Der Matterhorn Ultraks ist Trail Running pur. Die Ultradistanz führt über anspruchsvolle Gebirgstrails insgesamt 48 Kilometer von Sunnegga über Gornergrat, Schwarzsee und Trift rund um Zermatt. Auf dem Gornergrat überschreiten die Läufer die 3‘100 Meter Grenze. Insgesamt gilt es knackige 3‘600hm D+/- zu überwinden. Der Ultraks gehört zur Skyrunning World-Series und das Starterfeld ist entsprechend kompetitiv besetzt. Die Bergwelt mit dem allgegenwärtigen Matterhorn ist überwältigend – ein „Must-Have“ Lauf für jeden Trail Runner. Ein Bericht vom Schwester-Lauf Engadin Ultraks findet man hier.

Matterhorn Ultraks 46K

Mit dem noch bettwarmen Schritt aus dem Apartment hinaus in die Bergwelt der Walliser Alpen verschlägt es mir schon das erste Mal an diesem Tag den Atem – die Morgenluft ist noch verdammt kalt. Aber noch viel atemberaubender ist die Sicht auf das Matterhorn, welches sich in den ersten Sonnenstrahlen wunderbar vom stahlblauen Himmel abhebt. Soviel ist jetzt schon klar – heute wird ein perfekter Ultratrail-Tag werden. Ich freue mich auf die mit 3’600hm D+/- gespickten 48 Kilometer. Mein Blick schweift nach oben – auch die anderen Gipfel sind bereits von der Morgensonne geküsst. Super. Auf zum Start.

Matterhorn Ultraks 46K - 48km mit 3600hm D+/-

Matterhorn Ultraks 46K – 48km mit 3600hm D+/-

Start Zermatt – Sunnegga – Gornergrat

Kurz nach 7 Uhr bewegen wir uns in den Startblock. Da der Matterhorn Ultraks ein Lauf der Skyrunning World-Series ist, kann man schon vor dem Start die hohe Leistungsdichte anhand der zahlreichen gestählten Läuferwaden erahnen. Nach einem kurzen Briefing fällt pünktlich um 7.30 der Startschuss. Nach einem kurzen Schlenker durch Zermatt geht es erst eine Forststrasse und dann einen Singletrail nach oben. Das Konzept der ersten 13 Kilometer ist recht simpel: es geht 2000 Höhenmeter in die Höhe.

Die 6 Kilometer zur ersten Zeitnahme und Verpflegungsstelle in Sunnegga sind haupsächlich bewaldet und der Trail bietet von laufbaren Waldboden bis ruppigen Felsblöcken alles, was das Trailrunner-Herz begehrt. Immer wieder geben die Bäume den fantastischen Blick auf das Matterhorn für ein paar Sekunden frei. Kurz vor Sunnegga lassen wir den Wald unter uns. Der Verpflegungsposten markiert das Ende des ersten Teil-Aufstieges. Ich laufe durch.

The beast we came to see © Joel Meredith

The beast we came to see © Joel Meredith

Nach Sunnegga geht es rasant über die Alpwiesen Richtung Findeln. Die Aussicht auf das Matterhorn ist atemberaubend. Mittlerweile ist uns unter der Anstrengung in der Morgensonne auch warm geworden. Es steht keine Wolke am Himmel. Perfekt. Die 300-400 Höhenmeter Zwischenabstieg sind schnell genommen und wir nehmen den zweiten Teil des ersten Anstieges in Angriff. 1100 Höhenmeter auf 6 Kilometer trennen uns vom Gornergrat.

