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Der Lavaredo Ultra Trail LUT hat sich neben dem UTMB zum zweiten The North Face Spitzenevent entwickelt. Ausgehend von Cortina d’Ampezzo nehmen die Läufer auf der 119 Kilometer Runde einen mit 5850 knackigen Höhenmetern  gespickten Dolomiten-Trail unter die Füsse. Landschaftlich sind die Tre Cime di Lavaredo und Cinque Torre wahrscheinlich kaum zu überbieten. Patrik Zeder ist mitgelaufen und hier ist sein Rennbericht.

Rennbericht von Patrik Zeder

lavaredo-logoSchaffe ich die 20h Grenze? Dies ist mein gestecktes Ziel. Neben einem guten Lauferlebnis auf den Dolomiten Trails geht es mir auch um das Erreichen der Qualifikationszeit um für die Anmeldung zum Western States 100 Miles Endurance Run im 2015 zugelassen zu sein. Gut, eigentlich ist die Limite dort bei 22 Stunden angesetzt, aber ich will ja nichts anbrennen lassen. Neben dem Qualifier für den Western States vergibt der LUT ebenfalls 4 UTMB Punkte an alle Finisher. Der kürzere Cortina Trail (47km mit 2650hm D+) ist für 2 UTMB Punkte gut. So viel zu den Formalitäten.

Zu überwinden gilt es 119 Kilometer Trail vorbei an den landschaftlichen Ikonen der Dolomiten. Dabei sind 5850 Höhenmeter zu überwinden. Die Tre Cime di Lavaredo sind dabei nur eines der zahlreichen Highlights.

LUT

LUT: 119km mit 5850hm D+

Cortina – Federavecchia – Rifugio Auronzo

LUT PatrikMit dieser 22 Stunden Vorgabe reise ich in Begleitung meiner Freundin und Mentorin nach Cortina d’Ampezzo. Die Wettervorhersagen sind gut, evtuell leichter Regen, aber sicher nicht zu warm. Ich bin bereit, das Abenteuer Lavaredo Ultra Trail (LUT) anzunehmen.

Um 23:00 fällt der Startschuss. Endlich raus aus dem Gewühl, ab auf die Trails. Und diese beginnen sanft und gutmütig. Genau der richtige Einstieg um nicht schon um Mitternacht die ersten Anzeichen einer Überlastung zu spüren. Ich komme gut voran. Und auch der zweite Anstieg mit 750hm ist schnell Geschichte. Wenn es so weiter geht, muss sich Anton Krupicka sputen um den Sieg einzufahren.

Nach der Verpflegungstelle Federavecchia geht der Trail langgezogen hoch zu den Drei Zinnen. Über einen Wurzelpfad geht es dem malerischen Lago di Misurina entlang langsam über die Baumgrenze. Dieser dritte Anstieg ist, mit dem Unterbruch am Lago di Misurina, mit über 1200 Höhenmeter einer der zwei grossen Aufstiege.

Bei Tagesanbruch erreiche ich bei Kilometer 49 das Rifugio Auronzo und damit meinen Materialsack welche ich vor dem Start deponieren konnte. Die Nacht durch bin ich langarm gelaufen (Pflichtmaterial) und wechsle nun tagsüber auf kurz. Es ist angenehm zwischendurch in frische Kleider und Socken zu schlüpfen. Das Rifugio Auronzo liegt direkt vor dem Wahrzeichen des Lavaredo Ultra Trail – den Drei Zinnen.

Tre Cime di Lavaredo - das Wahrzeichen des éLT

Tre Cime di Lavaredo – das Wahrzeichen des LUT

Cimabanche – Malga Ra Stua

Nach einer Suppe (leider keine Pasta) geht es schon weiter und damit in den ersten langen Downhill. Es geht 1000 Höhenmeter talwärts. Mit der zunehmenden Helligkeit sieht man nun auch die Schönheit der Landschaft in welcher wir uns bewegen. Irgendwie will man schnell sein, aber gleichzeitig auch diese Schönheit geniessen.

