Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Denise Zimmermann durchlebt eine Traumsaison: Sieg Overall am Irontrail T201, Sieg am TVSB, neuer Schweizer Rekord beim 24h Lauf und ein neuer Schweizer Rekord über 100km. Und nun der starke 3 Platz am Tor des Géants. Die 330km lange mit 24’000hm D+ gespickte Strecke bietet viel Zeit zum Nachdenken – wir freuen uns, dass Denise einige dieser Gedanken und Erfahrungen mit uns teil.

Tor des Géants

Ultra Trail ist ein Sport und eine Lebenseinstellung, die für manche Aussenstehende schwer zu fassen ist. Der Tor des Géants hat wahrscheinlich eine ähnlich schwer zu fassende Faszination sogar innerhalb der Trail Community. Die Eckdaten sind markig: 330km Trail, 24’000hm D+, 150 Stunden für den Final Cut Off.

“More than anything, the Tor is a journey.To discover yourself,a unique setting,and the people that you meet along the way”

Auf der „Alta Via 1″ und Alta Via 2“ geht es an 43 Verpflegungsposten vorbei über 7 Life Bases entlang dem Aostatal von Courmayeur wieder zurück nach Courmayeur. 25 Pässe sind höher als 2000m und der höchste Punkte der Strecke liegt auf 3300 Meter über Meer.

330km mit 24'000jm D+ durchs Aostatal

330km mit 24’000jm D+ durchs Aostatal

Interview mit Denise Zimmermann

Q: Der Tor des Géants ist ein langes Rennen. Um was geht es? Wie hast Du das Rennen erlebt? Was waren die Höhe- und Tiefpunkte?

Denise: Der Tor des Géants ist eine grosse Reise! Vor allem bei der ersten Teilnahme eine Reise ins Ungewisse. Das Rennen hat mir sehr gut gefallen. Es war super organisiert und landschaftlich einfach gigantisch. Auf den 330 km und den 24000 hm gab es viele Höhe- und Tiefpunkte. Die Höhepunkte waren sicher die gut organisierte und markierte Strecke sowie die unendliche Bergwelt. Die tollen Aufstiege, vor allem auf die auf 3000 Meter über Meer. Die klaren Voll- oder fast Vollmond Nächte in denen man die Berge in der Ferne immer noch in ganzer Pracht sehen konnte. Die unzähligen Helfer, die immer ein Lächeln im Gesicht hatten und sehr hilfsbereit waren. Die Sanitäter, die mich top betreuten und mir guten Mut zusprachen. Und nicht zuletzt der Zieleinlauf wo all die Emotionen hoch gekommen sind.

Die Läufer haben 150 Stunden Zeit die Bergwelt zu geniessen

Die Läufer haben 150 Stunden Zeit die Bergwelt zu geniessen

Die Tiefpunkte waren als ich von einem Hund gebissen wurde und ich mit den Hundebesitzern die nur Italienisch Sprachen, und ich kein Wort Verstand, alleine auf der Strecke war. Und als mir im Anschluss an den Biss der Kreislauf zu schaffen machte. Dann hatte ich auf den letzten Kilometern einen Stockbruch, der nochmals Energie und Kraft kostete. Ein weiterer Tiefpunkt war als ich zu spät die Regenjacke überzog und dadurch lange durchnässt durch die kühle Nacht rennen musste.

Zieleinlauf nach 98h 26min - 3. Platz

Zieleinlauf nach 98h 26min – 3. Platz

Q: Wie ist das mit dem Hundebiss passiert? Was waren die Folgen?

Denise: Als ich an einigen Häusern vorbei marschiert bin (ich bin nicht gelaufen, da es Bergwärts ging) wurde ich von hinten von einem Hund, wahrscheinlich ein Border Collie, in den Unterschenkel gebissen. Ich hatte diesen Hund zuvor weder gesehen noch gehört und nicht bemerkt, bis ich den Schmerz des Bisses in die Wade verspürte. Dies war mehr als 200 km vor dem Ziel!