Der Trail ist wenig technisch, dafür aber sehr steil. Ich gewinne schnell an Höhe und versuche, mit meinen Kräften vorausschauend umzugehen. Mit den Händen auf den Knien geht es weiter. Das Gelände wird hochalpin. Trotz der selektiven Strecke hat es um mich herum immer noch erstaunlich viele Läufer – die wollen’s wohl auch alle wissen… Mit zunehmender Höhe macht sich die dünne Luft bemerkbar. Das Laktat hängt mir schwer in den Beinen. Wir nähern uns der 3000 Meter Marke. Über mir ist der Grat schon sichtbar, der Weg dahin aber hart. Auf den letzten Höhenmeter laufen wir entlang dem Gornergrat Richtung Bahnstation. Die Aussicht auf das Monte Rosa Massiv, Breithorn und Matterhorn entschädigen für alle Strapazen.

Schlussaufstieg zum Gornergrat © Joel Meredith

Schlussaufstieg zum Gornergrat © Joel Meredith

Auf dem Gornergrat ist die höchste Stelle des Ultraks mit 3130 Meter erreicht. Ich verpflege mich kurz und mache mich schnell auf den Weg ins Tal. Die Höhe ist deutlich spürbar und ich möchte keine Zeit verliere, auch wenn das unglaubliche Panorama zum Verweilen einladen würde.

Video © Joel Meredith

Dowhill Riffelalp und Furi

Nach dem Gornergrat geht es rasant nach unten. Das Terrain ist weiterhin hochalpin – Fels, Schutt und Gebirgswiesen fliegen unter unseren Laufschuhen hinweg. Dann passiert‘s – eine Unachtsamkeit, ein Misstritt und ich übertrete meinen Knöchel. Mist. Zum Glück ist es nicht so schlimm, dass ich den Lauf beenden muss, aber ich bin trotzdem gezwungen das Tempo rauszunehmen. Ich versuche die Schmerzen und die Instabilität im Knöchel zu akzeptieren und mich an der wunderbaren Aussicht zu erfreuen (genau, einmal mehr das Matterhorn in seiner ganzen Pracht).

Riffelalp markiert bei Kilometer 19 den nächsten Verpflegungsposten, welcher von den K31 Läufern schon gut in Beschlag genommen worden ist. Nach der Riffelalp ist das Vorankommen sehr mühsam. Der leichte Gegenanstieg macht einen zu grossen Leistungsunterschied zu den K31 Läufern deutlich um ein gemeinsames Laufen zu ermöglichen. Der Trail ist an den meisten Stellen eng und macht die Überholaktionen in der Folge recht rabiat. Unbefriedigend für alle Beteiligten. Der anschliessende Downhill hinunter nach Furi gehört wohl zu technischsten Teilen des Ultraks. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich dem Gänsemarsch anzuschliessen. Ich könnte schneller, doch überholen ist nicht möglich…

Nach dem der Trail vor Furi endlich wieder breiter wird, erreichen wir ein weiterer Höhepunkt der Strecke – die Hängebrücke über die Gornerschlucht. Ich blicke 90 Meter zwischen meinen Füssen hinunter auf die Gornera, die lautstark Richtung Zermatt tost. Für schwindelfreie und höhenangstbereite Läufer ein wahres Highlight. Bei Kilometer 24 erreichen wir den Verpflegungsposten Furi.

Hängebrücke über die Gomer Schlucht © Joel Meredith

Hängebrücke über die Gomer Schlucht © Joel Meredith

Schwarzsee – Zmutt

Mit vollen Flasks geht es nach dem Verpflegungsposten in den zweiten Hauptanstieg hoch Richtung Schwarzsee. Der Trail windet sich im ersten Teil des 700 Meter Anstieges noch steil zwischen den Bäumen durch. Im Zweiten Teil geht es durch die Alpwiesen Richtung Schwarzsee. Ich kann nun viele Läufer überholen – leider sind die meisten aber „nur“ K31 Starter und bringen rangierungstechnisch nichts. Meine Beine sind noch ziemlich gut, aber ich kann die Höhe spüren. Beim Posten Schwarzsee angekommen trinke ich kurz und mache mich auf Richtung Zmutt. Leider geht das nicht mehr so flüssig. Mein Fussgelenk schmerzt und fühlt sich instabil an. Ich will keinen weiteren Fehltritt riskieren und tapse behutsam zu Tale. Ich werde von vielen Läufern, die ich im Aufstieg hinter mir gelassen habe, erneut überholt. Das ist etwas frustrierend, dafür entschädigt der Ausblick auf die ungewohnte Nordost Flanke des Matterhorns.

