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Der Transviamala ist seit je her ein Trail Klassiker im Spätherbst. Neu ist eine grosse Schwester dazugekommen. Der Transruinaulta. Ein Trailmarathon dem Vorderrhein entlang. Im Januar dieses Jahres haben wir gespannt die ersten Informationen vom OK Präsidenten Thomas Häusermann (Interview) erhalten und es war schnell klar, dass man, wenn man schon in der Gegend ist, am Besten gleich beide Läufe absolviert – 61km mit 2550hm D+ pure Trailfreude…

Der Transruinaulta ist in vielerlei Hinsicht ein bisschen anders als der „gemeine City-Marathon“. Gelaufen wird vorwiegend auf unbefestigtem Untergrund – und zwar ist von der Forststrasse bis zum technischen Singletrail alles mit dabei. Das OK spricht in der Ausschreibung von einem Trailmarathon und meint es ernst. So ernst, dass der Transruinaulta nicht einem Massenstart gestartet wird, sondern die Läufer im Intervall-Verfahren auf die Strecke geschickt werden. Der Trail wird bereits weniger Meter nach dem Start so eng, dass Laufen im Feld unmöglich wäre. Die Einzelstarts bringen eine komplett neue Wettkampf-Dynamik: man läuft von Beginn weg alleine. Taktische Mätzchen sind somit schwierig, da jeder Läufer zu einer anderen Startzeit unterwegs ist. Man ist also in der Renneinteilung gefordert und muss/darf wohl oder übel sein eigenes Ding durchziehen.

Transruinaulta: 42km mit 1800hm D+

Tag 1: Transruinaulta: 42km mit 1800hm D+

Neben dem Einzelstart und dem technischen Trail orientiert sich der Transruinaulta auch mit der Verpflegung eher an den Ultras als an den Citymarathons. Es gibt 5 Verpflegungsposten und die Läufer sind dazwischen auf sich selbst gestellt. Eine Minimalausrüstung von Erste Hilfe, Trinkflasche und Handy ist Pflicht. An den Labestellen wird konsequent auf Becher verzichtet. Zudem müssen alle Gels, Riegel, etc. mit der Startnummer versehen sein, um Littering vorzubeugen. Super!

Der letzte Punkt, der den Transruinaulta vom Citytrail abhebt, ist die Möglichkeit des Doppelstarts mit dem Transviamala. Konkret heisst das folgendes:

  • Transruinaulta mit 42km und 1800hm D+ am Samstag
  • Transviamala mit 19km und 750hm D+ am Sonntag

Insgesamt nehmen bei dieser Erstaustragung des Transruinaulta etwas mehr als 300 Trailrunner die Marathon strecke unter die Füsse und bewältigen über 3 grosse Auf- und Abstiege insgesamt 1800 Höhenmeter. Am Sonntag ist der Transviamala mit 19km und 750 Höhenmeter (sowie einer 15.3km Distanz) mit 1000 Startern ausverkauft.

Tag 1 – Transruinaulta 42m mit 1800hm D+

Start Ilanz bis Versam

Gestartet wird ab 9.30 im Intervall-Modus auf einer gewaltigen Rampe aus Valser Granit. Alle 20 Sekunden (das Feld startet später jeweils 5 Sekunden verzögert) jagt ein Läufer auf die Strecke. Pünktlich mit dem ersten Starter drückt auch die Sonne durch die Nebeldecke und lässt den bevorstehenden, strahlendschönen Tag erahnen.

Action vom Startblock weg

Action vom Startblock weg

Gemäss Streckenplan geht es erst einmal 12 Kilometer geradeaus das Safiental hinunter nach Versam. Ein lockeres Einlaufen, könnte man meinen. Das Geläuf ist aber von der Startrampe weg ziemlich technisch – Wurzeln, Steine und Felsplatten wechseln sich ab. Der Transruinaulta wartet nicht lange, bis er sein Versprechen einlöst: Trailmarathon vom Block weg. Geil.

Vor Versam wird die Strecke spektakulär. In einem knackigem Auf und Ab geht es dem moränen-artigen Flussbett des Vorderrheins entlang voran. Die Aussichten sind einzigartig. Willkommen in der Ruinaulta.

