Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Scenic Trail LogoEs geht was im Tessin – mit der erfolgreichen Erstausfühung des Lugano Capriasca Scenic Trails kommt nebem dem Skyrace Lodrino Lavertezzo und dem Trail Ticino ein weiterer hochkarätiger Trail-Event auf die Agenda. Wir haben die 50 Kilometer Singletrail mit 3800hm D+ unter die Füsse genommen und sind begeistert. Die Sonnenstube der Schweiz hat echt was zu bieten.

Die Trail Running Welle schwappt seit je her von Frankreich und Italien über die Schweiz. Es verwundert daher auch nicht, dass die Französisch-sprachige Schweiz und das Tessin viele gute Events zu bieten haben. Und es werden immer mehr. Dieses Jahr hat zum ersten Mal der Lugano Capriasca Scenic Trail stattgefunden. Die Tessiner Sommersonne meinte es gut mit den Startern auf dem 50km langen Trail mit 3800hm D+ und rund 150 Läuferverlebten eine sehr gelungene Erstausgabe.

50km mit 3800hm D+

50km Singletrail mit knackigen 3800hm D+

Monte Bigorio – Monte Bar – Gazzirola

Um 7.00 fällt auf dem Sportplatz Tesserete der Startschuss zum ersten Scenic Trail. Das Tempo ist am Anfang sehr gemächlich und die beiden Lokalmatadoren Marco Gazzola und Roberto Delorenzi traben locker vorneweg in die erste Steigung. Ein paar Verwegene wagen die Beiden zu überholen – eine Reaktion bleibt aber aus. Zu gut wissen die beiden wahrscheinlich, dass sie hier niemand schlagen kann. Auf Treppen, wie im Tessin üblich, geht es nach oben. Es ist mittelmässig steil – laufen und gehen wechselb sich ab. Noch ist es angenehm kühl.

Marco Gazzola auf dem Weg zum Monte Bar

Marco Gazzola auf dem Weg zum Monte Bar

Der Monte Bigorio ist mit knapp 1200 Höhenmetern das erste Ziel. Danach geht es einen kleinen, schnellen Downhill hinunter um gleich wieder über 800 Höhenmetern am ersten Verpflegungsposten Cavaldrossa vorbei zum Monte Bar auf 1816 Meter aufzusteigen.

Längere Anstiege gehören beim Scenic Trail dazu

Langezogene Anstiege gehören beim Scenic Trail dazu

Mir läuft es nicht gut und meine Beine sind vom Skyrace Lodrino Lavertezzo (→ Rennbericht) immer noch sehr schwer. Ich muss viele Läufer an mir vorbeiziehen lassen. Ärgerlich. Die Aussicht ist dafür umso schöner. Die Trail verlaufen sich immer mehr in den Alpwiesen und es geht querfeldein weiter. Ein welliger Abstieg führt uns zum Anstieg hoch zum Gazzirola, wo der Scenic Trail auf 2116 Metern seinen höchsten Punkt erreicht. Die Aussicht auf Lugano, die Seen und die Tessiner Bergwelt ist super. Der Wind pfeift mir ziemlich um die Ohren und ich muss die bereits ausgerissene Startnummer noch einmal besser anbringen.

Flowige Tessiner Singletrails - für einmal untechnisch

Flowige Tessiner Singletrails – für einmal untechnisch

Rifugio San Lucio – Cima di Fojorina – Denti della Vecchia

Nach dem Gipfelkreuz des Gazzirola geht es die Alpenwiesen runter. Der Trail hat einen guten Flow – man muss nur immer wieder aufpassen, dass man über die Grasnarben hinweg keinen Fehltritt macht. Nach etwa 500 Höhenmetern Downhill erreichen wir das Rifugio San Lucio, welches den zweiten Verpflegungsposten des Trails zur Verfügung stellt. Kaltes Wasser und ein Stück Banane sind jetzt genau das Richtige. Ich Verlasse das Refugio an Position 30.

Denti della Vecchia - der Trail wird felsiger

Denti della Vecchia – der Trail wird felsiger

Weiter geht es über Alpweiden Richtung  Cima di Fojorina. Der Anstieg ist ziemlich knackig. Ich freue mich, dass es wieder hoch geht. Meine Beine fühlen sich langsam besser an und ich beginne den einen oder anderen Läufer, der mich zuvor überholt hat, wieder einzuholen. Auf dem Fojorina ändert sich das Geläuf. Es wird felsiger und technischer. Haben bis jetzt ziemlich steile Alpwiesen die Strecke charakterisiert, so wird nimmt ab jetzt Fels und loses Geröll überhand. Der Downhill von Cima die Fojorina bringt uns an der Verpflegungsstelle Pairolo vorbei direkt ins schroffe Gebiet der Denti della Vecchia – den kalkigen „Zahnstummel der alten Dame“. Der Trail ist sehr coupiert und abwechslungsreich. Der Trail windet sich teilweise so eng zwischen den Kalkfelsen durch, dass gerade nur knapp ein Läufer durch passt. Die Denti della Vecchia sind ein absolutes Highlight der Strecke. Das stetige Auf und Ab kommt mir zugute und ich kann etwas aufdrehen.

