Der Ultra Tour des 4 Massifs Ut4M verbindet die 4 Gebirgszüge Vercors, Oisans, Belledonne und Chartreuse in einen Ultra Trail, der es in sich hat: 168km mit 11‘000hm D+. Die Trails sind hart und technisch. Unwegsames Terrain und stundenlange Anstiege respektive Downhills mit jeweils 300 Höhenmeter pro Kilometer fordern den Läuder so einiges ab. Neben der klassischen 168km Tour non-stop wird ebenfalls ein 100km Lauf, ein 4 x 42km Mehrtageslauf sowie die jeweiligen Eintagesetappen angeboten. Wir haben uns für die viertägige Ut4M Challenge entschieden.

Ut4M Challenge Rennbericht

Autoren: Nico Schefer und Alex Brennwald

Bereits am Montag haben wir (Nico Schefer und Alex Brennwald) uns zusammen mit unserem amerikanischen Freund Joel Meredith in Grenoble eingefunden und in einem kleinen Apartmenthotel Quartier bezogen. Am Mittwochmorgen wird es losgehen – wir haben also noch etwas Zeit die Gegend zu erkunden. Grenoble ist die Hauptstadt von Isère und Berggefühle kommen hier definitiv keine auf. Wenn man den Blick aber über die umliegenden Gebirgszüge schweifen lässt, dann kann man erahnen, was auf uns zukommen wird.

Im Rahmen des Ut4M werden folgende Rennen angeboten

  • Xtrem: 168km mit 11‘000hm D+
  • Tages-Etappe 1 Oisans (2. Abschnitt des Xtrem): 48km mit 375hm D+
  • Tages-Etappe 2 Belledonne (3. Abschnitt des Xtrem): 44km mit 2600hm D+
  • Tages-Etappe 3 Vercors (1. Abschnitt des Xtrem): 40km mit 2670hm D+
  • Tages-Etappe 4 Chartreuse (4. Abschnitt des Xtrem): 42km mit 2665hm D+
  • Challenge: Alle Tages-Etappen an 4 Tagen: 168km mit 11‘000hm D+ total
  • Master: 95km mit 500hm D+
  • Staffel
  • Vertical K

Die Organisation des Ut4M ist phänomenal. Alle Rennen sind sehr gut durchgeplant, die Streckenmarkierung wie auch die Verpflegungsposten sind top. Mit dem zusätzlich zu lösenden Busticket wird man zudem bequem vom Stadion Paul Mistral, dem Start-Ziel Gelände, zu den jeweiligen Etappenorten gefahren.

Tag 1 – Oisans (48km mit 3375hm D+)

Ut4M ist eine harte Nuss. Dass auf dem Trail so einiges auf uns zukommen wird, werden wir die Tage noch lernen. Dass man aber früh aufstehen muss, ist schon im Vorfeld klar – um 3:30 fahren nämlich die Busse am Mittwoch zum ersten Etappen Start. Um 2:45 klingelt der Wecker, wir machen uns bereit. Die volle Packung muss jeweils mitgeführt werden. Obwohl in Grenoble mit drückenden 33° Hochsommer herrscht, ist die Entscheidung, keine Pflichtmaterialerleichtung zu gewähren, absolut korrekt.

Swiss Ultra Trail

Team Swiss Ultra Trail good to go (Bild: Swiss Ultra Trail)

Am Start der Etappe in Vif wird das umfangreiche Pflichtmaterial geprüft, bevor wir uns einreihen können. Nach dem der Speaker das Team Swiss Ultra Trail begrüsst hat, geht es los. Wir setzen uns in Bewegung. Ziemlich schnell geht es auf die Trails und wir laufen die ersten 4 Kilometer durch coupiertes Gelände. Danach geht es steil nach oben, 1000 Höhenmeter auf 5 Kilometer steigen wir der Sonne entgegen. Auf dem ersten Plateau angekommen ist es dann auch genug hell, um die Stirnlampe zu verstauen. Wir sind nach wie vor auf bewaldeten Berghängen unterwegs und bewegen und aus den ersten VP beim Lac de Laffrey zu. Der VP bietet alles, was das Herz begehrt – von Früchten über Käse und Schinken bis zu Kuchen und Keksen ist für jeden was dabei.

