Philipp Reiter ist mit seinen 22. Jahren einer jüngsten aber auch einer der erfolgreichsten Ultra Trail Läufer. Der Salomon Athlet hat in den vergangen Jahren ein beachtliches Palmares aufgebaut: Sieger beim Transalpine Run, mehrfacher Sieger am Zugspitz Supertrail sowie zahlreiche andere Top-Platzierungen. Er is nie um ein lebensfrohes Posieren oder eine kernige Aussage verlegen – wir freuen uns, dass Philipp Reiter mit der Swiss Ultra Trail Community gesprochen hat.

Q: Du hast dieses Jahr schon an der Coastal Challenge (Etappenlauf: 6 Tage / 225km) und am Transgrancanaria (82km mit 4700hm D+) teilgenommen. Wie ist es Dir ergangen?

The Coastal Challenge 2014 Andres Vargas

The Coastal Challenge 2014 (c) Andres Vargas

Philipp: Die Coastal Challenge war ein riesiges Abenteuer für mich, da ich vorher noch nie in den Tropen war, geschweige denn einen Wettkampf gemacht habe, und auch nicht wusste wie mein Körper auf die hohe Luftfeuchtigkeit und den großen Temperaturunterschied zu daheim reagieren würde – immerhin ist es dort 40°C wärmer als momentan bei uns! Leider hatte ich nur einen einzigen Tag zu akklimatisieren und deswegen war die erste Etappe für mich extrem hart – nur Forststrassen und Asphalt, Gehen sogar im flachen, Sonnenstich und Sonnenbrand an den Armen und das bei Tag 1 von 6! Allerdings war es interessant zu beobachten wie schnell sich der Körper umstellen kann und sich anpasst. Und so konnte ich schon bei der zweiten Etappe die Ziellinie als Erster überqueren. Durch das Leben im Camp und die relativ überschaubare Teilnehmerzahl herrschte die ganzen 6 Tage über eine grossartige und hilfsbereite Stimmung und ich bin noch immer mit vielen anderen Teilnehmern in Kontakt.

Leider hatte ich bei dem Transgrancanaria heuer ziemliches Pech (Anm.: Philipp belegte im 2013 den 2. Platz) und obwohl ich eigentlich hochmotiviert und mit superleichten Beinen ins Rennen gestartet bin, musste ich die Spitzengruppe nach ca. 20km ziehen lassen, weil ich plötzlich nichts mehr essen konnte. Warum ist mit immer noch ein Rätsel, aber ein drastischer Energieabfall und Elektrolytmangel mit sonst bei mir untypischen Krämpfen waren die Folge. Naja, immerhin habe ich mich noch bis zum Schluss durchgekämpft… „That’s the game!“

Transgrancanaria 2014 Jordi Saragossa

Transgrancanaria 2014 (c) Jordi Saragossa

Q: Was sind Deine Highlights in diesem Jahr? Wirst Du am Eiger Ultra Trail in der Schweiz starten?

Philipp: Sicherlich ist die Skyrunning Weltmeisterschaft in Chamonix ein Saisonhöhepunkt von mir. Ich werde mich dort in der Ultra Disziplin (80km, 6000hm D+) mit der Weltspitze messen dürfen und im Schatten des Mont Blanc laufen. Ausserdem habe ich noch ein persönliches Projekt Anfang August geplant, aber da wird noch nix verraten 😉

So wie es momentan ausschaut werde ich den E51 am Eiger Ultra Trail (→Rennbericht) laufen und mir an dem Tag hoffentlich selber ein nettes Geburtstagsgeschenk machen.

Q: Du hast Dich auf die mittellangen Ultra Distanzen spezialisiert. Was sind die Gründe?