No comment needed...

No comment needed…

Als Folge des Hundebisses musste ich bei praktisch jedem Sanitätsposten die Wunde desinfizieren und neu verbinden lassen. Zudem habe ich beim nächsten grossen Posten (Life Base) eine Tetanusimpfung machen müssen. Nach dem Zieleinlauf musste ich sofort mit einer Antibiotika-Kur beginnen.

Q: Hast Du während dem Rennen etwas von Francesca Canepas Disqualifikation mitbekommen? Wie hast Du reagiert?

Denise: Ja, mir hatte ziemlich früh ein Zuschauer eine Andeutung gemacht, dass Francesca disqualifiziert werden würde. Als ich dann den Kontrollposten erreichte, an dem sie disqualifiziert wurde, habe ich sie bei der Massage gesehen, wusste aber noch nicht was geschehen war. In der folgenden Nacht hörte ich dann, dass sie anscheinend in ein Auto gestiegen sei und deswegen disqualifiziert wurde. Danach habe ich auch noch gehört, dass sie einen Posten nicht angelaufen sei. Da ich nicht weiss, ob das stimmte, machte ich mir zu dem Zeitpunkt keine weiteren Gedanken.

Q: Wie funktioniert beim TdG die Verpflegung, Betreuung und Drop-Bags?

Denise: Die Verpflegungsposten waren super organisiert. Es gab für jeden etwas, man bekam genug und die Auswahl an Verpflegung war gross. Ich wurde von einem Kollegen betreut, der bei den Verpflegungsposten auf mich wartete. Das Drop-Bag System beim Tor de Géants ist eine super Sache – die Läufer bekommen bei der Startnummernausgabe eine grosse Tasche, die jeweils von Life Base zu Life Base transportiert wird.

Drop Bags, die von Life Base zu Life Base weitergereicht werden

Drop Bags, die von Life Base zu Life Base weitergereicht werden

Q: Bei langen Rennen wird Schlafentzug immer mehr ein Thema. Wie bist Du damit umgegangen?

Denise: In der ersten Nacht machte ich nur wenige Minuten lang Power Naps am Steckenrand. In den folgenden Nächten legte ich mich dann jeweils für ca. 1,5 Stunden hin oder machte vermehrt kurze Power Naps am Rande des Trails. Nach dem Hundebiss, als mir der Kreislauf zusammenbrach, legte ich mich für ca. 3 Stunden hin.

Q: Wie hast Du Dich während des Rennens motiviert?

Denise: Ich motovierte mich immer wieder durch die geniale Landschaft, die gigantischen Berge und die hilfsbereiten und aufgestellten Helfer.

Q: Man kann sich vorstellen, dass der TdG die Teilnehmer verändert. Was hat sich bei Dir verändert?

Denise: Beim TdG kommt man der Natur und ihrer Schönheiten sehr nahe. Man stösst an seine Grenzen und lernt den Körper noch besser kennen, als sonst bei Ultras. Auch noch nach 1,5 Wochen bin ich in Gedanken noch oft auf der Strecke und durchlebe erneut die Emotionen mit all den Höhe- und Tiefpunkten.

3. Platz für Denise Zimmermann

3. Platz für Denise Zimmermann

Q: Was sind die nächsten Ziele?

Denise: Dieses Jahr habe ich keine grossen Ziele mehr. Eventuell noch ein Berglauf im Tessin und dann „Aktivurlaub auf La Reunion“ 😉 verbunden mit einem Lauf, doch dies nur noch gemütlich und ohne Druck. Danach geht es an die Planung für die Saison 2015.

Vielen Dank für das Interview, Denise. Du hast einmal mehr eine hervorragende Leistung gezeigt. Herzliche Gratulation. Auch für Deine zukünftigen Projekte wünschen wir Dir viel Erfolg und freuen uns auf zahlreiche weitere Gespräche.

Interview: Alex Brennwald
Bild: Tor des Géants – www.facebook.com/TorDesGeants

Werbung
Follow us on Facebookschliessen
oeffnen