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Am See entlang geht’s in Wellenbewegungen hoch Richtung La Morte. Die Sonne steht jetzt schon höher am Himmel und die Beine fühlen sich frisch an. Genüssliches Trailrunning durch Alpweiden bringt uns zum VP La Morte, wo wir auch bei der 25km die Halbzeitmarke überschreiten. Nach dem VP geht es steil nach oben und wird alpiner. Wir steigen weitere 1000 Höhenmeter auf in weniger als 5 Kilometer. Mit den Händen auf den Oberschenkeln erreichen wir Pas de la Vache – die Aussicht ist gigantisch.

UT4M

Einer von vielen kleinen Seen (Bild: Joel Meredith)

Auf technischen Trails geht es sehr steil talwärts. 800 Höhenmeter Downhill auf 3km kitzeln den Quadrizeps das erste Mal. Hier bekommen wir die erste Kostprobe von dem, für was der UT4M einsteht: Beinharte, technische Trails und brachiale Auf- und Abstiege. Wenn man die Aussicht geniessen will, muss man stehen bleiben, ansonsten riskiert man Kopf und Kragen. Hübschen Seen entlang erreichen wir Poursolet. Letzter Verpflegungsposten vor Schlussbouquets des Tages. Es geht noch einmal 500 Höhenmeter nach oben bevor wir zum letzten Downhill ansetzen. Ein Downhill, den wir nicht vergessen werden: über weniger als 5 Kilometer geht es brachiale 1500 Höhenmeter talwärts. Wir haben beides noch selten gesehenen: weder ein so langer Downhill an einem Stück noch ein solches Gefälle. Mit schlotternden Knien erreichen wir nach 48 Kilometer das erste Etappenziel Rioupéroux.

Nico ist schnell unterwegs und erreicht das Ziel als 8ter mit einer Zeit von 6:24. Joel und Alex laufen gemeinsam etwas gemächlicher und beenden die Etappe nach 8 Stunden.

Tag 2 – Belledonne (44km mit 2600hm D+)

Die Belldonne Etappe ist die Kür des Ut4M – landschaftlich wunderschön, extrem steil und technisch anspruchsvoll.

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Der Startort Riopéroux liegt in einer Schlucht, auf beiden Seiten schiessen die Berge in die Höhe. So folgt auf den steilen Abstieg vom Vortag ein Anstieg, der es in sich hat: Nach einer kurzen Runde um das Dorf sind die ersten 1000 Höhenmeter auf nur zwei Kilometer verteilt; die mit Holz verstärkten Serpentinen winden sich den Berg hoch.

UT4M Belledonne

Verwundene Trails durch anspruchsvolles Gelände (Bild: Joel Meredith)

Danach geht es etwas gemächlicher weiter nach oben zum Croix de Chamrousse (2253m), wo ein ausgiebiger VP wartet.  Wegen Knieproblemen muss Alex hier leider aussteigen. Der Weg von dort bis zum höchsten Punkt des Laufs, dem Grand Colon (2394m), führt an verschiedenen Bergseen vorbei und ist wohl der landschaftlich schönste Teil des Abenteuers.

UT4M Belledonne

Glasklare Bergseen fügen sich in die rauhe Landschaft der Belledonne (Bild: Joel Meredith)

Der finale Aufstieg zum Grand Colon geht über eine weglose Geröllhalde steil nach oben. Belohnt wird man mit einem wunderbaren Panoramablick und der Aussicht auf einen langen Downhill.

UT4M Belledonne

Roulant, wie die Franzosen sagen… (Bild: Joel Meredith)

Dieser führt über 20 Kilometer und 2000 Meter bergab, zuerst technisch, dann angenehm rollend und einige Kilometer auf der Strasse. Nach der regnerisch-kühlen Luft auf über 2000 Meter taucht man ab in die Hitze, das Thermometer klettert mit jedem  wettgemachten Höhenmeter in die Höhe, bald sind es wieder gut 30 Grad im Schatten. Unterbrochen wird der Downhill nur durch einen kurzen Gegensanstieg, sogleich geht es weiter nach unten. Die Hitze staut sich Tal bei Grenoble, der Kessel kocht und die Luft steht. Die letzten flachen Kilometer führen über die Isère und durch die Maisfelder von Saint-Naziere.