Philipp: Ja, meine „Lieblingsdistanz“ liegt etwa zwischen Marathon und 80km. Wenn ich mir meine Beine so anschaue kann ich mir niemals vorstellen diese Strecken wirklich zu schaffen (das ist ja schon mit dem Fahrrad weit) und bin ich immer wieder fasziniert was der menschliche Körper leisten kann. Momentan kann ich mir noch grössere Distanzen nicht so gut vorstellen, da die Regenerationszeit nach einem langen Lauf auch sehr lange dauert beziehungsweise habe ich wegen meines Studiums auch nicht so viel freie Zeit um noch mehr und länger zu trainieren. Weiterhin finde ich es immer wieder interessant wenn man seine eigenen Grenzen kennen lernt, die Hoch- und Tiefphasen überwindet und mehr über sich selbst in extremen Belastungen erfährt.

Matterhorn Ultraks Droz Photo

Matterhorn Ultraks (c) Droz Photo

Q: Mit der Coastal Challenge und Transalpine Run sowie 4-Trails stehen auch Etappenläufe im Fokus. Wie unterscheiden sich diese zu einem Ultra? Was fordert Dich heraus?

Philipp: Bei einem Etappenlauf ist es noch wichtiger sich jeden Tag gut einzuteilen beziehungsweise immer das gesamte Rennen im Blick zu haben. Wenn du einen Berg zu schnell hochrennst oder im finalen Downhill kurz vor dem Ziel noch einen Endspurt hinlegst um einen Gegner zu schnappen, kann das unter Umständen am nächsten Tag mit noch schwereren Beinen bestraft werden. Es ist also noch wichtiger auf seinen Körper zu hören und sich von vermeintlich schnelleren Läufern nicht zu einem Unsinn verleiten zu lassen. Egal ob es um einen Podiumsplatz oder nur um das Durchkommen geht, die richtige Taktik und Geduld bringen schlussendlich den Erfolg.

Irgendwie ist es auch skurril, wenn man am 3. oder 4. Tag mit so müden Gliedern aufsteht, dass man sich eigentlich am liebsten wieder zurück ins Bett legen will und an einen Wettkampf gar nicht zu denken ist. Aber kurz nach dem Startschuss ist dann alles wieder beim Alten und der Körper verfällt wieder in den Lauf-Modus.

Transalpine Run - Lead Team mit Iker Karrera

Transalpine Run – Lead Team mit Iker Karrera

Q: Du wirst im Juli 23 Jahre alt. Wo siehst Du Dich in 5 Jahren? Was sind Deine Ziele?

Philipp: Mittlerweile gibt es so viele spannende Läufe und Trail-Events auf der ganzen Welt, dass mir in den nächsten 5 Jahren die Veranstaltungen nicht ausgehen werden. In zwei bis drei Jahren will ich auf jeden Fall einmal einen 100 Meilen Lauf machen, nur um zu sehen, wie sich 2x meine „Lieblingsdistanz“ anfühlt beziehungsweise ob es einfach nur ein längeres Leiden ist. Ausserdem will ich unbedingt beim UTMB (→Rennbericht), Diagonale des Fous (→Rennbericht) und dem Hardrock 100 mitmachen. Ich habe mittlerweile circa die Hälfte meines Studiums absolviert und möchte in den nächsten drei Jahren dann auch meine eigene Klasse in Mathematik und Biologie unterrichten – eine neue Herausforderung.

Sieger beim Zugspitz Supertrail

Sieger beim Zugspitz Supertrail

Q: Was ist Deine Lieblings-Trainingseinheit?

Philipp: Am liebsten laufe ich die „Hometrails“ hier bei uns im Berchtesgadener Land und fahre nachher eine Auslockerungsrunde auf dem Rennrad mit meinen Freunden. Kleine Wurzelwege, steile Anstiege, auf und nieder, immer wieder 🙂 Ausserdem gehe ich zum Ausgleich gerne Klettern und Bouldern, was auch eine natürliche Ganzkörperkräftigung ist.

Vielen Dank, Philipp, für das interessante und aufschlussreiche Interview. Philipp wird von Salomon, Black Diamond, Overstim’s, Hagan Ski und Scarpa unterstützt.

Autor: Alex Brennwald
Photos: www.philipp-reiter.de  // Copyright wie jeweils bezeichnet mit Genehmigung von Philipp Reiter

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