Nordost Flanke des Matterhorns © Joel Meredith

Nordost Flanke des Matterhorns © Joel Meredith

Unter uns ist bereits der kleine Stausee des Zmuttbaches zu erkennen, der die Talsohle des Downhills markiert. Das Gelände wechselt immer wieder zwischen flachen Abschnitten und steilem, technischem Geläuf. Der Zmuttbach ist schnell überquert und es geht erneut nach oben.

Trift – Finish Zermatt

Nach dem Bach geht es wieder steil in die Höhe. Knapp 600 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Der Arbenbachfall, welcher sich über einen Felskopf in der Seitemoräne des ehemaligen Zmuttgletscher in die Tiefe stürzt, gehört ebenfalls zu den Highlights der Ultraksstrecke.

Arbenbachfall © Joel Meredith

Arbenbachfall © Joel Meredith

Nach dem Wasserfall zieht der Trail dem Schwarzläger entlang in die Höhe. Wieder kann ich Läufer einholen. Es ist mir aber auch klar, dass ich sie im nächsten Downhill wieder ziehen lassen muss. Bei Kilometer 35 ist der höchste Punkt auf 2750 Meter erreicht. Der Trail läuft sich wie Butter und fällt erst 3 Kilometer nur leicht ab. Im zweiten Teil wird’s dann doch wieder eher ruppig und die Oberschenkel freuen sich auf eine kurze Pause am Verpflegungsposten in Trift.

Trift © Joel Meredith

Trift © Joel Meredith

In Trift gönne ich mir das erste Mal Cola. Bis anhin bin ich ernährungstechnisch gut durchgekommen. Die Höhe merke ich aber doch und die Cola hilft, schnell den Blutzucker zu heben und den Anflug von Übelkeit zu lindern. Ohne viel Zeit zu verlieren laufe ich weiter. Es gilt noch einmal 200 Höhenmeter Zwischenaufstieg hinter mich zu bringen bevor der Trail dann 900 Höhenmeter steil ins Tal abfällt.

Der erste Teil des letzten Downhills ist sehr steil. Zwischen den Lawinenverbauungen durch geht es talwärts. Ich muss erneut ein paar Kontrahenten ziehen lassen. In der zweiten Hälfte wird der Trail geschmeidiger und ich kann endlich das Tempo anziehen. Die Quadrizeps sind noch gut und ich muss auf dem flowigen Trail kein umknicken mehr befürchten. Ein paar Läufer kann ich einholen bevor ich für die letzten 500 Meter auf den Zermatter Asphalt komme und durch das Dorf ins Ziel laufen darf. Nach 7 Stunden und 8 Minuten perfektem Berglauferlebnis nehme ich glücklich die Finishermedaille entgegen.

Fazit

Der Matterhorn Ultraks ist zweifelsohne einer der besten Trails, die ich je gelaufen bin. Die Strecke ist mit 3‘600 Höhenmeter auf 48 Kilometer anspruchsvoll und trotzdem natürlich geführt. Der Trail hat von butterzart bis knochenhart alles zu bieten. Das Panorama der Walliser Alpen ist kaum zu toppen. Die Veranstalter setzen mit nur 6 Verpflegungspunkten und keinem Pflichtmaterial auf die Selbstverantwortung der Teilnehmer. Des Weiteren ist die Organisation top und rechtfertig das hohe Startgeld. Der einzige negative Punkt, den ich anmerken möchte, ist die Zusammenführung von K46 und K31 Läufern. Alles in allem kann ich den Matterhorn Ultraks aber jedem Trail-Enthusiasten nur ans Herz legen. Mehr Trail geht kaum.

Autor: Alex Brennwald
Bilder: Joel Meredith und Matterhorn Ultraks

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