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Marc Lauenstein ist kein unbeschriebenes Blatt. Neben Podest-Platzierungen bei OL Weltcup und Weltmeisterschaftsrennen hat sympathische Neuenburger Zahnarzt auch bei Bergläufen einiges auf dem Kerbholz: Weltmeister im Langdistanzberglauf im 2009, Zweiter am Jungfrau Marathon 2010 und dieses Jahr Sieger beim Sierre-Zinal. Es ist uns eine Ehre mit dem Mann zu sprechen, der Kilian Jornet, Jonathan Wyatt, Sage Canaday und viele andere stehen lässt.

Q: Du hast bereits als OL Läufer viele Erfolge feiern können. Ein starkes Ergebnis am Jungfrau Marathon und jetzt die Krönung mit dem Sieg beim Sierre-Zinal. Kannst Du uns kurz Deinen Weg beschreiben?

Marc: Ich habe als Jugendlicher Orientierungslauf, Ski-OL und Langlaufwettkämpfe bestritten. Mehr und mehr habe ich mich auf OL konzentriert. 2003 konnte ich an meiner ersten Weltmeisterschaft starten. 2005 und 2006 habe ich die Silbermedaille auf der Langdistanz und 2011 den Weltcupfinallauf gewinnen können.

Die Langstrecke im OL lagen mir schon immer. Deshalb ist es nur halb überraschend, dass ich bei meinen Seitensprüngen an Langdistanz Bergläufen relativ gute Resultate erzielen konnte. 2006 konnte ich den Napf Marathon gewinnen und 2009 gelang mir der grosse Coup, als ich die Langdistanzberglauf WM für mich entscheiden konnte, vor Jonathan Wyatt, der bis dahin fast ungeschlagen geblieben war. 2010 wurde ich Zweiter am Jungfrau Marathon.

MARC LAUENSTEINMit der OL WM letztes Jahr in Lausanne habe ich mich vom OL Spitzensport verabschiedet. Es war Zeit das Kapitel zu wechseln. Mein Herz bleibt beim OL, doch ich war froh an Freiheit zu gewinnen. Somit konnte ich mehr schöne Bergläufe bestreiten die ich schon lange machen wollte.

Q: Du hast Sierre-Zinal nicht von der Spitze weg angeführt. Wie hat sich das Rennen entwickelt?

Marc: Als ich die Startliste sah, dachte ich nicht an einer Top Platzierung (Startliste: Kilian Jornet, Carlos Cardona, Rickey Gates, Robert Krupicka, Sage Canaday uvm). Deshalb bin ich das Rennen gestartet mit Fokus auf mein „Gspüri“ für das richtige Tempo. Vorne sind wohl viele sehr starke Läufer zu schnell gestartet und sind dann eingegangen. Einem nach dem anderen konnte ich in der 2. Rennhälfte einholen… bis ich ein paar 100m vor Ziel schliesslich an die Spitze herangekommen war. Es war ein verrücktes Rennen.

marc_lauenstein Sierre ZinalQ: Was hat sich in Deinem Leben seit dem Sierre-Zinal Sieg verändert?

Marc: Ich bin mit dem Wettkampf Sierre-Zinal aufgewachsen. In der Romandie ist das ein Mythos. Diesen zu gewinnen hat mich enorm gerührt und die Reaktion von vielen war auch überwältigend.

Q: Du fühlst Dich offensichtlich nicht nur im Wald sondern auch in den Bergen auf längeren Distanzen wohl. Wird man Dich bald bei den grossen Ultra Trails antreffen?

Marc: Das weiss ich noch nicht. Ich habe etwas Angst vor der langen Erholungsphase nach den Ultra Trails. Aber eigentlich sollte ich es ja mal probieren um zu sehen wie es sich anfühlt.

Ich finde allerdings die Tendenz schade, dass man immer längere und extremere Wettkämpfe machen möchte. Wie überall sollte der Reiz an einem Wettkampf sollte nicht in der Quantität sondern in der Qualität liegen.

Q: Welche Umfänge/Höhenmeter trainierst Du pro Woche? Welches ist Deine liebste Trainingseinheit?

Marc: Seit meinem Rücktritt vom Spitzensport im OL trainiere ich mehr regelmässig. Ab und zu mehr und oft auch weniger, je nach Lust, Laune und vor allem auch Zeit. Das passt mir eigentlich gut keinen strickten Trainingsplan zu haben. Grob mache ich zwischen 7 und 14 Stunden Training por Woche. Im Jahr sind es dann zwischen 450 und 500 Trainingsstunden.

Mein Lieblingstraining sind harte Intervalle bei denen ich merke, dass ich in Form bin.

Q: Was macht einen guten Läufer aus?

Marc: Langfristig wahrscheinlich ein gutes Körpergefühl. Das kann einem Niemand beibringen, auch kein Coach. Diese Sensibilität muss jeder durch Try and Error selber entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch. In der Zwischenzeit hat Marc den Vierten Platz beim Matterhorn Ultraks erreichen können. Marc wird von Mizuno ausgerüstet, ist ansonsten aber ohne Sponsor unterwegs.

Interview: Alex Brennwald

Photo Credits:
www.arcinfo.ch / Emile Perin
www.meltyxtrem.fr / LLahyani

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