Vielen dürfte Scarpa von Wander-, Kletter- oder Skischuhen her bekannt sein. Doch die italienischen Alpinspezialisten aus Asolo haben seit einigen Jahren auch ein kleines Trailrunning-Sortiment im Angebot. Dieses Jahr stösst zu den Modellen Atom, Neutron und Proton der vielleicht interessanteste Schuh dazu: der Spin.

Der Spin ist knallig blau und reiht sich in die immer grösser werdende Trail-Wettkampf-Kategorie ein: Aufbau mit 5-Punkte-Schnürung und Innenschuh, 4mm-Sprengung, leicht, minimalistisch und auf unterschiedlichem Untergrund verwendbar. Das Tragegefühl ist ähnlich, doch am Fuss sitzt der Schuh etwas lockerer als der Salomon Sense und die Dämpfung ist nicht ganz so bretthart. Das klingt nach einer interessanten Alternative. Wir ziehen den Vergleich.

Der Spin ist tief gebaut und hat eine griffige Aussensohle

Von oben betrachtet wirkt der Spin fast wie ein Sneaker. Bis man ihn umdreht…

Passform, Obermaterial und Schnürung

Der Spin ist eher breit geschnitten und bietet sowohl in der Breite als auch im Volumen mehr Raum als zum Bespiel der Sense als Vergleichsschuh von Salomon. Der grosse Vorfussbereich und die weiten Abstände der Schnürung tragen dazu bei, dass der Schuh von oben fast wie ein Sneaker aussieht. Das Mesh des Obermaterials ist mit einer zweiten Lage überzogen und dadurch recht dick und weich. Es wirkt hochwertig, im Obermaterial liegt aber sicher noch etwas Gewichtsparpotential.

Die 5-Punkte-Schnürung ist recht gut, hat aber noch Verbesserungspotential

Die Zunge ist nur leicht gepolstert und umschliesst den Fuss mit einem Innenschuh. Die Schnürung setzt an fünf Punkten an und die Schnürbänder laufen sehr geschmeidig durch die Ösen. Eine punktuell unterschiedliche Schnürung ist dadurch zwar nicht möglich, dafür verteilt sich der Druck von alleine. Sehr gut gefällt die elastische Lasche oben an der Zunge, in der sich die Schnürbänder sauber verstauen lassen. Die Schnürung funktioniert recht gut und der Fuss rutscht im Downhill nicht nach vorne. Aber die letzte Konsequenz wird im Test vermisst – teilweise muss die Schnürung nachgezogen oder wieder etwas gelockert werden um die gute Passform aufrechtzuerhalten.

Schön gelöst: die Lasche zum Verstauen der Schnürbänder

Die leichte und flexible Fersenkappe ist breit geschnitten, bei schmalen Füssen dürfte dadurch der Fersenhalt etwas leiden. Vorne am Schuh ist ein minimaler Zehenschutz angebracht, was für einen Racer in Ordung ist. Das Kunststoff-Overlay ist ähnlich wie beim Sense angebracht, das Material ist jedoch etwas flexibler und schmiegt sich ohne Druckstellen der Fussanatomie an.

Das Overlay und die Fersenkappe sind angenehm flexibel

Dämpfung und Stabilität

Wie schon beim Obermaterial ist auch etwas mehr Sohle im Spin verbaut. Das EVA der Zwischensohle ist zudem etwas weicher als beim Sense, was zu einem angenehmen, aber doch reaktionsfreudigen Laufgefühl führt. Den Untergrund spürt man jederzeit, der Spin ist direkt und steht fest auf dem Trail. Er lässt dem Fuss viel Freiraum und ist in alle Richtungen flexibel.

Ein Hauch mehr Sohle als beim Sense

Grip und Aussensohle

Die Aussensohle haben die Italiener bei Vibram im 300 Kilometer entfernten Albizzate eingekauft. Zur Megagrip-Sohle muss man eigentlich nicht viel sagen, es gibt wohl derzeit kein anderes Produkt, das so gut hält. Wurzeln bei Nässe? Schmieriger Fels? Nomen est omen. Das Profil des Spin ist eine gelungene Mischung aus Soft- und Hardground, es funktioniert bei nahezu allen Bedingungen gut und stört auch auf gelegentlichen Strassenabschnitten nicht. Die verbaute Rockplate erledigt ihre Aufgabe, Durchstiche konnte ich nicht feststellen.

Diese Vibram Megagrip-Aussensohle ist auf vielen Terrains zu Hause

Fazit

Die Entwickler von Scarpa liessen sich wohl von Salomon etwas inspirieren. Doch der Spin ist viel mehr als eine gelungene Kopie – er ist ein pointierter Schuh für eine klare Zielgruppe. Scarpa ist das gelungen, was viele andere seit einiger Zeit versuchen: die Alltagsvariante eines direkten Wettkampfschuhs zu bauen. Salomon hat mit dem Senso Pro als Komfort-Variante des normalen Sense einen ähnlichen Weg beschritten. Im direkten Vergleich bietet der Spin etwas mehr Dämpfung, bleibt aber immer noch immens lauffreudig und sehr flexibel. Der Spin eignet sich für leichte bis mittelschwere Läufer mit eher breiten Füssen.

Grösse: der Schuh fällt klein aus. Salomon Sense / On / New Balance: US9.5, Scarpa Spin: US10.

Technische Daten

Gewicht: 260g für US10. Sprengung 4 Millimeter.

Positiv:

  • Flexibel und lauffreudig
  • Genialer Grip
  • Lasche für Schnürbänder

Negativ:

  • Schnürung könnte etwas besser greifen
  • Obermaterial ist recht dicht und schwer

Der Schuh wurde uns freundlicherweise von Kundalini zur Verfügung gestellt.

Fotos

 

Werbung