Auf dem Kiesbett des Vorderrheins geht's die Ruinaulta hinunter

Auf dem Kiesbett des Vorderrheins geht’s die Ruinaulta hinunter

Das ruppige Auf und Ab der Strecke erinnert eher an einen Cross-Lauf als an einen Trailmarathon. Dementsprechend sind die Oberschenkel auch schon ein bisschen zu, wenn man in den steilen Anstieg hoch nach Versam einsteigt. Dieser erste von 3 Anstiegen ist richtig bissig: 1.5km mit 400 Höhenmeter gilt es auf Singletrail zu bewältigen. Adrenalin mischt sich mit Laktat. So soll’s sein.

Spektkuläre Aussicht vom Aufstieg nach Versam

Spektkuläre Aussicht vom Aufstieg nach Versam

Oben angelangt erreicht man bei der 15. Kilometermarke den zweiten Verpflegungsposten in Versam.

Rhäzünser isch gsünser

Eine Banane kauen stürze ich mich in den ersten längeren Dowhill. Ingesammt gibt es 3 Anstiege mit 3 Downhills zu meistern. Der erste Abstieg ist wenig technisch und man kann es laufen lassen. Die Strecke führt durch den Wald und hat neben ein paar wenigen Abschnitten auf Forststrassen beste Singletrail Qualitäten. Nach 2km sind genügend Höhenmeter vernichtet um den zweiten Anstieg in Angriff zu nehmen. Es geht auf einer Forststrasse in Serpentinen nach oben. Im Gegensatz zur ersten Anstieg ist die Strecke hier einfach zu laufen und man kann berghoch ebenfalls ein bisschen Gas geben und das Laktat kommen lassen.

Hunger?

Hunger?

Es gilt wiederum etwa 400 Höhenmeter zu bewältigen bevor man nach der Halbmarathon Marke einen super flowiger Trail nach Rhäzüns runterbrettern kann. Ich laufe immer noch weitestgehend alleine. Schnell taucht das Dorf Rhäzüns mit dem nächsten Verpflegungsposten auf.

Auf zum Zwischenziel in Thusis

Diesmal genehmige ich mir nicht nur eine Banane sonder auch einen Orangenschnitz, der mich noch lange beschäftigen wird. So erfrischend der Biss in die Orange ist, so lange bleiben die Fruchthäutchen zwischen den Zähnen hängen. Mist. Wenigstens habe ich auf dem letzten langen Aufstieg etwas zu tun… Es geht etwa 700 Höhenmeter zum höchsten Punkt der Strecke nach oben. Man kann alles durchlaufen. Der lange Anstieg passt mir gut und ich kann ein paar Läufer einholen.

Die Strecke ist auf diesem zweiten Teil weniger spektakulär. Man läuft hauptsächlich auf Pfaden im Wald und erhascht nur zwischendurch einen Blick ins Tal. Bei Kilometer 30 ist der höchste Punkt erreicht und es geht nach dem Verpflegungsposten fast nur noch talwärts. Fast…

Nach einem längeren Downhill auf Trail erreiche ich bei Kilometer 36 den Talboden. Noch 6 Kilometer bis ins Ziel. Gut. Gas geben. Aber nicht lange. Denn dann sind sie da, die im Vorfeld bereits gerühmten Kamel-Buckel. Schön steil geht es rauf und runter. Die Waden und die Oberschenkel klagen im Wechselspiel. Insgesammt sind drei Mal hübsche Gegenanstiege mit je 50 bis 100 Höhenmeter eingestreut, die mich von einem kühlen Bier an der Ziellinie trennen. Mit Blick auf den nächsten Tag gehe ich Buckel hoch und nehme michebenfalls auch auf den steilen Abstiegen etwas zurück.

Nach 4 Stunden und 12 Minuten ist es soweit. Der letzte Kilometer führt durch die Strassen von Thusis und ich überquere angefeuert von Adrian die Ziellinie. Super war’s. Ein grandioser Tag auf ebenso spektakulären Trails. Das Trail Runner Herz lacht.

Die Swiss Ultra Trail Community ist gut vertreten

Die Swiss Ultra Trail Community ist gut vertreten

Nach dem Ziel gönne ich mir eine Massage. In knapp 15 Stunden geht es nämlich weiter zum zweiten Streich, dem Transviamala.

