Mit Ihrem Sieg beim Scenic Trail und dem zweiten Platz beim Eiger Ultra Trail E101 hat sich Kathrin Götz beinahe von 0 auf 100 in die Trail Welt katapultiert. Wir freuen uns mehr über die 3fache Mutter, (ex) Triathletin und Trail-Liebhaberin zu erfahren. Herzliche Gratulation zu den starken Resultaten – und wir sind sicher, dass da noch einiges kommen wird…

Q: Kathrin Götz, herzliche Gratulation zum starken 2. Platz beim Eiger Ultra Trail E101. Wie lief es? Wie hat sich das Rennen entwickelt?

Kathrin: Vielen Dank! Es lief für mich einfach super… Ich war zuvor kaum nervös, hatte irgendwie einfach das sichere Gefühl in mir, dass es gut kommen wird.

Kathrin Götz im Aufstieg zum Männlichen

Im Aufstieg zum Männlichen (Bild: privat)

Nicht mal am morgen früh vor dem Start kam richtige Wettkampf-Stimmung auf – ich freute mich einfach riesig auf den Tag. Die einzige kleine Unsicherheit bestand für mich in der Verpflegung. Da ich noch nie zuvor so lange gelaufen war, wusste ich nicht 100%, wie und was ich unterwegs zu mir nehmen sollte. Es war mir klar, dass ich keine Gels nehmen kann, da ich die überhaupt nicht mag – somit war mein Plan, mich möglichst über die Getränke und einige Gummi-Drops zu verpflegen.

Ich startete einigermassen gemütlich und versuchte, Richtung Grosse Scheidegg meinen Rhythmus zu finden. Ich war froh, dass es bald recht steil wurde und ich zügig marschieren konnte. Ich hatte keine Ahnung, wo die anderen Frauen im Rennen lagen und versuchte mich nur auf mich zu konzentrieren. Bei Bort erwartete mich mein Trainer Thomas Hürzeler und ermunterte mich, weiter so regelmässig zu laufen. Er erwähnte nicht, dass Andrea bereits ziemlich aufgeholt hatte und somit dicht hinter mir lag… Erst kurz vor First sah ich, wie nahe sie schon war. Ich wusste, dass sie sehr schnell runterlaufen kann und natürlich auch über viel mehr Erfahrung verfügt. Daher hatte ich keinen Stress und dachte mir, das Rennen ist ja noch lang…

Ich versuchte regelmässig weiterzulaufen, ass und trank wann ich es brauchte. Ich hatte mir den Streckenverlauf recht gut eingeprägt und wusste auch genau, wo mein Freund Simon und mein Trainier Thomas auf mich warten würden. Dies half mir enorm.

Ich hatte während des ganzen Rennens nie eine Krise oder irgendein Problem. Das hat mich selbst etwas überrascht. Etwas gestresst wurde ich, als ich in Wengen plötzlich die später Drittplatzierte Juliette Blanchet direkt hinter mir hatte. Aber ich konnte sie bis auf den Männlichen wieder distanzieren. Doch in den Downhill-Passagen holte sie jeweils wieder auf. Ich dachte mir kurz vor der Pfingstegg: „Das kann ja wohl nicht sein, dass du nun 5km vor Schluss noch eingeholt wirst.“ Somit legte ich auf der letzten Abwärts-Passage Richtung Grindelwald einen regelrechten „Schluss-Spurt“ hin. Meine Beine schmerzten zwar ziemlich – doch ich war überglücklich als zweite Frau ins Ziel zu kommen.

Q: Was waren die Höhe- respektive Tiefpunkte?

