2015 war das Jahr von Andrea Huser – Sieg beim TDS, Irontrail, UMSDT, UTAT sowie Podestplätze beim Eiger Ultra Trail, Swissalpine Marathon, Grand Raid Réunion und viele mehr… Die Vergabe des „Ultra Runner of the Year 2015“ darf diese Leistungen nur unterstreichen. Wir gratulieren herzlich! Andrea ht mit uns über die Saison 2015, die Ultra Trail World Tour und die Saison 2016 gesprochen. Die Frau hat was vor…

Q: In den letzten Wochen haben 808 Leute im Rahmen der Swiss Ultra Trail Awards 2015 für Dich und Deine Leistung gestimmt und Dich damit zum Ultra Runner of the Year erkoren. Was bedeutet das für Dich?

Andrea: Es freut mich und ich fühle mich geehrt. Der Titel bedeutet mir viel. Mit dem Voting konnte ich etwas zur Bekanntheit des Ultra Trail Sports beitragen. Unterschiedliche Leute, die vorher keine Ahnung hatten, was ich da überhaupt mache, wissen nun, dass es in der Schweiz eine Ultra Trail Szene gibt. Es macht natürlich Spass, dass so viele Leute mich und meine Leistungen anerkennen. Auch wenn viele Stimmen mit einem grossen Bekanntenkreis und guter Eigenwerbung gewonnen werden können, hoffe ich doch, dass die Wahl in einigen Leuten auch ausserhalb der heutigen „Ultra Trail Familie“ das Interesse an Ultra Trails geweckt hat – oder sie wissen nun zumindest, um was es in unserem Sport geht.

Zu guter Letzt tönt es einfach auch gut, erste Schweizer Ultra Trail Läuferin des Jahres zu sein ;-).

Ultra Runner of the Year 2015 Andrea und Diego (Bild Hendrik Auf'mkolk)

Ultra Runner of the Year 2015 Andrea und Diego (Bild Hendrik Auf’mkolk)

Q: Was waren Deine persönlichen Höhepunkte der Saison 2015? Und wo die Tiefs?

Andrea: Als ich auf Grancanaria zu Beginn der Saison schon vorne mitlaufen konnte, war dies sicher ein erstes Highlight für mich. Es ging danach mit mehreren Höhepunkten weiter, wie zum Beispiel dem Eiger Ultra Trail (→ Rennbericht), an welchem ich ein perfektes Rennen laufen konnte.  Der Grand Raid auf La Réunion (→ Rennbericht) war ebenfalls ein Höhepunkt, welchen ich nie vergessen werde.

Sieg beim UTMB TDS

Richtige Tiefs hatte ich eigentlich keine; nur Enttäuschungen – die gehören aber auch zum Erfolg dazu. Der Lavaredo Ultra Trail (→ Rennbericht) zum Beispiel, wo ich mich in guter Position cirka 30 Minuten verlaufen hatte (selbstverschuldet) oder dass ich wegen einer Autopanne nicht an den Trail Schweizermeisterschaften starten konnte. Aber diese negativen Punkte hab ich mit den Hochs schnell wieder weg gesteckt. Gesundheitlich hatte ich Probleme mit der Wade, was mit der Zeit etwas nervig war. Ich kriegte die Schmerzen nie ganz weg. Da es aber nie schlimmer wurde, war dies kein Grund die Saison abzubrechen.

Q: Mit der bärenstarken Saison 2015 bist Du auch viel mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie ist es, wenn Du plötzlich im Mittelpunkt stehst? In der Favoritenrolle läuft es sich ja bekanntlich anders als wenn man aus der zweiten Reihe angreifen kann.

Andrea: Ich muss zugeben, dass ich nicht gerne in der Öffentlichkeit im Mittelpunkt stehe – das ist mir eher unangenehm. Bis jetzt hat aber alles noch Spass gemacht und das Interesse an meiner Person ist positiv. Ich werde es erst 2016 so richtig zu spüren bekommen, da jetzt sicher höhere Erwartungen von Veranstalter und Medien auf meinen Schultern lasten. Im vergangenen Jahr war ich sozusagen eine Newcomerin und lief ohne Erwartungen und Druck. Ich werde 2016 einfach weiter laufen, was ja bei den Ultras eigentlich auch der Sinn der Sache ist…. Favoritin zu sein oder sagen wir besser, zum erweiterten Favoritinnen-Kreis zu gehören, ist ja eine Ehre. Ich werde das geniessen!

Q: In Deinem sportlichen Leben gibt es einige Neuerungen. Erzähl mal…

Andrea: Ich gehöre nun zum Mammut Trail Running Team und werde somit von Mammut gesponsert. Ich möchte meine Leistungen noch topen können, habe aber gemerkt dass ich im letzten Jahr an meine Grenzen gestossen bin. Mit einem 80% Pensum bei der Arbeit und mit 42 Jahren wird es nicht einfacher. Mich weiter zu steigern ist möglich, aber nur mit gezieltem Training. Ich arbeite darum seit kurzem mit einem Trainer zusammen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht…

Eiger Ultra Trail 2015

Q: 2016 steht im Lichte der Ultra Trail World Tour. Auch sonst scheinen sich mehr Strukturen zu formen. Was meinst Du dazu?

Andrea: Die Ultra World Tour gibt es ja schon seit mehreren Jahren. Ich denke, dass das Niveau gestiegen ist und es kommen immer mehr Rennen auf der ganzen Welt hinzu. Das ist sicher positiv für den Stellenwert vom Ultra Trail Running. Man braucht aber auch immer mehr finanzielle Unterstützung um an den Serien teilnehmen zu können, da die Rennen weltweit auf jedem Kontinent verteilt sind. Eliteläufer/innen werden teilweise für Kost und Logie entschädigt. Trotzdem ist es ohne Sponsoring aber fast nicht möglich an den World Series Rennen vorne mit zu laufen. Für uns Schweizer ist es nicht so einfach, da der Stellenwert von Trail Running hierzulande nicht so hoch ist wie zum Beispiel in Frankreich oder Spanien.

Sieg beim TDS - 119km mit 7250hm D+ in 16h35min © Gabi Schenkel

Sieg beim TDS – 119km mit 7250hm D+ in 16h35min © Gabi Schenkel

Q: Die Spitze der Ultra Trail Elite Damen ist deutlich weniger breit als bei den Herren. An was liegt das? Wieso laufen immer noch weniger Frauen auf dem Trail?

Andrea: Ich denke das kommt daher, dass Herren mutiger sind und schneller mal solche Herausforderungen wagen als Frauen. Frauen überlegen sich wahrscheinlich mehr, ob sie solche körperlichen Strapazen durchstehen können und trauen sich insgesammt etwas weniger zu. Erst, wenn sie sicher sind, es zu schaffen, starten sie auch. Das heisst aber auch wieder, dass prozentual meistens mehr Frauen durchkommen und mehr Männer aufgeben. Die körperlichen Strapazen in den Bergen bei jedem Wetter über Stock und Stein rumrennen, ist auch nicht „jederfraus Sache“.

Q: Was sind Deine Ziele für 2016?

Andrea: Ich möchte auf der Ultra Trail World Tour in der Gesamtwertung aufs Podest und den Eiger Ultra Trail gewinnen.

Vielen Dank für das Inteview, Andrea. Wir gratulieren noch einmal herzlich zur starken Saison und zum wohlverdienten Titel „Ultra Runner of the Year“! Und für 2016 wünschen wir Dir viel Erfolg.

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