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Der Trail du Petit Ballon ist ein Frühjahres-Klassiker und sollte in jeder Ultra Trail Agenda fett vermerkt sein. Mitte März machen sich jeweils knapp über 2000 Trailer auf um auf der Ultra Distanz über 50km und 2100hm D+ oder auf der 25km Strecke mit 900hm D+ die Weinberge der Vogesen zu erkunden und den Petit Ballon zu erklimmen. Nach dem garstigen Wetter im 2013 wurden dieses Jahr die Läufer mit einem strahlenden Sonnentag beglückt. Natürlich war auch Swiss Ultra Trail am Renngeschehen beteiligt.

50km Trail durch die Vogesen

50km Trail durch die Vogesen

Organisation und Strecke

Der Trail du Petit Ballon führt, wie der Name schon sagt, auf den 1272m hohen Petit Ballon. Start und Ziel ist das malerische Elsässer Städtchen Rouffach, in dem gefühlt mehr Störche nisten als es Einwohner gibt. Unter Storchengeklapper findet dann auch die Startnummern- und Goodiebagausgabe statt. Neben einer Flasche Elsässer Crémant erhält jeder Finisher eine Funktionsweste oder ein T-Shirt (für Finisher der kurzen Distanz). Die Pastaparty soll anscheinend auch empfehlenswert sein – leider habe ich es trotz 3 Jahren Petit Ballon Erfahrung nie dahin geschafft. Ich bin zusammen mit Adrian Brennwald (→Interview) angereist. Swiss Ultra Trail war aber ebenfalls noch mit Karin, Patrik (→Rennbericht Diagonale des Fous), François, Kurt, Fred und Dmitry vertreten (vielleicht waren noch andere da, die ich aber persönlich leider nicht kannte).

2100 Höhenmeter in der Frühlingssonne

2100 Höhenmeter in der Frühlingssonne

Die Franzosen würden die Strecke als einen „parcours très roulant“ bezeichnen. Will heissen, dass Adrian etwa 99.5% durchgelaufen ist und ich etwa 85%. Insgesamt wird 40% auf Forstwegen und 60% auf Singletrails gelaufen. Technisch anspruchsvoll ist es nirgends, lediglich Geröll und grosse Steine bedürfen teilweise erhöhter Aufmerksamkeit. Alles in allem darf sich der Trail du Petit Ballon einen „echten“ Ultra Trail nennen und die Finisher werden mit einem UTMB Punkt belohnt.

Anreise: Rouffach ist von der Schweiz und Süd-Deutschland schnell und einfach zu erreichen. Wir sind dieses Jahr am Morgen früh angereist. Ich habe in anderen Jahren aber auch schon vor Ort übernachtet. Um ein günstiges Hotel zu ergattern sollte man sich früh bemühen. Ohne Auto geht im Elsass leider nichts.

Rouffach – Schauenberg – Osenbach

Nach ein paar Schlenkern geht es nach dem Start in stetigem Auf- und Ab durch die Rebberge. Die ersten 5 Kilometer sind noch durch Einordnungsmanöver im Feld geprägt. Ich werde von Kurt eingeholt und freue mich ihn zu sehen. Normalerweise ist es ein schlechtes Zeichen, wenn man Kurt sieht, denn meistens sieht man ihn nur einmal (und dann langsam gegen vorne entschwinden). Wir quatschen ein bisschen und stellen fest, dass wir beide wegen Verletzungen eher konservativ gestartet sind.

Auf den ersten Kilometern ist das Feld noch dicht

Auf den ersten Kilometern ist das Feld noch dicht

Kurt folgend steigen wir nach dem ersten Verpflegungsposten in den Singletrail Richtung Schauenberg ein. Das Wetter ist perfekt und der Trail flowt super. Kurt überholt immer mal wieder – ein schöner Nebeneffekt des konservativen Starts. Ich folge ihm. Nach bei Kilometer 10 wird der Trail breiter und die langsam ausdünnende Läuferschar erklimmt den zweiten Hügel um anschliessend auf einem wunderbaren Singletrail nach Osenbach hinunter zustechen. Bei Km 15 gibt es wieder einen Verpflegungsposten.

Boenlesgrab und Petit Ballon

Nach ein paar Kurven durch Osenbach gilt es Höhenmeter zu sammeln. Durch den Eichenwald schlängelt sich der Pfad langsam hoch. Der Trail ist mittelmässig steil – ich laufe meistens und gehe nur an den steilsten Stücken. Immer wieder kann ich Grüppchen von anderen Läufern überholen. Auch Kurt kommt wieder ins Sichtfeld, ich hatte ihn vorher ziehen lassen müssen. Als ich aufschliessen kann berichtet er mir kurz, dass sein Schienbein Probleme macht. Schade. Bei mir geht es soweit so gut. Ich hatte im Vorfeld eine entzündete Achillessehne und es war mir klar, dass der Abschnitt bis auf den Petit Ballon hoch darum der schwierigste sein wird. Die Höhenmeter fühlen sich in meiner Sehne nicht gut an, aber auch nicht so schlecht um abzubrechen. Bei Boenlesgrab wird die Strecke flacher und nach 500m Waldweg erreicht man den Verpflegungsposten, welchen man auf dem Weg vom Petit Ballon runter noch einmal passieren wird. Der VP markiert auch die erste Hälfte der Strecke. Ich laufe durch. Von hier geht es noch einmal 100 Höhenmeter steil und dann weitere 300 Höhenmeter mit mittelmässigem Gefälle nach oben. Laufen und gehen wechseln sich ab. Ich überhole weniger und versuche die Achillessehne zu schonen, denn nach dem Gipfel geht es nur noch 20km hinunter ins Ziel. Die letzten 100 Höhenmeter des Petit Ballon sind kahl und der Wind bläst ganz ordentlich. Man kommt trotzdem gut ohne Jacke aus. Auf dem Gipfelplateau wird noch kurz in die Linse des Fotografen gelächelt und dann geht es an der Madonna vorbei auf der anderen Seite auch schon wieder hinunter.