Kathrin: Wie gesagt hatte ich eigentlich keine Tiefpunkte im Rennen. Ich hatte kein Problem mit der Motivation, sondern nahm „einen Berg um den andern“ Ein gutes Gefühl und damit etwas Auftrieb gab mir, als ich auf dem Männlichen eintraf und die Französin nicht mehr hinter mir sah. Später sah ich dann auf der Rangliste, dass ich im Abschnitt Wengen-Männlichen deutlich die schnellste Abschnitts-Zeit hatte…

Kathrin Götz auf dem Podest

2. Platz hinter Andrea Huser und Juliette Blanchet (Bild: Eiger Ultra Trail)

Q: Du hast beim ersten Start eines Rennens der Ultra Trail Word Tour mit Deinem zweiten Platz bereits voll zugelangt. Wie fühlt sich das an? Hat sich seit dem Sieg beim Scenic Trail oder seit dem zweiten Platz beim Eiger etwas verändert?

Kathrin: Es fühlt sich einfach toll an. Es gibt mir die Bestätigung im Vorfeld vieles richtig gemacht zu haben und vor allem auch insgesamt auf dem richtigen Weg zu sein. In den letzten Tagen hatte ich sehr viele Reaktionen aus meinem Umfeld. Alle positiv – viele sehr überrascht über das Ergebnis. Ich selbst wusste, oder hoffte mehr, dass ich ungefähr mit dieser Zeit rechnen konnte. Dass es dann gerade auch für eine Top-Platzierung reicht und ich ohne Probleme durchs Rennen komme, das hat mich schon auch überrascht.
Der erste Platz am Scenic Trail war für mich auch überraschend – aber es gab mir natürlich auch eine Sicherheit, mit den Besten mithalten zu können am Eiger Ultra Trail. Vor allem aber macht es riesig Spass!

Kathrin Götz bei der Tour de Tirol

Kathrin bei der Tour de Tirol (Bild: Sportograf)

Q: Du bist noch nicht so lange auf den Trails unterwegs. Was ist Dein Hintergrund? Wie bist Du zum Ultra Trail Sport gekommen?

Kathrin: Ich habe während meines Studiums zur Sekundarlehrerin in einem Triathlon-Team in Bern trainiert und kam auch da bald auf die Langdistanz. Ich war noch recht jung und konnte mich ohne grössere Schwierigkeiten zweimal für den Ironman Hawaii (2003/2004) qualifizieren. Wahrscheinlich habe ich es aber in den cirka 5 Jahren intensiven Trainings etwas übertrieben und Ende 2004 hatte ich überhaupt kein Lust auf Wettkämpfe mehr. Zwischen 2005 und 2010 kamen dann meine drei Mädchen zu Welt und dies beanspruchte einen grossen Teil meiner Zeit – ich trieb zwar immer Sport, meist mit Kinderwagen und Veloanhänger, machte aber keine Wettkämpfe mehr. 2010 erhielt ich einen Startplatz am Jungfrau-Marathon geschenkt und lief dort mehr oder weniger unvorbereitet. Damit hatte ich jedoch meine Liebe zum Berglauf entdeckt. Ich versuchte mich in den folgenden Jahren an verschieden Bergmarathons und kürzeren Bergläufen, was mir sehr gefiel. Am meisten Freude hatte ich jedoch an den Strecken-Abschnitten, die auf Trails verliefen. Die sind bei den klassischen Bergmarathons leider eher selten. Irgendwann wollte ich etwas gezielter trainieren und suchte einen Trainer. Dabei stiess ich vor cirka 2 Jahren auf Thomas Hürzeler. Je länger je mehr spürte ich, dass ich mich viel lieber auf Trails bewege – im letzten Sommer nahm ich dann gezielt auch eher an Trail-Wettkämpfen wie 4-Trails, Matterhorn Ultraks Zermatt, Tour de Tirol, Transruinaulta/Transviamala teil. Es machte riesen Spass und ich war jeweils auch einigermassen erfolgreich unterwegs – obwohl mir die Erfahrung fehlte. Dies merkte ich vor allem in den technisch schwierigen Strecken-Abschnitten an den 4-Trails.

