logo EigerAm 20. Juli 2013 hat die erste Ausführung des Eiger Ultra Trails statt gefunden – und wortwörtlich eingeschlagen wie der Blitz. Drei Strecken über 101km mit +/-6700hm, 51km mit +/- 3110hm und 16km mit +/-960hm standen im Angebot und waren mit 400 resp. 450 Startern ausverkauft. Die blossen Zahlen sprechen hier schon eine deutliche Sprache – es sollte eine knackige Sache werden. Die top Organisation hat auf jedenfall einen der besten Events der Trailszene ins Leben gerufen. Eiger Profil

Grindelwald – Grosse Scheidegg – First

Um 5.00 geht es für die Starter des E101 los. Nach einem schnellen Start geht es über Singletrails schnell nach oben Richtung Grosse Scheidegg. Beim Aufstieg über die Alpweiden wird die Dämmerung der Nacht abgeschüttelt und mit den langsam warm werdenden Muskeln steigt auch die Sonne ans Firmament. Auf der Grossen Scheidegg angekommen werden die Läufer erstmals von der Sonne angelacht und mit einer grossartigen Aussicht begrüsst. Mit den ersten 1000 Höhenmetern in den Beinen geht der Trail weiter Richtung First. Hier gilt es steil runter nach Bort zu laufen um danach gleich wieder die Schlaufe hinauf zum First (zweiter Durchgang) zu schliessen.

Beim Checkpoint First ist breits etwas mehr als ein Halbmarathon mit 2000 Höhenmetern absolviert.

Eiger Scheidegg

Bussalp – Faulhorn – Schynige Platte – Burglauenen

Vorbei am Bachalpsee schlängelt sich ein schöner, flowiger Singletrail Richtung Faulhorn. Man bewegt sich konstant über 2000 Meter über Meer durch eine Postkartenlandschaft. Der Trail ist ab und zu mit einer technischen Einlage versehen, ist aber dennoch flüssig zu laufen. Nach der Verpflegungstelle beginnt der steile Aufstieg zum Faulhorn, dessen Gipfel als fernes Ziel schon lange sichtbar ist. Auf knapp unter 2700 MüM liegt der VP Faulhorn wo sich viele vom harten Aufstieg bereits gezeichnete Läufer eine wohlverdiente Pause gönnen. 33km und über 3000hm sind durch. Der Abstieg vom Faulhorn hinab zur Schynigen Platte wird technischer. Es liegen ebenfalls noch viele Schneefelder, die die Konzentration im hochalpinen Gelände zusätzlich fordern. Etwa 800 Höhenmeter Abstieg gilt es zu bewältigen ehe man nach der Stärkung am Verpflegungsposten Schnynige Platte noch einmal 1200 Höhenmeter downhill in Angriff nimmt. Abgesehen von ein paar knackigen Gegenanstiegen wird der Quadrizeps ordentlich gefordert. Nach 52km und etwa 3500hm erreicht die Strecke Burglauenen – Halbzeit.

Eiger Abstieg

Wengen – Männlichen – Kleine Scheidegg

Über einen Singletrail mit 600 Höhenmetern ging es hoch Richtung Männlichen. Ehe man diesen Gipfel in Angriff nehmen konnte, galt es mit einer grandiosen Sicht auf die Jungfrau nach Wengen abzusteigen und noch einmal Energie zu Tanken – der Gemsentest (so heisst die Strecke zwischen Wengen und Männlichen) sollte noch einmal alles fordern. Auf 4.2km steigt der Weg um 1200 knackige Höhenmeter. Beim Verpflegungsposten Männlichen darf der Läufer dann auch auf 68km Strecke und 5000 Höhenmeter zurückblicken. Weiter geht es auf einer Bergstrasse angenehm abfallend Richtung Lauberhorn. Diese 3km sind wahrscheinlich das einzige flache Teilstück des ganzen Eiger Ultra Trails. Der Anstieg zum Lauberhorn ist im Vergleich zum Rest der Strecke wenig spektakulär. Der Abstieg erfolgt über die Piste der Lauberhornabfahrt, Russisprung und Hundschopf inklusive. Auf dem folgenden Aufstieg zur Kleinen Scheidegg lassen Blitze und Donnergrollen nichts Gutes erahnen. Mit den ersten grossen Tropfen erreiche ich den Verpflegungsposten Kleine Scheidegg. 78km und 5500 Höhenmeter sind geschafft.

