Martin Anthamatten ist am Fusse des Matterhorns aufgewachsen. Es erstaut daher auch nicht, dass der Zermatter im alpinen Gelände wieselflink undterwegs ist – egal ob auf den Skiern oder in den Laufschuhen. Dieses Jahr hat er mit dem Sieg beim Matterhorn Ultraks (→ Rennbericht) und den starken Ergebnissen in Flagstaff und Limone das Podium der Skyrunning World Series sichern können.

Q: Du hast Dich mit dem diesjährigen Sieg beim Matterhorn Ultraks souverän gegen die Weltspitze durchsetzen können. Wie lief das Rennen? Hat sich alles nach Plan entwickelt?

Martin: Ich war selber völlig überrascht von meinem Sieg beim Matterhorn Ultraks. Ohne grosse Erwartungen startete ich gemächlich ins Rennen, merkte aber schnell, dass ich mich super fühlte. Im zweiten Aufstieg nach Sunnegga hoch zum Gornergrat konnte ich viele Läufer überholen und war auf dem Gornergrat am höchsten Punkt der Strecke schon an zweiter Stelle. Ich konnte mein Tempo super durchhalten und war bei Schwarzsee bereits in Führung. Ich dachte „das kann nicht sein“. Als ich dann den letzten grossen Aufstieg in Angriff genommen hatte, glaubte ich an den Sieg.

Martin auf dem Gornergrat © Matterhorn Ultraks

Q: Deine grössten Trail Erfolge hast Du auf Strecken zwischen 30 und 50km feiern können. Wir man Dich in Zukunft auch auf längeren Distanzen sehen?

Martin: Ich glaube nicht, dass ich bald längere Ultra in Angriff nehmen werde, da ich ja in erster Linie im Sommer für die Skialpinismus-Saison im Winter trainiere. Ganz lange Wettkämpfe passen somit nicht gut in mein Trainingskalender.

Q: Obwohl Du immer wieder starke Resultate auf dem Trail erlaufen hast, bist Du kein Vollblutläufer. Wofür schlägt Dein Herz?

Martin: In erster Linie bin ich Skialpinist. Meine Arbeit als Grenzwächter ist ebenfalls auf diese Training und die Saison abgestimmt. Ich besitze im Grenzwachkorps den „Sportler-Status“ und kann damit Beruf und Training besser unter einen Hut bringen.

Q: Skitouring und Trail Running  passt perfekt zusammen. Wie gestaltet sich Dein Trainingsjahr?

Martin: Ich periodisiere meine Wochen und Monate. Das ist aber gar nicht so einfach, da ich als Trailrunner und Skialpinist im Sommer wie auch im Winter Wettkämpfe bestreite. Jedoch bestreite ich die Wettkämpfe im Sommer aus dem Training heraus. Das heisst, dass ich mich nicht spezifisch auf die einzelnen Renner vorbereite. In der Folge war auch mein Sieg beim Matterhorn Ultraks überraschend, da  ich direkt aus einem Trainingslager kam .

Q: Zusammen mit Deinen beiden Brüdern seid ihr Anthamattens eine Kraft im alpinen Sport. Worüber spricht man am Familientisch?

Martin: Wir sprechen viel über die Berge und unsere Aktivitäten. Wir können sehr viel voneinander profitieren, da jeder die Berge aus einem anderen Blickwinkel sieht. Es wird aber natürlich auch über das normale Leben und das Zermatter Dorfgeschehen geredet.

Schnelle Brüder © Matterhorn Ultraks

Q: Wie siehst Du als Bergführer die Entwicklung im Trail Running, dass immer extreme Trails gelaufen werden?

Martin: Ich denke, dass bei den Trailwettkämpfen meist alles sehr gut abgesichert ist. Da sehe ich keine Probleme. Mehr Konfliktpotential gibt es im Hochgebirge. Viele Leute unterschätzen die Gefahren der hochalpinen Gebirgswelt. Jeder sollte sich selber realistisch einschätzen und nicht anderen Läufern oder Bergsteigern nacheifern. Viele sehen die ganze Arbeit und Vorbereitung nicht, welche beim alpinen Traillauf und schnellen Bergsteigen dahintersteckt.

Q: Was sind die Pläne für Winter 2015 und Sommer 2016?

Martin: Mein Ziel für den Winter ist in erster Linie für verschiedene Wettkämpfen wie die Weltcupserie, Europameisterschaften und an verschiedenen grossen Rennen wie die Patrouille des Glaciers meine Topform zu erreichen.

Der nächste Sommer interessiert mich noch nicht. Ich nehme Saison für Saison. Den Sommer plane ich mir immer kurzfristig, da er meine Vorbereitung für den Winter ist. An der Motivation einige Trails zu laufen fehlt es mir aber sicher nicht.

Vielen Dank, Martin, für das ausfschlussreiche Interview. Für die kommenden Wettkämpfe und Abenteuer wünschen wir Dir ganz viel Erfolg.

 

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