Kathrin Götz auf dem Weg zum zweiten Platz

Auf dem Weg zum Podium beim Eiger Ultra Trail (Bild: Prozis)

Tja, im letzten November ging es dann an die Planung des Jahres 2016 und ich wollte gerne einen etwas längeren Trail laufen. Ich dachte eigentlich mal an einen 50km-Lauf zum Anfangen, doch Thomas meinte, warum nicht gleich den Eiger 101… Ich hatte im letzten Winter schon noch etwas Respekt davor – doch dies legte sich immer mehr, je näher der Wettkampf kam. Ich merkte einfach auch, dass ich gut in Form bin und hatte im Vorfeld auch nie daran gezweifelt, es überhaupt zu schaffen. Und nun haben mich diese drei Trail-Wettkämpfe mitten in die Ultra Trail Welt katapultiert und ich freue mich sehr darüber! Ich habe das gute Gefühl, „meinen Sport“ gefunden zu haben. Auf diesem Weg will ich weiter…

Q: Mit dem starken Resultat beim Eiger Ultra Trail (723 ITRA Punkte) hast Du die Hürde für die Nomination zum Ultra Runner of the Year geschaft. Herzliche Gratulation. Was sind Deine Ziele?

Kathrin: Ich wusste gar nicht, was es braucht, um als Ultra Runner of the Year nominiert zu werden. Ich habe in den letzten drei Tagen so viel erfahren, was ich noch nicht wusste… Angefangen bei der Dopingkontrolle, über Lizenzen und Mitgliedschaften – alles sehr spannend!

Kathrin Götz bei der Tour de Tirol

Tour de Tirol (Bild: Thomas Koller)

Mein Ziel ist es schon schneller und technisch besser zu werden – und noch viele Erfahrungen zu machen an Ultra Trails. Wohin die Reise führt, kann ich im Moment nicht genau sagen. Natürlich würde ich gerne mal auf der Ultra Trail World Tour Punkte sammeln.

Q: Welche Rennen oder Projekte stehen dieses Jahr noch auf dem Plan?

Kathrin: Mein Saisonziel 2016 war eine möglichst gute Platzierung am Eiger Ultra Trail. Die Monate danach waren noch nicht so genau definiert. Ich werde jetzt Ende Juli noch den K78 am Swissalpine laufen, da ich noch einen Gratis-Start habe. Ich weiss allerdings nicht, wie gut ich bis dann bereits erholt bin…

Es zeichnet sich nun ab, dass ich höchst wahrscheinlich an der Powerman WM in Zofingen starten werde in der Elitekategorie. Dies wird Ende nächste Woche entschieden. Alte Liebe zum Duathlon-Sport und eine Strecke, die meinen Fähigkeiten entgegen kommt…

Zudem steht noch offen, ob ich an der Trail-WM starten werde Ende Oktober. Das wäre natürlich sehr toll und nochmals ein Highlight.

Kathrin Götz bei der Tour de Tirol

Tour de Tirol (Bild: Thomas Koller)

Q: Was machst Du, wenn Du nicht läufst?

Kathrin: Wenn ich nicht laufe… Da ist meine Zeit recht verplant und ich muss meine Regenerations-Phasen sehr gut einplanen. Ich bin geschieden, lebe mit meinen drei Mädchen mit meinem neuen Partner zusammen. Weil ich leider vom Sport allein nicht leben kann, arbeite ich momentan als Wasserfitness-Instruktorin und zudem als Erwachsenenbildnerin. Damit ich „Arbeit“ und Training verbinden kann, leite ich noch Spinning-Lektionen in einem Fitness-Center. Meine Tage sind jeweils recht ausgefüllt – somit hatte ich selten Zeit für die gaaaanz langen Trainings. Ich trainiere momentan maximal 3h am Stück – mehr liegt neben Kinder-Betreuung und Arbeit momentan nicht drin.

Vielen Dank, Kathrin Götz, dass Du Dir Zeit für ein Interview genommen hast. Herzliche Gratulation noch einmal zu den tollen Resultaten. Für die weitere Saison wünschen wir Dir viel Erfolg!

 

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