Ueli Schneider ist auf den Trails kein Unbekannter. Neben dem Sieg beim Humani’Trail läuft er immer wieder vorne mit und ist auch sonst in den Alpen sehr aktiv. Bei den Swiss Ultra Trail Awards durfte Ueli den 3. Platz entgegennehmen und wir freuen uns, dass mit Uelis Wahl die grosse Altersklassen-Tiefe des Trail Runnings unterstrichen worden ist. Herzliche Gratulation!

Q: In den letzten Wochen haben 490 Deine Leistungen der Saison 2015 geehrt. Was bedeutet das für Dich?

Ueli: Für mich war es eine grosse Ehre, dass ich im 50. Lebensjahr überhaupt nominiert wurde. Dass ich dann dank grosser Unterstützung meines Freundeskreises auch noch den dritten Platz belegen durfte, ist eine schöne Geste für meine Leistungen. Ich weiss natürlich, dass einige hinter mir Klassierte beim Rennen schneller sind und darum die Podestplätze ebenfalls verdient hätten. Sie werden es sportlich nehmen. Ich danke allen ganz herzlich, die mich beim Voting unterstützt haben und ich gratuliere auch allen andern nominierten Trailrunnern.

Das komplette Podium: Aaron, Andrea, Ueli, Diego und Stephan (Bild Hendrik Auf'mkolk)

Das komplette Podium: Aaron, Andrea, Ueli, Diego und Stephan (Bild Hendrik Auf’mkolk)

Q: Vor wenigen Tagen wurdest du 50 Jahre alt. Wie wichtig ist Erfahrung im Ultra Trail Running?

Ueli: Aus meiner Sicht ist die Erfahrung nicht entscheidend, sondern die Freude an der Bewegung in der Natur und auf Berg- und Wanderwegen rennen zu wollen. Ich habe erst vor drei Jahren diese faszinierende Sportart entdeckt. Allerdings bin ich schon seit Jahren als Alpinist im Winter und im Sommer unterwegs. Dabei habe ich mir eine gute Grundkondition und den nötigen „Biss“ aufgebaut, welche auch für diese Sportart wichtig sind. Ich denke, ich bin ein gutes Beispiel, dass man jederzeit – auch in meinem Alter – im Ultra Trail Running einsteigen kann. Ich sage dazu nur „just do it!“

Ueli am Trail des Paccots

Q: Was sind die wichtigsten Lektionen, die Du in Deiner Karriere als Ausdauersportler gelernt hast?

Ueli: Mir kommen spontan drei Punkte in den Sinn:

  1. Wenn ich lange Rennen bestehen will, muss ich auch bereit sein, ab und zu lange Trainings zu machen.
  2. Ich musste im Training das talabwärts Rennen einbauen. Am Anfang habe ich dort zu viel Zeit verloren, die ich in Flachpartien und in den Aufstiegen nicht mehr wettmachen konnte.
  3. An einem Rennen ist mir enorm wichtig, immer das Ziel und den Weg dazu im Fokus zu habe. Die einzelnen, strengen Aufstiege oder kurzfristige Einbrüche interessieren mich nicht. Das habe ich bereits beim Bergsteigen und auf meinen Expeditionen im Himalaya gelernt. Dort kann das schnell überlebenswichtig sein.

Q: Gibt es etwas, aus sportlicher Perspektive, das Du heute anders machen würdest?

Ueli: Nein, denn rückblickend kann ich eh nichts mehr ändern. Ich geniesse einfach den Augenblick und das Unterwegs sein in der Natur.

Q: Was waren Deine persönlichen Höhepunkte der Saison 2015? Und wo die Tiefs?

Ueli: Mein absoluter Höhepunkt war kein Wettkampf sondern mein Berg- und Trail Running Projekt: 26 Tage – 26 Gipfel – 26 Kantone. Ich habe im letzten Jahr das Trail Running und das Bergsteigen kombiniert und von jedem Kanton in jeweils nur einem Tag vom Tal aus den höchsten Punkt erklommen und am gleichen Tag wieder ins Tal zurückgekehrt. Alleine bei diesem Projekt sind über 50’000 Höhenmeter und über 840 Kilometer zu Fuss oder mit Tourenskiern zusammengekommen. Ein weiteres Highlight war mein Tagessieg am Humani’Trail in Les Diablerets. In meinem Alter ist das nicht selbstverständlich. Darum bin ich dankbar, dass gesund bin und mein Körper das noch mitmacht.

Ueli am Pass digls Orgels

Als Tief würde ich das sehr frühe Ausscheiden am Swiss Irontrail aus gesundheitlichen Gründen bezeichnen. Es hatte nicht sollen sein.

Q: Was sind Deine Ziele für 2016?

Ueli: Spezifische Ziele habe ich keine. Ich freue mich einfach auf neue Trails, neue Gegenden kennenzulernen und weitere wertvolle Begegnungen mit Trailrunnern. Zudem will ich mir auch dieses Jahr weitere Wünsche beim Bergsteigen erfüllen.

Ueli mit Helene Ogi und Andrea Huser

Q: Du bist jetzt schon seit vielen Jahren Teil der Trail Running Szene. Wie hat sich diese über die Zeit entwickelt? Wohin geht die Reise für unseren Sport im 2016?

Ueli: Nein, wie schon erwähnt, bin ich erst seit drei Jahren in der Trail Running Szene. Dennoch stelle ich fest, dass es für einige grosse Wettkämpfe zunehmend schwierig ist, sich noch rechtzeitig einen Startplatz zu ergattern. Weiter habe ich etwas die Befürchtung, dass die Wettkämpfe fast zu professionell werden, respektive die Trail Runner je länger je grössere Ansprüche (Wegmarkierungen, Anzahl Verpflegungsposten, etc.) an die Organisatoren stellen. Damit würde der Ursprung vom Trail Running – das Naturerlebnis und eine gewisse Eigenständigkeit – verloren gehen. Das wäre schade. Hingegen schätze ich sehr die unglaublich schöne Kameradschaft und Hilfsbereitschaft unter uns Trailrunnern. Auch freut mich, dass die Szene weiter wächst.

Jetzt wünsche ich allen Trailrunnern gute Gesundheit, weiterhin tolle Erlebnisse und auf den Trails, Durchhaltewille und schnelle Beine.

Vielen Dank, Ueli, für das Interview und herzliche Gratulation für den 3. Platz bei den Swiss Ultra Trail Awards 2015.

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