Tag 3 – Vercors (40km mit 2670hm D+)

Die Etappe am Freitag morgen startet mit den 100-Meilen Xtrem Läufern zusammen in Grenoble. Nico und Joel reihen sich im Feld ein, Alex muss seinem Knie einen Ruhetag gönnen. Nach ersten Asphalt-Kilometern der Haupt Verkehrsachse entlang führt der Weg konstant nach oben. Die noch frischen und teils übermotivierten Eintages- und Xtrem Läufer machen Tempo – viele bezahlen dafür schon vor Ende ihres ersten Viertels.

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Die Temperatur ist bereits am frühen Morgen hoch und die feuchtwarme Luft lässt den Schweiss fliessen. Bis zum ersten VP sind es gute 14 Kilometer und über 1000 Höhenmeter, man sollte also vom Start weg genug Wasser mitnehmen. Die Läufer passieren die verfallene Skischanze der Olympische Spiele 1968, die Stufen daneben sind teil der Strecke und bereits so stark verwittert, dass sie ohne Probleme als Trail durchgehen.

UT4M Vercors

Hoch über Grenoble geht es der Krete des Vercors entlang (Bild: Joel Meredith)

Am ersten Gipfel (Moucherotte, 1901m) angekommen, kann man eine schöne Aussicht über Grenoble geniessen, dann geht es ein mit groben Steinen übersäter Weg hinunter ins Skigebiet von Vercors.

UT4M Vercors

Schroffe Kreten prägen das Landschaftsbild (Bild: Joel Meredith)

Zum Pic Saint-Michel hoch wird es nochmals steil, dann führt ein mit Wurzeln durchwachsener Waldtrail nach unten. Ein letzter Hügel (+420hm) stellt sich noch in den Weg, danach kann man den Sprecher in Vif bereits hören und die steinige Forststrasse lässt sich zügig laufen, auch wenn sie kein landschaftlicher Höhepunkt ist.

Tag 4 – Chartreuse (42km mit 2665hm D+)

Um 7.00 geht es in St.Nazaire los. Wir starten wieder zu Dritt. Der Bus zum Start geht um 5.30, was wiederum den Wecker um 4.45 klingeln lässt. Neben den müden Beinen macht sich nun auch der Schlafmangel bemerkbar. Während wir in St.Nazaire auf den Start warten, ist das Wetter noch trocken. Neben den Xtrem Läufern, die tröpfchenweise den Verpflegungsposten anlaufen, stehen eine grosse Menge Eintagesläufer wie auch Staffelläufer mit uns am Start.

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Pünktlich geht es los und wir finden schnell ein gutes Tempo. Es geht erst ein paar Kilometer gemächlich über Weiden nach oben und wir können viele Eintagesläufer einsammeln, die hier bereits gehen. Im Wald angekommen wird das Geländer erneut steil. 1500 Höhenmeter auf 8km geht es nach oben. In diesem ersten Anstieg setzt der Regen ein und wird schnell stärker. Der kurze Downhill zur ersten Verpflegungsstelle ist bereits sehr rutschig. Wir stellen um auf Regenausrüstung und bewegen uns nach kurzem Verpflegungsstop weiter nach oben zum höchsten Punkt der Strecke.

Das Rennen entwickelt sich etwas unstet. Der Unterschied zwischen den Eintagesläufern mit frischen Beinen und den Etappenläufern ist einfach zu gross um einen guten gemeinsamen Rhythmus zu finden. Im letzten Aufstieg zum höchsten Punkt der Strecke herrscht Gegenverkehr. Der anhaltend starke Regen hat das Terrain sehr rutschig gemacht, was in Kombination mit den andauernden Ausweichmanövern den Aufstieg zu einer ziemlich spassbefreiten Angelegenheit werden lässt. Die letzten 200 Höhenmeter rauf zum höchsten Punkt der Etappe Chamechaude sind hart. Der starke Wind in Kombination mit dem Regen lässt uns schnell auskühlen. Wir versuchen schnell wieder abzusteigen – was auf dem matschigen, mit Fels durchzogenen Trail gar nicht so einfach ist. Joel wie auch Alex produzieren einige schöne Abflüge – nichts ernsthaftes zum Glück.