Eiger Männlichen 1

Gewitter und Rennunterbruch

Vom peitschenden Regen gut geschützt steht eine langsam anwachsende Läuferschar am Verpflegungsposten und wird informiert, dass das Rennen vorerst unterbrochen sei und es kein Weiterkommen gibt. Bei Bouillon und Energieriegeln wird gewartet – für mich wird es fast eine Stunde werden. Immer mehr längst überholte Läufer treffen am Verpflegungsposten ein. Der Postenchef informiert, dass der Aufstieg zum Eigergletscher gestrichen ist und dass die Strecke neu direkt nach Alpiglen führt.

Eiger kScheidegg

Alpiglen – Pfingstegg – Grindelwald

Meine Beine hatten nach einer Stunde Wartezeit etwas Mühe wieder in Schwung zu kommen. Der einfache Weg runter nach Alpiglen und Grindelwald hilft um wieder in Schwung zu kommen. Der Trail ist durch das Gewitter recht tief und rutschig geworden. Kurz vor Grindelwald zieht die Strecke noch einmal rechts weg um beim Aufstieg zur Pfingstegg die letzten verbleibenden Höhenmeter der total 6700hm der Originalstrecke zu füllen. Mit einer spektakulären Überquerung der Grindelwaldner Gletscherschlucht geht es steil hoch zum letzten Verpflegungsposten. Der Abstieg ist ebenfalls steil, aber einfach zu laufen. In Grindelwald angekommen werden wir bejubelt und laufen mit den positiven Emotionen des wunderschönen Tages im Ziel ein.

Eiger Ziel

Fazit

Der Eiger Ultra Trail hat sich mit der Erstaustragung ganz nach oben katapultiert. Die schöne und harte Strecke hat sehr viel zu bieten und wird bestimmt sofort zu einem Klassiker in der Alpenregion avancieren. Das Gewitter wurde vom OK perfekt gemeistert und die Reaktionen auf die veränderten Umstände waren angemessen. Die unterschiedlichen Streckenlängen und Wartezeiten gab dennoch einigen Läufern zu beissen. So wurde der Männlichenaufstieg nach dem Gewitter gesperrt und mit der Seilbahn absolviert, das Lauberhorn und der Eigergletscher sowie der Eiger Trail komplett gestrichen. Diese Anpassungen waren allesamt richtig, führten aber zu einer Aufmischung des Klassements und der Laufleistung. Die Enttäuschung der Läufer galt somit aber nicht dem OK Entscheid, sondern dem Wetter.

Insgesamt kann der Lauf nur empfohlen werden. Gerne verleihe ich 5 von 5 Sternen.

E 101 Männer

  1. Karrera Iker, E-Tolosa 11:08.43,7
  2. Jenzer Urs, Frutigen 12:28.23,5
  3. von Allmen Konrad, Olten 13:13.12,

E101 Frauen

  1. Canepa Francesca, I-Morgex (AO) 16:18.44,5
  2. Zbinden Kathrin, Thierachern 17:06.36,7
  3. Ogi Helene, Kandersteg 17:33.15,0

Eiger Karte

Eiger Ultra Trail 1Autor: Alex Brennwald

Photo Credits:
Timon Abegglen / www.facebook.com/TimonAbegglen
Eiger Ultra Trail / www.eigerultratrail.ch
Alpha Foto / www.alphafoto.com/event.php?eventID=441‎

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