Nun geht es etwa 5km stetig leicht steigend über eine breite Naturstrasse hoch nach Cimabanche. Diese Steigung nagt an der Motivation. Zu steil um in einem schonenden Rhythmus zu rennen, zu flach und zu lange um zu gehen.

Halbzeit ist um und ich bin immer noch super in der Zeit. Eigentlich viel zu gut, denn nun beginne ich die Vorstellung eines realistischen Zieles zu verlieren. Ich bin angesteckt vom Gedanken meine Zeitvorgaben um Welten zu unterbieten und träume von Finisherzeiten um die 16 Stunden. Der Motor läuft, aber ich merke nicht, wie mir langsam das Benzin ausgeht.

Spektakuläre Felsformationen begeistern die Dolomiten Läufer

Spektakuläre Felsformationen begeistern die Dolomiten Läufer

Das Geläuf zwischen den Verpflegungsposten Cimabanche und Malga Ra Stua ist wenig technisch. Alpweiden und Wald dominieren hier die Landschaft. Ab und zu sind auch noch einige Schneefelder zu queren. Der Winter hat hier noch deutliche Spuren hinterlassen.

Col dei Bos – Passo Giao – Finish

Nur noch ein Berg und etwas mehr als ein Marathon sind zu bewältigen. Doch im Aufstieg merke ich, dass ich in einen Hungerloch gerate. Schlecht, sehr schlecht, denn aus Erfahrung weiss ich, dass wenn der Magen entleert ist, eine Nahrungsaufnahme schwierig ist. In solchen Situationen zähle ich auf Gels von WinForce, da diese generell verträglicher sind.

Bis die verlorene Energie aber wieder in den Beinen ankommt zahle ich Tribut für meine Fahrlässigkeit. Zudem wird das Gelände in diesem letzten Abschnitt merklich schwieriger. Es warten steile Aufstiege und ruppige Dowhnhills. Und 42 Kilometer können lang sein in solchem Gelände, verdammt lang. Der Trail ist hier von einem stetigen auf und ab geprägt und führt über zahlreiche technisch anspruchsvolle Abschnitte.

Der letzte 40km Abschnitt ist noch einmal technisch anspruchsvoll

Der letzte 40km Abschnitt ist noch einmal technisch anspruchsvoll

Und dann stehe ich im letzten Downhill – Cortina d’Ampezzo vor den Augen. Nochmals sammle ich alle Reserven zusammen, schliesslich will man ja gut aussehen bei Zielankunft. 18h33 werden es schlussendlich, was mir den 88 Gesamtrang einbringt. Ziel erreicht, jedoch so richtig glücklich kann ich noch nicht sein darüber. Zu viele Fehler sind mir unterlaufen (Ernährung / Überheblichkeit). Doch bei einem warmen Bad fallen die Zweifel mit dem Dreck von mir und ich lege mich erschöpft aber zufrieden nieder und geniesse die wohlverdiente Nachtruhe.

Material

Schuhe: Salomon Sense Mantra2

Rucksack: Salomon Skin Lab Hydro 5l (reicht aus für das Pflichtmaterial)

Stöcke: Back Diamond Ultra Distance, jedoch würde ich diese nicht mehr mitnehmen, da das Gelände deren Einsatz nicht erfordert.

Verpflegung

Leider gibt es an keinem offiziellen Verpflegungsposten Pasta und auch Flädlisuppe konnte ich nur 2x geniessen. Es ist daher wichtig seine eigene Verpflegung gut zu organisieren.

Résumé

Ein sehr schöner und schneller Ultra Trail, den ich nur weiterempfehlen kann. Die Organisation ist gut und die Landschaft in welcher man sich bewegt überwältigend. Nur die Anreise bis nach Cortina d’Ampezzo zieht sich.

Autor: Patrik Zeder
Photos: Lavaredo Ultra Trail www.ultratrail.it

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