Draussen in den Bergen ist Andrea Huser zu Hause. Trail Running, Mountainbike, Skitouren oder Multisport – sie ist ein fester Wert in der Outdoorszene. Obwohl Andrea Huser eine starke Downhill Läuferin ist, zeigt ihre Leistungskurve nur in eine Richtung – steil nach oben. Mit dem starken 2. Platz am Eiger Ultra Trail (6. Overall) in 12h52min hat sie ihre Top-Form mehr als nur bestätigt. Wir freuen uns, dass die sympathische Läuferin Zeit für ein Interview gefunden hat.

Q: Herzliche Gratulation zum starken 2. Platz an Eiger Ultra Trail E101 (→ Rennbericht 2013). Wie hat sich das Rennen entwickelt? Wie bist Du die Strecke angegangen?

Andrea: Danke vielmals! Ich versuchte anfangs ein lockeres Wohlfühltempo anzugehen. Ich brauchte aber Zeit bis ich dieses fand. Zur Grossen Scheidegg hoch dachte ich, keine guten Beine zu haben. Ich fühlte mich erst beim zweiten Mal zum First hoch wohl und kam in Fahrt. Ich wählte von meinem Gefühl her eher ein langsames Tempo, versuchte Kraft in den Beinen zu sparen und die Stöcke einzusetzen.

Zweiter Anstieg zum First - ab jetzt geht's rund © Alex Brennwald

Zweiter Anstieg zum First – ab jetzt geht’s rund © Alex Brennwald

Da mir die technischen Abwärtspassagen ganz gut liegen, konnte ich meine Verfolgerinnen in den langen Downhills distanzieren und war überrascht, dass ich auf dem langen Aufstieg zum Männlichen nicht mehr von Francesca Canepa eingeholt wurde. Da es mir letztes Jahr auf dem Männlichen ziemlich übel wurde, ging mir dies nicht aus dem Kopf und ich wollte unbedingt mit einem guten Gefühl oben ankommen. Als ich die Traverse zur Kleinen Scheidegg hinüber lief und es mir immer noch gut ging, verlieh mir dies richtiggehend Flügel.

Starker zweiter Platz am E101 mit 12h52min © Alexis Berg/UTWT

Starker zweiter Platz am E101 mit 12h52min © Alexis Berg/UTWT

Mein Motto war kräfteschonend die Berge zu erklimmen und es runter laufen zu lassen. Auf dem Eigertrail hinab lief es immer noch einigermassen locker bis ich mir kurz vor Alpiglen den Fuss arg verknackste. Danach ging‘s mit den Schmerzen zum Glück nicht mehr allzu weit hinab bis ins Tal. Sogar zur Pfingstegg hoch hatte ich keine „richtige“ Krise, nur die normale Müdigkeit. Mir gelang ein richtiger Traumlauf.

Q: Was waren die Highlights und die Tiefpunkte?

Andrea: Das erste Highlight war das zusammen treffen auf dem First mit der Spanierin Uxule Fraile. Wir haben uns vor mehreren Jahren mal an einem Expeditionsrennen (Adventure-Rennen) in Patagonien kennengelernt und das Wiedersehen ist immer ein Highlight.

Der Trail vom Faulhorn nach Schynige Platte ist immer wieder ein flowiges Erlebnis. Die Ankunft auf dem Männlichen, ohne eingeholt worden zu sein, war ebenfalls ein Highlight – ich rechnete nämlich damit, dass meine Verfolgerinnen wieder aufschliessen würden. Die Aussichten den Eiger Trail hoch in die Felsen berühren mich ebenfalls immer wieder.

Wer lange läuft muss auch gut hydrieren

Wer lange läuft muss auch gut hydrieren

Richtige Tiefpunkte hatte ich eigentlich keine, ausser, als ich den Fuss umknickte, musste ich erst mal eine Weile fluchen.

Q: Du hattest eine unglaubliche Saison – 4. Platz am Transgrancanaria, Sieg an UMSDT, 5. an der WM in Annecy, AK Sieg beim Lavaredo und jetzt der E101. Was sind Deine Ziele für die nächsten Jahre?