Adrian im Gipfelanstieg

Adrian im Gipfelanstieg

Die ersten 100 Höhenmeter geht es auf einem vom Vieh zertretenen und ausgewaschenen Trail zu Tale, dann weiter auf einer doch recht ruppigen Schotterstrasse. Auf etwa einem Kilometer läuft man hier auf der Schattenseite des Petit Ballon noch auf Schnee und Eis (im Gegensatz zum letzten Jahr, wo die ganze Strecke in diesem Zustand war). Auf dem Weg runter passiert man das zweite Mal den VP Boenlesgrab und kann sich alle entgegenkommenden Läufer anschauen. Dies ist der einzige Posten an welchem ich kurz anhalte und meine Flasche fülle. 32km sind durch

Boenlesgrab – Firstplan – Osenbach – Rouffach

Nach dem Verpflegungsposten geht es auf der Naturstrasse zurück an allen entgegenkommenden Läufern vorbei (ich kenne niemanden) in den Singletrail Richtung Firstplan. Auf den nächsten 10km wird abwechselnd auf Singletrails und Naturstrasse Höhe abgebaut. Ich laufe rund und fühle mich gut. Abwärts passt meiner Achillessehne wesentlich besser als hoch. Es zahlt sich aus, dass ich konservativ gestartet bin und kann nun immer wieder Läufer überholen. Ein paar andere Läufer haben wohl die gleiche Taktik gewählt und so überhole ich verschieden Läufer 3-4 Mal (und werde jeweils wieder eingefangen). Auch François stellt sich als harter Gegner heraus – leider habe ich ihn aber erst auf den Fotos erkannt. Mir ist es recht, dass es ein bisschen Bewegung gibt und dass auch andere auf’s Tempo drücken.

5km vor dem Ziel auf einer der wenigen Asphaltpassagen

5km vor dem Ziel auf einer der wenigen Asphaltpassagen

Nach Osenbach sind in einem Gegenanstieg noch einmal etwa 100 Höhenmeter zu bewältigen um dann über den Oelberg die Rebberge steil hinunter zu stechen und in Rouffach die Ziellinie zu überqueren. Meine Uhr bleibt nach 50km und 2100Hm D+ bei 4 Stunden und 55 Minuten stehen. Adrian war doch deutlich schneller und holt sich mit einer Zeit von 3h50min den 3. Platz. Bei mir hat es immerhin für den 58. Platz gereicht. Insgesamt kamen 897 Läufer ins Ziel.

Verpflegung: Die Verpflegungsposten sind nicht sehr weit auseinander. Alle 7.5km gibt es entweder Getränke oder sogar feste Verpflegung. Ich habe aber nur 2mal einen Wasserbecher  genommen und einmal die Flasche gefüllt, was mir ein bisschen Zeit eingespart hat. Energie: 2mal Sponsor Long Energie Drink (120g) sowie 3mal Sponser Long Energy Gel (80g) sowie 1l Wasser aus der Trinkblase.

Fazit

Nach meinem 3. Mal Trail du Petit Ballon habe ich fast alle Wetterlagen erlebt – Schnee, Regen, Schneeregen und nun auch Sonnenschein. So unterschiedlich die Bedingungen waren, so einheitlich ist das Fazit: der Petit Ballon ist und bleibt der Frühjahresklassiker schlechthin. Die Strecke ist sehr trailig, abwechslungsreich und die Organisation gut. Ab EUR 26.– ist man auf der Ultra Strecke mit dabei – top. Garderoben sind typisch französisch, sprich sehr klein. Ein Grund mehr schneller zu laufen und sich so warmes Wasser zu sichern.

Adrian wird Dritter Overall und Sieger der Hauptkategorie

Grosse Freude am Kleinen Belchen – Adrian wird 3. Overall und 1. Hauptkategorie

Adrian konnte sich über einen starken (aber auch knappen dritten Platz) freuen. Und ich bin happy, dass meine Achillessehne und meine Hüfte gehalten haben. Wir werden wieder kommen – hoffentlich bei Sonnenschein.

Rangliste Overall:
1. BAALA SAMIR 03:49:38
2. BERNER MIRCO 03:50:18
3. BRENNWALD ADRIAN 03:50:46
4. THIERY BENOIT 04:01:56
5. MOTSCH MATHIEU 04:02:30

Autor: Alex Brennwald
Photos: Nicolas Fried / Alsace en Courant

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