Trail Running wird in Frankreich gross geschrieben, das wissen wir. Neben den Veranstaltungen in den Alpen haben aber auch die Vogesen sehr viel zu bieten. Nach dem Frühjahresklassiker Petit Ballon gibt es noch zahlreiche weitere (Ultra) Trails im Elsass. Der Trail des Marcaires wurde dieses Jahr zum 8. Mal ausgeführt und hat 3 Distanzen im Angebot: 52km mit 2600hm D+, 31km mit 1600hm D+ sowie einen Einsteigertrail über 12km. Ich habe mir als Aufbauwettkampf den 31km, der unter dem Namen Defi de Muhlbach geführt wird, ausgesucht. Eins haben alle die Elsässer Trails gemeinsam: es gibt unheimlich viel Trail für wenig Geld.

Anreise nach Muhlbach sur Munster

Das Elsass beginnt bekanntlich gleich hinter Basel – entsprechend schnell ist man von der Schweiz am Fusse der Vogesen. Ich fahre um 6 Uhr in Zürich los und erreiche das Startgelände bequem 1 Stunde vor dem Startschuss, der um 9 Uhr fallen wird. Die Starnummernausgabe erfolgt gewohnt familiär. Alles easy. Wichtig zu wissen ist lediglich, dass an allen Trails in Frankreich (wie auch in Italien) ein ärztliches Attest vorgelegt werden muss. Ohne Attest – kein Start. Da kennen die sonst sehr relaxten Franzosen kein pardon. Wir haben alles dabei und Reihen uns nach dem Einlaufen ins Starterfeld. Mit französischer Charme bittet der Speaker vor dem Startschuss alle Frauen in die ersten Reihen – ladies first ist hier die Devise. Es gibt auf den ersten Kilometern genügend Möglichkeit das Feld zu sortieren.

Download

Startschuss und Aufstieg zum Hohneck

Kurz nach 9 der Startschuss. Das OK ist vorausschauend genug, den durch einen verspäteten Zug geschlossenen Bahnübergang zu berücksichtigen und uns, zwar mit leichter Verspätung, dafür aber unbehelligt, über die Geleise zu schicken. Tatsächlich halten sich alle etwas zurück und die Damen werden erst nach 500 Meter überholt. Die ersten 3 Kilometer sind flach und ich bleibe hinter den ersten zwei Frauen bis wir in den Trail einbiegen.

Verblockter Trail (Bild: Elodie B.)

Es geht 2-3 Kilometer in stetem auf und ab durch den Frühlingswald. Ich finde meinen Tritt und überhole die zweite Frau bevor es nach oben geht. Mit dem Anstieg wird der Trail ziemlich ruppig. Eigentlich habe ich butterzarte Singletrails und keine technischen Geröllfelder erwartet – eine Fehlannahme.

Über einen ziemlich verblockten Trail geht es dem Bachlauf der Wormsa entlang nach oben. Immer schön zwischen 10 und 20% Steigung. Ich überhole die 1 Frau und kann alle paar Minuten auch ein paar Männer einsammeln. Der Trail hoch zum Fischboedle See ist ziemlich technisch und nicht selten kann man nur von Stein zu Stein hüpfen. Mit der Baumgrenze erreichen wir den ersten Verpflegungsposten, den ich auslasse. Ich laufe mit einer Salomon SLAB Ultra Weste mit 2 Softflasks, die ich mit je 4dl Wasser befüllt habe. Zusammen mit 4 Sponser Gels sollte das eigentlich für die 31 Kilometer gut reichen um ohne Verpflegungsstop durchzukommen.

Hohneck, Kastelberg und wieder runter

Es geht nach dem VP über steile Alpwiesen ziemlich direkt hoch zum Petit Hoheneck und dann der Krete entlang weiter zu Hohneck selbst. Ich kann stetig Läufer einholen und laufe jetzt gemäss den Streckenposten bereits in den top20. Ich fühle mich super und kann vor mir noch einige Läufer sehen. Ich gebe Gas. Bei Kilometer 11 erreichen wir auf Hoheneck den Höchsten Punkt der Strecke. Danach geht es Richtung Kastelberg und danch sanft bis zur Baumgrenze runter – man kann es brettern lassen. Mit den Bäumen und der Bewaldung wird der Trail auch gleich wieder technischer. Im Gegensatz zum Petit Ballon ist der Trail doch sehr anspruchsvoll und erfordert voll Konzentration. Vogesen sind wohl nicht gleich Vogesen.

Ich auf dem Weg zum Hohneck (Bild: Greg Leloup)

Der technische Trail fordert die Läufer – mein Hintermann legt sich auf sehr ungeeignetem Untergrund komplett hin. Ein aufschliessender Läufer kümmert sich um ihn – hoffentlich ist es nicht schlimm. Hier beginne ich auch den hinteren Teil des 12km Laufes, der nach uns gestartet ist, zu überholen. Der Wald wechselt weiter unten in ein etwas offeneres, aber nicht weniger steiles Gelände. Nach 700 Höhenmeter Abstieg erreiche ich den zweiten Verpflegungsposten in Mittlach. Ich gehe davon aus nur noch weniger als eine Stunde unterwegs zu sein und lasse auch diesen Posten aus. Ich laufe mittlerweile auf Position 15.

Sanfte Trails Richtung Kastelberg (Bild: Vincent Chapin / Alsace en courant)

Die Hügel

Das Gelände nach Mittlach ist ungemein weniger spektakulär als das steile und technische Geläuf zuvor. Einfache Singletrails und schnelle Forststrassen wechseln sich ab. Nach dem technischen Auf- und Abstieg ist nun Tempobolzen angesagt. Mein Marathontraining macht sich hier bezahlt. Ich kann ganz gut auf die Tube drücken und laufe von hier weg alle Steigungen durch. Die schleichenden Anstiege und langgezogenen Downhills sind perfekt geeignet um noch einmal alles aus sich rauszuholen. Ich kann weitere drei Läufer überholen und laufe nun auf Position 12. Reicht es für die Top 10?

(Bild:Greg Leloup )

Bei Sondernach führt der Trail über eine grosse Weidewiese, die den Blick nach vorne frei gibt. Kein Läufer in Sicht – Mist. Trotzdem gebe ich Gas – bekanntlich weiss man im Wettampf nie, was da noch kommen mag – sei es von vorne oder von hinten. Beim Abstieg ins Dorf Sondernach kann ich einen Läufer erkennen, der bereits wieder auf der anderen Talseite aufsteigt. Mist, der ist mindestens 1 Kilometer weg. Mit nur 6 Kilometern bis zum Ziel wird es wohl schwierig werden ihn noch zu kriegen…

Es geht noch einmal nach oben. Mit dem letzten meiner 4 Gels geht es in Richtung Muhlbach Sportzentrum zurück. Nach einem abwechslungsreichen Aufstieg durch Wald und Feld geht es über einen steilen Trail den letzten Abstieg runter ins Ziel. Ich komme nach 3 Stunden 25 Minuten auf dem 12ten Schlussrang ins Ziel – ich bin super happy.

Fazit

Im Elsass gibt es unheimlich viel Trail fürs Geld. Und das ist beim Trail des Marcaires nicht anders. Ich kann den Lauf jedem empfehlen, der es auch etwas technischer mag. Das Beisammensein mit Elsasser Spezialitäten im Zielbereich ist ebenfalls top. Ich war sicher nicht das letzte Mal in Muhlbach. Herliche Gratulation an das Organisationskommittee für den guten Anlass. À bientôt.

Werbung