Die Abstiege Richtung Verpflegungsposten Le Sappey-en-Chartreuse sind wenig technisch. Hätte man die Beine, könnte man es hier krachen lassen. Joel kämpft aber mit einem geschwollenen Knöchel und Alex mit einem entzündeten Knie, welches sich trotz des Ruhetages mit aller Heftigkeit zurückmeldet. Einzig Nico kann hier weiter Gas geben. Aus den ruppigen Waldstrassen werden durch den Regen Bäche und wir rutschen, jeder in seinem Tempo, zu Tale. Beim Verpflegungsposten herrscht Hochbetrieb. Schnell weiter.

Grenoble Bastille

Aussicht von der Bastille auf Grenoble (Bild: Joel Meredith, Dienstags aufgenommen)

Der Gegenanstieg führt uns hoch zum Col de Vence, wo man anscheinend eine wunderbare Aussicht geniessen kann. Wir sehen lediglich Nebel, Regen und Wolken. Der folgende Downhill ist wieder etwas steiler. Über Serpentinen geht es zum letzten VP talwärts. Die Strecke ist bewaldet und wenig spektakulär. Der anhaltende Regen wie auch die ebenso nicht besser werdenden Wehwechen lassen uns das Ziel in Grenoble herbeiwünschen. Bevor wir da sind, geht es aber nach dem letzten VP noch einmal über einen schleichenden Anstieg auf einer Forststrasse nach oben und dann auf einem Wanderweg zu Bastille de Grenoble. Der sonst stets gut besuchte Ausflugsort Bastille ist wegen dem schlechten Wetter menschenleer. Die letzten 5 Kilometer sind einfach zu laufen, wovon die letzten 2 Kilometer durch die Innenstadt führen. Nach einem kurzen Schlenker durch den Park ist das Ziel beim Stadion im Park Paul Mistral erreicht. Und damit ein Abenteuer zu Ende.

Fazit

Der Ultra Trail des 4 Massifs Ut4M ist ein harter Hund. Für alle, die eine (anspruchsvollere) Alternative zum UTMB suchen oder sich auf technische Rennen wie die Diagonale des Fous auf La Réunion vorbereiten wollen, werden hier mit entsprechenden Trails bedient. Die Veranstaltung ist 1A organisiert und kann auch auf den Tagesetappen einiges bieten.

Das Podium der Kategorie Senior Homme/Femme (Bild: Alex Brennwald)

Nico wurde 6. overall (in 23 Stunden 28 Minuten), Joel 26. overall (in 29 Stunden 20 Minuten). Alex konnte nur 2 der 4 Etappen laufen.

Gut zu wissen

Übernachtung: Start und Ziel ist im Stade des Alpes im Norden von Grenoble. Da die Busse jeweils sehr früh abfahren ist für Etappenläufer ein Hotel in der Nähe empfehlenswert.

Bustransfer (Etappen): Der Transfer zum Start muss separat mit der Anmeldung gebucht werden.

Dropbags: Für alle Läufe können bei den jeweiligen Start/Zieletappen (ausser der Schlussetappe mit Ziel in Grenoble) Taschen deponiert werden. Duschen sind an den Zielorten vorhanden.

Verpflegung: Die VP sind reichhaltig, neben Früchten, Käse und Kuchen werden auch Gels und Riegel (Powerbar) angeboten.

Startnummern: Für den Xtrem und die Tagesläufe gibt es klassische Startnummern, die Challange-Läufer erhalten ein Singlet mit aufgedruckter Startnummer und integriertem Chip, welches getragen werden muss.

Grimpeur/Sprint: Es gibt bei jeder Etappe je zwei Segmente für Auf- und Abstieg mit eigener Wertung. Die Zeiten werden kumuliert.

 

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