Tag 2: Transviamala 19km mit 750 Höhenmeter

Die Nacht im Hotel Weiss Kreuz war super. Nach Massage, Sauna und ordentlicher Nachruhe fühlen sich die Beine auch gar nicht mal so schlecht an. Okay, ein bisschen schwer sind sie schon, aber was soll’s. Auf geht’s!

Trailrun in der Viamala Schlucht

Um 10.00 geht es los. Der erste von zwei Startblöcken brettert los und nimmt kurz nach dem Dorfausgang von Thusis die erste Steigung in Angriff. Sofort schiesst mir das Laktat in die Beine. Wie immer  ist das Tempo am Anfang vom Transviamala Lauf horrend. Jeder will als Erster auf dem Singletrail sein und auf keinen Fall in Anstieg anstehen müssen. Ich gehe mit. So gut es geht. An den roten Startnummern erkenne ich Doppelstarter und weiss, an wen ich mich ranhängen muss. So wäre die Theorie –  in der Praxis merke ich schnell, dass ich mein eigenes Rennen laufen muss und lasse die anderen Typen ziehen. Abgerechnet wird in Donat…

Tag 2: Transviamala 19km mit 750hm D+

Tag 2: Transviamala 19km mit 750hm D+

Der Trail durch die Viamala Schlucht ist spektakulär. Strasse und technischer Trail wechseln sich ab und geben immer wieder den Blick auf spektakuläre Aussichten frei. Wieder ist das Wetter strahlend. Über zahlreiche Brücken geht es die ersten 7 Kilometer steil nach oben bis nach Reischen.

Viadukt Action

Viadukt Action

Schnelle Asphaltabschnitte wechseln sich mit verwurzelten Trailpassagen ab. Es ist nicht von der Hand zu weisen warum der Transviamala als einer der schönsten Läufe der Schweiz gilt.

Der 3. platzierte Sandro Hermann hat noch "Pfupf" in den Beinen

Der 3. platzierte Doppelstarter Sandro Hermann hat noch „Pfupf“ in den Beinen

Nach Reischen geht es auf Singletrails auf und ab Richtung Zilis und Pignia. Der gestrige Marathon steckt mir schon noch in den Beinen, dennoch geht es auf den steilen bergauf und -ab Passagen erstaunlich gut. Das Training der Saison scheint sich ausbezahlt zu haben. Langsam kann ich auch ein paar der roten Nummer wieder einsammeln, die ich vorher habe ziehen lassen müssen.

Strassenrennen von Ander bis Donat

Nach Pignia ändert sich der Charakter des Transviamala schlagartig: anstatt technischer Singletrail heisst es nun Tempo-bolzen auf der Strasse. Die letzten 6 Kilometer sind auf Asphalt zu laufen und wollen aus den geschundenen Beinen noch einmal das Letzte herausgekitzelt sehen. Ich laufe zusammen mit einem anderen Doppelstarter und bin froh, nicht alleine aufs Tempo drücken zu müssen.

Über den letzten Hügel geht es hinunter ins Dorf Donat. Nach 1h 40min überquere ich die Ziellinie des Transviamala. Erstaunlicherweise bin ich nur 1 Minute über meiner persönlichen Bestzeit. Super. Auch für das Double Transruinaulta & Transviamala konnte ich mit 5h 52min unter der 6 Stunden Marke bleiben und den 4. Rang in der Altersklasse sichern. Hurra.

Fazit

Der Transruinaulta hat einen super Einstand geleistet und wird mit Bestimmtheit ein weiterer Liebling der Trailszene werden. Das Organisationskomitee und die freiwilligen Helfer haben grossartiges geleistet und einen Event von höchster Qualität auf die Beine gestellt. Und Qualität heisst hier, dass eine Top-Organisation Hand in Hand mit einem wunderbar familiären Umfeld funktionieren kann. Was will man mehr…

Die Möglichkeit des Doppelstarts ist ebenfalls ein spannendes Novum und kann jedem Trail-begeisterten Läufer, der etwas längere Distanzen mag, gerne empfohlen werden. Bis zum nächsten Mal.

Autor: Alex Brennwald

Bilder: Stefan Barenbrügge, Transruinaulta OK, Alphafoto

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