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Ueli Steck ist einer der erfolgreichsten Bergsteiger unserer Zeit. Mit seinem leichten und schnellen Alpinstil hat der 37 jährige Ringgenberger zahlreiche Glanzpunkte gesetzt: Eigernordwand solo in 2h47min, verschiedenste Höhenbergsteig-Projekte im Alpinstil (keine Bohrhacken, keine Fixseile, kein Sauerstoff) im Himalaya sowie der letzte Exploit in der Annapurna Südwand (8091m) solo in 28h. Wir freuen uns, dass Ueli mit der Swiss Ultra Trail Community über Alpinismus und Trailrunning gesprochen hat.

Kraftvoll, Leicht und schnell

Kraftvoll, leicht und schnell – das sind die Charakteristika von Uelis Alpin-Stil

Q: Ueli, Du als alpiner Kletterer vertraust bei Deinen Expeditionen auf Ausdauer, Kraft und Technik. Wie bereitest Du Dich vor? Wie sieht Dein Trainingsaltag aus?

Ueli: Es kommt ganz auf die Projekte an. In den letzten Jahren habe ich stark an meiner Ausdauer gearbeitet. Mein Fokus war auf den Himalaya gelegt. Dabei habe ich das Klettern sehr stark zurück gestellt. Dieses Jahr werde ich mich eher wieder aufs Klettern konzentrieren. Im Schnitt habe ich zwischen 8 und 10 Einheiten pro Woche trainiert. Meistens 3 Einheiten Kraft/Klettern. Die übrigen 5-7 Einheiten Laufen. Dabei habe ich wie in jedem normalen Trainingsplan mit Zyklen gearbeitet. Von Grundlage bis Intervall Training ist alles berücksichtig. Die letzten zwei Winter habe ich auch einen Kraftblock gemacht (Fokus auf Beine). Das hat mich einen grossen Schritt weiter gebracht.

Q: Die Grenzen zwischen Trail Running und Alpinismus verwischen immer stärker. Kilian Jornets Summit of my Life Projekt wie aber auch Deine Erfolge am Matterhorn, Eigernordwand sowie Annapurna sind getrieben von Geschwindigkeit und technischem Anspruch. Wie siehst Du diese Entwicklung?

Ueli: Dass die Grenzen verwischen, ist ganz klar! Ich glaube, dass Trailrunning und Skialpinismus für viele etwas die Augen geöffnet haben. Langsam wird Bergsteigen auch als Sport betrieben und nicht mehr nur als Abenteuer. Ich denke, in Zukunft wird es richtig abgehen im Alpinismus. Was ich am Matterhorn, Grand Jorasses, Eiger oder im Himalaya gemacht habe, wird in ein paar Jahren ganz normal sein!

Q: Reinhold Messner äussert sich oft kritisch über die „Nutzung“ der alpinen Bergwelt als „Als-Ob-Gefahrenräume“ und „Tourismusattraktion“. Wie passt Trail Running für Dich in die Welt des „ehrlichen“ Alpinismus?

Ueli: Trailrunning ist für mich mehr ein Wettkampfsport. Bergsteigen ist im Gegensatz kein Wettkampfsport und einzelne Leistungen können auch nie mit anderen verglichen werden. Wer sich ehrlich mit anderen Athleten messen will, muss an Wettkämpfen teilnehmen. Den besten Bergsteiger gibt es nicht, aber der Gewinner des UTMB steht jedes Jahr fest.

"Wenn Du nicht hinaufkommst, bist Du selber schuld"

„Wenn Du nicht hinaufkommst, bist Du selber schuld“

Q: Messner beschreibt ebenfalls wie Sportkletterer aus der Halle in den Alpinismus vordringen. Ausdauer-Athleten wie Kilian Jornet bringen ebenfalls eine enorme physische Stärke an den Berg. Wird rohe Kraft die technischen Fähigkeiten des Athleten bei Rekordversuchen ablösen?

Ueli: Die physische Stärke von Kilian ist enorm. Für technische Routen braucht es zusätzlich noch klettertechnische Fähigkeiten. Daher wird Kraft im Zusammenspiel mit Technik sicher auch entscheidend sein. Aber ich denke, dass Kilian für technisch weniger anspruchsvolle Routen die perfekten Voraussetzungen hat. Wenn Kilian es technisch umsetzen kann, könnte er die Eigernordwand in unter 2 Stunden klettern!

Training auf den Trails um Grindelwald

Training auf den Trails um Grindelwald

Q: Ist Trail Running für Dich bloss ein Mittel um Deine Fitness zu erhalten? Du hast im letzten Sommer am Eiger Ultra Trail (E51) mitgemacht. Wird man Dich in Zukunft auch öfters bei Trail Wettkämpfen sehen?

Ueli: Grundsätzlich ist Trailrunning für mich Training. Aber es macht mir sehr viel Spass. Ich möchte eigentlich mehr Trails laufen. Nur kann man leider nicht alles tun. Ich lebe vom Bergsteigen. Als Läufer bin ich zu langsam.

Ich suche immer wieder eine neue Herausforderung. Trailrunning ist für mich eine schöne Challenge ohne dass ich dabei mein Leben riskieren muss. Der Eiger Ultra Trail E101 steht weit oben auf meiner Liste, aber nur wenn ich fit bin. Und einmal den UTMB zu laufen ist ein ganz grosser Traum für mich!

Q: Aus Deiner Perspektive des erfahrenen Alpinisten – was würdest Du den Trail Runnern mit auf den Weg geben?

Ueli: Ich finde die Idee von light and fast zukunftsweisend. Mit Laufschuhen auf das Matterhorn zu steigen finde ich sehr elegant! Trotzdem müssen wir aufpassen – Bergsteigen ist gefährlich. Ich glaube, die Selbstverantwortung sollte dabei im Vordergrund stehen und man muss sich jedes Mal gut überlegen, was man macht. Aber sonst – lauft weiter und habt Spass daran!

Ueli Steck am Eiger Ultra Trail E51

Ueli Steck am Eiger Ultra Trail E51

Vielen Dank, Ueli, für das Interview. Wir wünschen Dir für die Zukunft viel Erfolg und freuen uns, Dich vermehrt auf den Trails zu sehen.

Interview: Alex Brennwald
Photos: www.uelisteck.ch sowie Scarpa

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