Monte Boglia – Alpe di Bolla – Tesserete

Der letzte grössere Aufstieg des Scenic Trails ist noch einmal knackig. 300 Höhenmeter wollen noch einmal überwunden werden bevor man mit einer tollen Aussicht über Lugano gleich wieder in den Downhill sticht. Man merkt, dass die Strecke nun näher an Lugano herangekommen ist, da die Trails forwährend breiter werden. Man kann es ordentlich kacheln lassen. Langgezogene bergab Passage laden dazu ein noch einmal alles aus dem Quadrizeps herauszukitzeln. Die letzten 10 Kilometer des Scenic Trails sind abfallen oder flach und werden ab und zu mit einer kurzen Gegensteigung aufgelockert. Der Abschnitt zum letzten Posten zieht sich ein bisschen. Endlich taucht die Alpe di Bolla auf und ich kann noch einmal Wasser nachfüllen. Es ist jetzt ziemlich heiss geworden. Oberhalb der 1000 Meter Marke war es stets luftig und angenehm kühl, was sicher zum Teil auch der Bewaldung geschuldet ist. Jetzt sind wir dem Talboden aber schon näher und es ist heiss. Beim Verlassen des Postens rufen wir die Helfer zu, dass ich auf Platz 19 oder 20 liege. Ich gebe Gas – top 20 will ich auf jeden Fall sicher nach Hause bringen. Der Trail fällt weiter in typischer Tessiner Manier Richtung Tal ab. Es gibt nur zwei Möglichkeiten diese Art Trails zu laufen: schnell oder langsam. Ich fühle mich gut und entscheide mich für schnell. Ich weiss, dass die nächsten Läufer etwa 3-4 Minuten vor mir sind, darum muss ich ordentlich Gas geben um die auf den verbleibenden 8 Kilometern noch abzufangen. Es geht dementsprechend zügig durch den Wald. Die letzten 4 Kilometer führen durch die Weinberge von Sonvico und es werden vor dem Ziel in Tesserete zwei letzte Tobel durchquert, deren Gegenanstieg jeweils noch einmal etwas Laktat fordern. Ich kann insgesamt 4 Läufer überholen und schlage nach 7h17min als 16. an.

Marco Gazzola kurz vor dem Ziel in Tesserete

Marco Gazzola kurz vor dem Ziel in Tesserete

Organisation und Fazit

Im Ziel angekommen will ich erst einmal nur trinken. Leider sind die Getränke im Zielbereich in der Sonne gelagert worden und dementsprechend heiss. Nicht gut. Erst später finde ich heraus, dass man als Läufer ebenfalls kostenfrei kalte Getränke am Bierstand beziehen kann – wunderbar. Ich gönne mir eine Dusche und suche den angepriesenen Massageraum. In einem Nebengebäude stosse ich auf zahlreiche Massagebetten und noch mehr Masseuere. Ich staune nicht schlecht und lege mich hin. Der Masseur nimmt sich 40 Minuten Zeit meine Beine durchzukneten. Super.

Der Capriasca Scenic Trail hat mich sehr überrascht und ich kann den 50km Trail nur empfehlen. Die Organisation ist unaufgeregt familiär – alles was man braucht ist da. Der Trail an sich ist schön geführt und es gibt betreffend der Strecke keinerlei Kritikpunkte. Für Tessinverliebte gibt es sogar die Möglichkeit, mit dem Ticino Trail einen Doppelstart zu organisieren. Eine schöne Überraschung erlebt man auch 14 Tage nach dem Event, wo (leider etwas spät) die Fotos von 15 (!) Fotografen kostenlos (!) zur Verfügung gestellt werden. Ottimo.

Gut zu wissen:
– Anfahrt: Problemlos mit Zug und Bus möglich
– Übernachtung: Massenlager in der Zivilschutzanlage oder Hotel
– Informationen zur Strecke: Karten, Höhenprofil und .gpx

Podium Männer:
1. Marco Gazzola 5h 48min
2. Roberto Delorenzi: 5h 50min
3. Riccardo Feverio: 5h 54min

Podium Frauen:
1. Arianna Regis 7h 15min
2. Ylenia Polti 7h 38min
3. Helle Skejo 7h 44min

Autor: Alex Brennwald
Bilder: Copyright Performance Medias www.performancemedias.ch

Werbung
Follow us on Facebookschliessen
oeffnen