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Über die minimalistischen Trail Runner, insbesondere deren Ausrüstung (oder das Nicht-Existieren dieser) wurde hier bereits hinlänglich gesprochen. Neben den nackten Oberkörpern hat die minimalistische Tendenz aber auch eine andere Revolution losgetreten: kein Trail-Runner soll mehr über den Anderen stehen. Niemand soll auch nur 1 Millimeter über dem Boden schweben.

Die perfekte egalitäre Gesellschaft ist zwar damit immer noch nicht in greifbare Nähe gerückt, zumindest soll aber keine Ferse mehr höher stehen als die zum selben Fuss gehörende grosse Zehe. Verständlicherweise hat die Politik diesen Aufschrei nicht beachtet, jedoch aber die Laufschuhindustrie. Der Fuss und die Wade als das optimale Dämpfungssystem. Von der Natur perfekt entworfen – und von der Laufschuhindustrie jetzt endlich geadelt. Mehr als eine schützende Sohle bedarf es nicht, so die Werbeslogans. Von Nike Free über Vibram FiveFingers bis hin zu den neusten Laufschuhmodellen der Herbst/Winter Kollektion, überall steht minimalistisches Schuhwerk im Vordergrund.

Die Natural-Running Evolution?

Die Natural-Running (R-)evolution?

Okay, die ganz extremen Modelle finden lediglich einen Nischenmarkt. Gemäss Running Times finden insbesondere die minimalistisch angehauchten Trainingsschuhe mit einem Drop (Überhöhung von Ferse zum Fussballen) von 4-6mm grossen Anklang. Die Logik ist bestechend einfach: je kleiner der Keil unter dem Fuss, desto mehr verlagert sich der Laufstil auf den Vorfuss. Und mit dem Vor- respektive Mittelfuss-Laufstil kann die ausgeklügelte biomechanische Dämpfung des Beines voll ausgereizt werden. McDougall hat mit seinem Buch „Born to Run“ diesen Wirkungszusammenhang ausschweifend romantisiert beschrieben.

Vorfuss vs Ferse - Arnulfo Quimare und Scott Jurek

Vorfuss vs Ferse – Arnulfo Quimare und Scott Jurek

Barfusslaufen hat zwar durchaus seine Reize (ideologisch wie auch körperlich), ist aber kein massentauglicher Ansatz. Zu lange dauert die Angewöhnungsphase und zu gross sind die landläufigen Bedenken. Ob zu Unrecht kann ich hier nicht urteilen. Es scheint Barfuss einiges Möglich zu sein: Am diesjährigen Zugspitz Extremberglauf haben vier Bafussläufer trotz Schnee und Eis gefinished und am Eiger Ultra Trail habe ich nach 40 Kilometer Renndistanz einen Läufer in Sandalen überholt. Es scheint zu gehen. Meine Erfahrung mit Low Drop Schuhen (Salomon Sense Mantra) sind gemischt. Zwar fühlt sich der Schuh heute gut an, die ersten 200 Kilometer waren auch für mich als gewohnter Vor-/Mittelfussläufer hart. Offensichtlich braucht es eine Zeit, bis sich die Muskulatur angepasst hat, was ja eigentlich auch der Sinn der Sache ist.

Und was ist die Konsequenz der Low-Drop Revolution? Die Gesellschaft ist zwar immer noch nicht weniger überhöht als zuvor, sie steht (resp. läuft) dafür immer mehr auf den Zehenspitzen oder zumindest auf dem Vorfuss. Cui bono? Vielleicht der Läufer, wenn er die Belastungsveränderung wegzustecken vermag und durch den neuen Trainingsreiz gestärkt wird. Oder die Orthopäden und Sportärzte, welche die gereizten Sehnen gesundpflegen. Ganz sicher aber die Laufschuhindustrie, denn sie hat jetzt eine weitere Marketing-Wunderwaffe. In dem Sinne – Viva la Revolution…

Autor: Alex Brennwald

Photo Credits: Chris McDougall www.chrismcdougall.com

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