Andrea: Gesund bleiben – dies ist als Ultratrail-Läuferin keine Selbstverständlichkeit. Mich haben diese Läufe in den schönsten Gegenden der Welt schon etwas gepackt. Ich weiss aber noch nicht wie lange ich das machen werde. Ein Traum wäre, einmal auf einem anderen Kontinent Ultratrails zu laufen, da muss ich aber noch sparen ;-). Erst werde ich im Herbst Diagonale de Fous auf La Réunion (→ Rennbericht) laufen.

Sieg beim Ultra Mallorca Serra de Tramuntana

Sieg beim Ultra Mallorca Serra de Tramuntana

Q: Du hast die Schweiz in Annecy an der WM vertreten und einen starken 5. Platz herausgelaufen. Wie hatte sich das Rennen entwickelt? Was bedeutet diese Rangierung für Dich?

Andrea: Ich kam im Verlaufe des Rennens immer besser in Fahrt und konnte cirka ab Rennhälfte vom 12. bis zum 5. Rang vorlaufen. Ich startete nicht bewusst langsam, aber auf der technisch anspurchsvollen Strecke mit zum Teil feuchten Trails konnte ich meine Stärke ausspielen. Ich lief da zu Beginn des Rennens auf einem schönen Downhill an einer Abzweigung vorbei, der Spanierin Uxue Fraile hinten nach, wir mussten ca. 700 m wieder zurück den Berg hoch, was kurz für Ärger sorgte. Danach lief das Rennen für mich immer besser und ich schloss nach und nach auf.

Schweizer WM Team

Schweizer WM Team

Der fünfte Rang bedeutet mir sehr viel, ich habe nicht erwartet in die Top Fünf zu laufen, was eine schöne Überraschungen war. Tönt doch ganz gut 5. Rang an einer Weltmeisterschaft, oder? Es war auch schwierig einzuschätzen was ich da erwarten durfte, weil die meisten Läuferinnen für mich unbekannt waren .

Q: Ende August startest Du am UTMB. Vorfreude? Wirst Du Dich noch speziell vorbereiten?

Andrea: Nein, ich mache nicht den UTMB (→ Rennbericht), sondern der TDS, dieser Ultra findet in der Woche vor dem UTMB statt und wird vom gleichen Veranstalter organisiert. (Anmerkung: der TDS –Sur les Traces des Ducs du Savoie – geht über 119km und 7250hm D+/-). Auf den Geschmack kam ich letztes Jahr, als ich UTMB lief. Der TDS gilt als technisch anspruchsvoller, was ich sehr reizvoll finde.

Schnelle Downhills gibt's auch beim Ultraks

Schnelle Downhills gibt’s auch beim Ultraks

Q: Neben einer starken Ultra Trail Karriere kannst Du auch auf eine erfolgreiche Zeit als Mountainbikerin zurückblicken. Was können die Trail-Läufer von den Mountainbiker lernen? Warum bist du vom MTB zum Ultra Trail gewechselt?

Andrea: Ich bin von 1997-2004 MTB Rennen gefahren, danach machte ich Triathlon, Gigathlon und einige Adventure-Rennen, es waren immer lange Wettkämpfe wo ich meine Stärke habe. Beim Mountainbiken ist der Spass auf ruppigen, technischen Wegen am grössten, so ist es beim Traillauf auch. Wenn mach Spass daran hat ist man locker und kann die Geschwindigkeit geniessen, ansonsten verkrampft man sich. Ich habe nun keine Lust mehr den Aufwand für mehrere Disziplinen zu betreiben und bin nie gerne geschwommen. Jetzt mach ich das was ich seit je her am liebsten mache: in den Bergen herum rennen und MTB sowie Ski-Alpinismus als Ausgleich.

Skitouren gehören genauso zum Repertoire wie MTB

Skitouren gehören genauso zum Repertoire wie MTB

Q: Was ist Deine Lieblingstrainingseinheit?

Andrea: Vor dem Frühstück einen Berg hoch und oben ans Frühstücksbuffet.

Vielen Dank für das Interview! Andrea wird unterstützt vom Salewa Mountain Shop Grindelwald sowie Pro Sport Sigriswil. Für die weiteren Wettkämpfe wünsche wir Dir ganz viel Erfolg!!

Interview: Alex Brennwald
Fotos: Andrea Huser, Ultra Trail World Tour, JCD Fotografia

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