zu sein, meine Leidenschaft ist. Bei den persönlichen Projekten kann ich das uneingeschränkt geniessen, weil das ganze „Drumrum“ von Wettkämpfen entfällt. Es gibt dann nur das Projekt und sonst nichts. Im Unterschied zu einem normalen Trainingslauf sind die Strecken länger, anspruchsvoller und sollten auch eine physische Herausforderung sein. Ganz wichtig ist auch, dass sie einen „Sinn“ haben. In Frage kommen also Umrundungen, Fernwanderwege, mehrere Gipfel in einem bestimmten Gebiet etc. Irgendwelche Wiederholungen („ X mal Berg Y hoch und runterlaufen“) fände ich als persönliche Projekte uninteressant.

Was dieses Jahr ansteht, weiss ich noch nicht. Nachdem mit dem Prättigau Höhenweg 2013 und dem Sardona-Welterbe-Weg 2014 offiziell ausgeschilderte Themenwanderwege auf der Agenda standen, ist dieses Jahr vielleicht eine Umrundung dran? Mal sehen.

Übrigens: Recherchieren, Planen, Karten studieren gehört für mich ebenso zum Projekt!

Sieg beim Transapline Run

Sieg beim Transapline Run

 Q: Mit Deinen Leistungen gehörst Du zu stärksten Athleten der Salomon Familie. Dennoch drängst Du nicht in den medialen Fokus. Was bedeuten sportlicher, gesellschaftlicher und medialer Erfolg für Dich?

Stephan: Mag sein, dass andere Sportler eher im medialen Fokus stehen. Aber das macht mir überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, ich mag es nicht, wenn um mich herum grosser Rummel herrscht. Letztes Jahr beim ZUT und TAR war es ziemlich belastend für mich mit Startnummer 1 und damit als Favorit ins Rennen zu gehen. Natürlich freut es mich, wenn ich sehe, dass ein Beitrag auf meinem Blog viel gelesen und kommentiert wird, oder ich eine Interviewanfrage wie diese hier bekomme. Und natürlich hat man auch Verpflichtungen seinen Sponsoren gegenüber. Aber am Ende vom Tag ist es am wichtigsten für mich Spass beim Sport zu haben – unabhängig vom sportlichen, gesellschaftlichen und medialen Erfolg.

Sieg beim Zugspitz Ultra Trail

Sieg beim Zugspitz Ultra Trail

Q: Wenn man der Trail-Running Szene etwas Gutes tun könnte – was wäre das?

A: Ich finde es schade, dass es zwischen Trail-Läufern und „normalen“ Läufern Grabenkämpfe gibt. Man könnte fast meinen, dass es sich um unterschiedliche Sportarten handelt. Aber das ist doch Quatsch, letztendlich sind wir alle Läufer. Die einen sind halt lieber auf flachen und befestigten Wegen unterwegs, die anderen auf schmalen Pfaden…

Q: Was ist Dein ultimativer Trainingstipp?

A: Haha, den gibt es wohl nicht. Du könntest es höchstens bei Kilian versuchen, vielleicht weiss er ja was 😉

Aber im Ernst: ich denke, jeder muss selbst herausfinden, welcher Weg am besten zu einem passt. Wer versucht einen anderen zu kopieren, wird in den seltensten Fällen glücklich.

Vielen Dank, Stephan, für das aufschlussreiche und sympathische Interview. Ich freue mich schon jetzt Dich bald wieder auf den Trails zu treffen. Auf ein erfolgreiches 2015!

Interview: Alex Brennwald
Bilder: Stephan Hugenschmidt

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