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Jens Vieler organisiert jedes zweite Jahr die TorTour de Ruhr (TTdR). Ein Einladungsrennen über 230km – nonstop versteht sich. Als erfahrener Ultra-Läufer und Finisher am Badwater, Sparthathlon, Marathon des Sables, TTdR und vielen weiteren (z.B. 29 Marathon oder Ultras in den letzten 365 Tagen) ist Jens ein gern gesehener Lauffreund bei Events rund um den Globus. Mehr Infos in Jens Blog.

Q: Du bist der Race Director der TorTour de Ruhr. Warum hast Du einen Event über 230km ins Leben gerufen?

Jens: TorTour de Ruhr – EIner der längsten Nonstop Ultramarathon Deutschlands. Von der Quelle der Ruhr bei Winterberg bis zur Mündung in den Rhein bei Duisburg. Einmal über seine gesamte Länge den Fluss erleben, der eine ganze Region bis heute prägt. Seit dem Frühjahr 2006 folgt der RuhrtalRadweg auf kompletter Strecke der Ruhr. Er ist durchgehend beschildert und verbindet Winterberg im Sauerland mit den Ruhrmetropolen Bochum, Essen, Mühlheim, Oberhausen und Duisburg. Ideale Bedingungen für die Umsetzung eines laufverrückten Abenteuers. Als der Radweg gebaut worden war hab ich gedacht „230km verkehrsberuhigt? Die muss ich laufen!“ schliesslich war ich in der Vorbereitung auf einen 6-Tage-Bahnlauf und brauchte noch ein paar Kilometer in den Beinen. Im Frühjahr 2007, also zum Geburtstag des RuhrtalRadweges, fand ein Ultralauf entlang der gesamten Ruhr statt. Das Besondere: 230 Kilometer – Nonstop – am Stück. Damit war das Projekt TTdR geboren.

TTdR 2

Q: Die TorTour de Ruhr ist ein Einladungsrennen. Was hat es damit auf sich? Wer läuft typischerweise ein solches Rennen?

Jens: Einladungsrennen… am Anfang dachte ich mir, dass wenn ich mit Freunden und Familie schon so einen Aufwand betreibe, ohne Kohle daran verdienen zu wollen, dann sollen wenigstens nur Freunde und nette Leute dabei sein. Später hat sich das durch Mundpropaganda verselbstständigt und Einladung hat neben dem Nasenfaktor mehr und mehr etwas mit können zu tun. Ich meine, da melden sich Leute die sagen „Hey, ich bin total crazy weil ich schon 2 Marathon gelaufen bin und jetzt will ich zur TTdR 230km laufen (die 5 1/2-fache Strecke!). Die tun sich doch nur weh und uns keinen Gefallen damit; definitiv keine Einladung. Auch wenn jemand ankommt und sagt er sei schon Biel gelaufen…Ist ja schonmal Super. Trotzdem rate ich denen mind. 1-2 weitere Läufe jenseits der 150-160km oder 24-Stundenläufe an. Du musst unbedingt wissen, wie sich die Beine – noch mehr der Kopf (!) – nach 24h, nach 30h, nach einer durchgelaufenen Nacht anfühlen, denn die TorTour ist zeitlich gesehen eben 3x (!) so lang wie ein Hunderter. Wir haben da etwas Erfahrung gesammelt in den letzten Jahren

Jens tested die Tauglichkeit des TTdR T-Shirts im Death Valley

Jens tested die Tauglichkeit des TTdR T-Shirts im Death Valley

Q: Wie hat sich das Rennen seit der ersten Austragung im 2008 entwickelt? Was wird bei der 2014er Ausgabe neu sein?

Jens: Die Anzahl der Bekloppten die alle zwei Jahre einen der begehrten Startplätze erhalten hat sich von 30 auf ca. 150 über alle drei Events erhöht. Mittlerweile bieten wir ja die Original Ultradistanz mit 230km, 160km Ruhr Hundred Distanz (100 Meilen) und den100km Bambini-Lauf an. In 2014 wird es wie in den Jahren davor nix Neues geben, weil alles gut ist. Jeder Läufer bringt seine eigene Crew mit. Wir machen das Rahmenprogramm. Es bleibt beim Nonprofit-Gedanken. Von Läufern – mit Läufern für – Läufer. Kein „chichi“!

Q: Du bist selber ein begeisterter Läufer. Welches sind Deine Lieblingsrennen? Welches sind die grössten Erfolge und schönsten Momente?

Jens: Meine Lieblingsrennen? Badwater – Spartathlon – TTdR – gut durchmischen und in beliebiger Reihenfolge wieder ausschütten. Ich liebe die Wüste. Bei 50°C durchs Tal des Todes laufen ist ein ganz spezieller Ritt. Der Spartathlon hat etwas Martialisches und Tempo. Die TTdR ist mein Baby und definitiv auch kein Kindergeburtstag.

Q: Du kennst die Ultra Szene nun schon seit langer Zeit. Was hat sich verändert? Was möchtest Du der Szene für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Jens: Trail hat deutlich zugelegt. TDG, UTMB, Eiger101… Der K78 war der Szene irgendwann nicht mehr genug, allerdings finde ich lange Strasserennen jenseites der 100 Meilen nachwievor spannend. Wenn’s draussen mal nichts zu gucken gibt, schau ich mich halt von innen an.

Was ich der Szene mitgeben will? Weniger trainieren, mehr laufen!

Badwater 2011

Badwater 2011

Q: Was ist Deine Lieblings-Trainingseinheit?

Jens: Ich laufe jeden Tag. Ich trainiere nicht mehr; es ist mein Leben – im Augenblick. Am liebsten ‚lebe‘ ich in den Bergen. Wenn ich mich unbedingt mal ernsthaft auf etwas Längeres vorbereite, dann laufe ich die Bambinistrecke (100km) der TTdR. Von Hagen nach Duisburg oder umgekehrt. Ich hab da 1-2 Leute an der Hand, die ähnlich ticken. Markus, der Sieger der 2010er TTdR zum Beispiel. Einen Morgen hat uns seine Frau um 05:00 Uhr mal wieder am Rheinorange in Duisburg ausgesetzt, damit wir den ganzen Samstag zurück nach Hagen laufen konnten. Da hat er mich mal gefragt: „Sag mal Jens, wann war eigentlich der Zeitpunkt, als wir die Kontrolle darüber verloren haben uns Gedanken über 100km-Trainingsläufe zu machen?“.

Vielen Dank für das Interview Jens. Für die nächsten Rennen, das Training und die TTdR Vorbereitungen wünschen wird Dir viel Erfolg. See you on the trails…

Interview: Alex Brennwald

Photo Credits:
Jens Vieler
www.TorTourdeRuhr.de

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